Jahreslosung 2018

Impulse zur Jahreslosung


Gott spricht: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Offb 21,6 – Jahreslosung


 Eine Stadt wie Rom hat natürlich unendlich viele Sehenswürdigkeiten, die man sich anschauen sollte. Die kann man bei einem Kurzbesuch gar nicht alle schaffen. Aber wohl jeder Rombesucher war einmal am Trevibrunnen, dem vielleicht berühmtesten Brunnen der Welt. Es ist nicht der barocke Prunk, der ihn so besonders macht. Weltberühmt geworden ist er besonders durch einen Brauch: Wenn man über die Schulter eine Münze ins Wasser wirft, heißt es, dann wird man noch einmal nach Rom kommen. Warum auch nicht? Die Stadt lohnt einen zweiten oder dritten Besuch allemal. Und wer wünscht sich nicht, an einen schönen Ort noch einmal zurückzukehren. Kein Wunder, dass dieser Brauch inzwischen längst auch in den Brunnen anderer Städte nachgeahmt wird. Auch in Berliner Brunnen kann man Münzen finden, die wohl diesen Wunsch nach Rückkehr ausdrücken sollen.

Brunnen und Quellen sind Orte der Begegnung. Sie stehen an zentralen Plätzen, wo viele Menschen zusammenkommen. Früher kamen sie nicht nur, um sich am Wasserspiel zu erfreuen. Sondern einfach, um Wasser zu holen. Brunnen sind auch Orte des Lebens. Weil wir ohne Wasser nicht leben können. Der römische Trevibrunnen, aber auch die Brunnen auf den Plätzen unserer Städte erinnern uns daran. Deshalb laden sie uns zum Verweilen, zum Innehalten ein. So mag ich den kleinen Brunnen am Lynnbridge-Einkaufszentrum mit den wunderbaren Restaurants drum herum. Oder den Wasserfall im Botanischen Garten. Das ist wie Urlaub: auf einer Bank sitzen, das Wasser aus der Fontäne plätschern hören, den Gedanken freien Lauf lassen...

Die Jahreslosung nimmt dieses Bild vom Wasser als dem Brunnen und der Quelle des Lebens auf. Gott spricht: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Wasser ist Leben. Wo sich Wasser findet, kommen Menschen zusammen. Und weil es Leben spendet und erhält, ist es kostbar, nicht grenzenlos zu haben. In den Trockenzeiten in unserem Land wissen wir, was das bedeutet. Der christliche Glaube verspricht uns so Anteil am Leben und am Erhalt des Lebens. Ohne sein erfrischendes Wasser wird mein Durst nach Sinn nur schwer gestillt. Die Jahreslosung erinnert mich so an die Quellen meines Lebens und meines Selbst. Ich verdanke sie nicht mir selbst. Sie sind ein Geschenk. Für mich ein Geschenk Gottes. Ich vertraue darauf, dass Gott mir Kraft gibt für mein Leben. Dass er mir auch im neuen Jahr Orte der Ruhe und Besinnung schenkt. Zum Bespiel an einem Brunnen oder einer wunderbaren Quelle. Und manchmal werfe ich auch eine Münze hinein. Damit ich immer wieder dahin zurückkomme und mich an Gottes Zusage erinnere.


Pastor Dr. Christian Nottmeier