Impulse zum Monatsspruch

Pastor Dr. Christian Nottmeier


Jesus spricht: Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!. Joh 20,21


Eigentlich ist Ostern ein ganz unglaubliches Fest, ein Fest, dessen Inhalt, wenn man ihn ernst nimmt und nicht auf fröhliches Eiersuchen reduziert, höchst unwahrscheinlich und unglaubhaft klingt. Entsprechend unterschiedlich sind daher auch die Ostergeschichten des Neuen Testaments. Sie schwanken zwischen Zweifel, Staunen und dann neuer Glaubenszuversicht.


Nur die Osterszene, die Johannes im Zusammenhang mit unserem Monatsspruch schildert, ist da anders. Von Erschrecken, Zweifel, Misstrauen, Abwehr ist nicht die Rede, es heißt nur: „Da wurden die Jünger froh, dass sie den Herrn sahen.“ Ebenso klar wird das Erscheinen Jesu geschildert: Jesus kommt, tritt in ihre Mitte, entbietet ihnen den Friedensgruß und zeigt Hände und Seite. Dem entspricht dann auch die Reaktion der Jünger: Freude!


Und dennoch hat diese auf den ersten Blick glatte Geschichte der Erscheinung vor den Jüngern ihren besonderen Reiz. Denn so unaufdringlich hier Ostern geschildert wird, so deutlich ist doch die Aussage. Der Osterglaube, den die Jünger hier empfangen, ist Gabe und Aufgabe. Es ist ein Glaube, der Friede und Freude schenken soll. Es ist aber auch ein Glaube, der sich nicht auf sich selbst zurückzieht, sondern der die Glaubenden in die Welt sendet. Der Glaube bleibt an die Welt gesandt.


Ich stelle mir vor, dass diese Begegnung den durch Jesu Tod verdunkelten Horizont der Jünger aufhellt und weitet. Das macht die Freude aus, von der die Rede ist. Jesus grüßt sie mit dem Friedensgruß. Das macht ihre Seelen froh und weitet ihren Horizont. Es ist eine heilsame Botschaft für aufgewühlte Seelen und verwirrte Köpfe. Dass diese Friedenszusage sie sofort verändert, zeigt sich auch an ihrem Auftrag. Die Jünger hatten Fenster und Türen vor lauter Furcht verrammelt, als Jesus zu ihnen kommt. Sein Friedensgruß nimmt ihnen ihre Angst. Sie können hinausgehen in die Welt, mit neuer Hoffnung und frischer Zuversicht.


Vielleicht ist das bis heute die wichtigste Osterbotschaft. Unsere Ängste, unsere Unruhe, die harten, scheinbar unveränderlichen Realitäten dieser Welt, sie behalten nicht das letzte Wort. Sondern plötzlich weitet sich der Horizont, auf einmal wird Hoffnung wieder möglich. Wir können aufbrechen, uns senden lassen, weil wir von Gott geliebt und angenommen sind.


Manche sagen, früher haben die Menschen irgendwie fester geglaubt, weniger gezweifelt. Da sei Glaube einfacher gewesen. Ich bin mir nicht sicher, ob das so stimmt. Aber es kann sein, dass gerade wir mehr als frühere Generationen auf die Osterbotschaft angewiesen sind, uns an ihr erfreuen und trösten können, wenn wir uns auf sie einlassen. Denn wir brauchen den weiten Horizont, den Horizont, der in die Ewigkeit reicht. Solche Menschen mit weitem Horizont, der bis in die Ewigkeit reicht, macht Ostern aus uns. Solche Menschen braucht unsere Welt. Damit es für uns und alle Menschen Ostern wird und Jesus zu uns spricht:

 

„Friede sei mit euch! Wie mich der Vater gesandt hat, so sende ich euch!“