(Predigttext:  Psalm 31, 9b)

 

Liebe Konfirmandinnen und Konfirmanden, liebe Eltern, liebe Gemeinde!


Du stellst meine Füße auf weiten Raum, so heißt es im 31. Psalm – und über diesen einen Satz will ich heute nachdenken. Weil er auch paßt – so denke ich – zu dem was wir heute feiern: Konfirmation. Heute werdet ihr ein Stück mehr erwachsen, ja in der Kirche seit ihr jetzt mündige Christenmenschen, habt eine Freiheit, euch selbst zu entscheiden, was ihr glaubt, worauf ihr im Leben bauen wollt. Das kann euch niemand mehr vorschreiben. Das feiern wir, daß ihr mit Ernst Christen in dieser Zeit sein wollt und das euch vor Gott eine weite Zukunft eröffnet ist.


Du stellst meine Füße auf weiten Raum –Hinter dem Menschen, der diesen Psalm betet, liegen schwere Zeiten. Er spricht von Elend und Not, von seelischen Krisen und Verunsicherung, er spricht von Feinden, die ihn bedroht haben. Wir, liebe Gemeinde, wissen nicht um die konkrete Lebenslage damals. Dennoch können wir auch heute diese alten Worte nachbeten. Ich kann sie im Nachbeten zu meinen eigenen Worten machen. Damit stelle ich mich auf weiten Raum. Ich gewinne die Möglichkeit, in der Rückschau den Krisen in meinem Leben, der Trauer und den Schmerzen einen Namen zu geben. Meine eigene Geschichte, meine Verletzungen, meine Bedrohungen und Narben bekommen bei Gott Worte, einen Namen. All die belastenden Dinge werden so mit hinein genommen in die lange Liebesgeschichte Gottes mit seinen Menschen, mit mir.
Du stellst meine Füße auf weiten Raum – der betende Mensch bleibt nicht in der Rückschau stehen, er sieht nicht nur zurück auf die Wege durch die Dunkelheit, die nun hinter ihm, hinter ihr liegen. Jetzt kann er jubeln, jetzt kann er sich freuen, kann Gottes Liebe und Güte, seine Huld preisen und sie dafür loben, dass seine Füße jetzt auf weiten Raum gestellt sind. Er kann – wir hier im südafrikanischen Frühsommer vielleicht besonders – die leichte Luft genießen, das Blau des Himmels und die Farben, die in der Sonne leuchten, die Wärme der Sonnenstrahlen. Vor ihm: Weite und offenes Land, fester Grund, um gut zu gehen, weiter zu gehen in die Zukunft, hinein in das Leben. Die Schatten der Vergangenheit bleiben, sie prägen aber nicht mehr die Wege in der Gegenwart und in der Zukunft.


Du stellst meine Füße auf weiten Raum – das könnt Ihr Jugendlichen für Euch nachsprechen. Eure Füße stehen auf weitem Raum: als Jugendliche in unserer Gesellschaft, als Erwachsene in unserer Kirche könnt Ihr Schritte tun, Räume und Möglichkeiten für Euch entdecken und dann annehmen und gestalten. Dabei werdet ihr sicher an Grenzen stoßen, merken, dass manche Räume anders aussehen als sie sind. Gottes Segen wird Euch begleiten. Er ist das Versprechen Gottes, dass er Dich nie im Stich lassen wird, im Elend, in der Not und im Angesicht von Feinden nicht – selbst wenn es mit unseren Augen betrachtet so scheinen mag.


Du stellst meine Füße auf weiten Raum – dieses Wort, diese Gewissheit gilt auch uns Eltern, Euch und Ihnen, den Großeltern, Patinnen und Paten, den Verwandten, Freundinnen und Freunden unserer Jugendlichen, gilt Euch, liebe Gemeinde. Auch Eure Füße sind in diesen weiten Raum des Lebens hineingestellt, selbst wenn Ihr mehr Schritte und Wege hinter euch habt als unsere Konfirmandinnen und Konfirmanden, selbst wenn die dunklen Schatten der Not und Trauer bis in diesen Tag heute hineinreichen. Eure Füße sind auf den weiten Raum des Lebens gestellt, sie können Schritte gehen, die Euch weiter bringen, gehalten und getragen von Gottes Liebe und Güte, umgeben von seiner Huld. Dafür können wir Gott loben und preisen. Und das haben wir eben getan mit einem Lied von Klaus Peter Herztsch. Es ist von ihm geschrieben worden zur Hochzeit seiner Patentochter. Vor allem aber: Es entstand 1989. Es wurde zur Deutung seiner Entstehungszeit. Es verband die Umbrüche jenes Jahres mit einem klaren Klang. Es verhalf der gewaltlosen Revolution des Herbstes 1989 zum Wort. Hoch politisch klang es deshalb, als es in jenem Herbst gesungen wurde; denn es drückte sehr unmittelbar aus, was die Menschen bewegte. Es verband plötzlich biblische Verheißungen nicht konkreten privaten wie gesellschaftlichen Situtationen.


Du stellst meine Füße auf weiten Raum – dieses Lied beschreibt, dass man – von Gott so ausgestattet wie ihr – sich getrost auf den Weg machen kann, ins selbstbestimmte Leben, in den Glauben, und in die Zukunft hinein. Denn wer so wie ihr mit Gott unterwegs ist, dem gelten Gottes Verheißungen, die dieses Lied umschreibt. Leuchtend steht Gottes Bogen über uns – Zeichen unser Gemeinschaft mit ihm, so heißt es in der 1. Strophen. Gott will uns segnen, und wir sollten sein Segen sein, verdeutlich die 2. Strophe. Und so ist es mit euch, liebe Konfirmandinnen. Ihr seid gesegnet – die Konfirmation als Einsegnung macht das noch einmal deutlich – und ihr seid ein Segen auch für unsere Gemeinde. Und weil ihr das seid und weil wir so einander haben in der Gemeinschaft mit Gott, gilt uns auch das letzte aus dem Lied. Nicht nur wir gehen mit unseren Füßen auf diesem Weg im weiten Raum, sondern Gott selbst kommt uns entgegen.

 

Vertraut den neuen Wegen,
auf die uns Gott gesandt!
Er selbst kommt uns entgegen.
Die Zukunft ist sein Land.
Wer aufbricht, der kann hoffen
in Zeit und Ewigkeit.
Die Tore stehen offen.
Das Land ist hell und weit.

 

Amen.