Die Tür zum Glauben


Liebe Konfirmanden, liebe Gemeinde,



nächsten Sonntag ist es soweit – wir feiern eure Konfirmation. Es wird ein besonderer Tag für euch und eure Familien sein. Dieser Tag soll für euch zu einem Schlüsselerlebnis werden. Ein Schlüssel hat die Funktion etwas aufzuschließen oder auch zuzuschließen. Was kann für euch an diesem Tag abgeschlossen werden? Und was wird euch durch diesen Tag aufgeschlossen?


Zu Ende gehen zwei Jahre Konfirmandenunterricht. Ihr macht nächsten Sonntag einen wichtigen Schritt von der Kindheit hin zum Erwachsen Werden. Eure Eltern und Verwandten haben spätestens heute, mit dem Vorlesen eurer Bekenntnistexte gemerkt, wie sehr ihr inzwischen aus den Kinderschuhen herausgewachsen seid. Und auch ihr selber merkt, wie schnell sich alles in der letzten Zeit entwickelt hat. Ihr wollt mitreden, ihr wollt mitbestimmen, ihr wollt mitgestalten, ihr wollt erwachsen werden. Ihr steht an einer wichtigen Schwelle eures Lebens. Und an dieser Schwelle möchte ich euch gerne einen biblischen Spruch mit auf den Weg geben.


Er steht im Johannesevangelium, im zehnten Kapitel: Jesus Christus spricht: „Ich bin die Tür, wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden“ (Joh 10, 9).


Stellen wir uns einen Gang vor. Auf beiden Seiten befinden sich mehrere Türen. Wir gehen den Gang entlang. Durch eine dieser Türen könnten wir jetzt treten. Aber durch welche? Wir stehen vor einer dieser Türen. Sie ist halb geöffnet. Sie trennt den Gang vom dahinterliegenden Raum. Gleichzeitig verschafft sie auch Zugang zu ihm. Sollen wir eintreten? Können wir eintreten?Gibt es jemand, der uns die Tür öffnet? Oder einen, der uns den Weg versperrt? Wohin führt die Tür? Wo geht es lang? Wollen wir in den dahinter liegenden Raum? Was verbirgt sich in ihm?


Liebe Konfirmanden, am Anfang unserer gemeinsamen Zeit habt ihr euch auf den Weg gemacht, ohne recht zu wissen, wo der Weg entlang führt, ohne zu wissen, was hinter den Türen ist. Manche von euch sind erst einmal mit Skepsis an den Konfirmandenunterricht herangegangen. Was mich da wohl erwartet? Und dann habt ihr erlebt, wie sich euch manche Türen geöffnet haben und ihr Dinge entdecken konntet, die für euch interessant waren und die euch etwas gebracht haben. Ihr habt neue Seiten an euch selbst entdecken können. Ihr habt neue und auch alte Freunde entdecken können und ihr habt Gott entdecken können. Gut, dass ihr euch vor zwei Jahren für den Konfirmandenunterricht entschieden habt, dass ihr euch auf den Weg gemacht habt. Gut, dass ihr euch für diese Tür entschieden habt.


Jesus Christus spricht: „Ich bin die Tür, wenn jemand durch mich hineingeht, wird er selig werden.“


Ich frage mich, ob ihr in eurem vor euch liegenden Leben selig werdet? Die Welt, in die ihr immer weiter hineinwachst, ist sicherlich noch keine Welt der Seligkeit. Große Herausforderungen warten auf euch. Die Tür ist keine Tür zum Paradies. Auch wenn einem als Jugendlicher die Erwachsenenwelt sehr verlockend vorkommen mag. Von den Widersprüchlichkeiten und den Abgründen der Erwachsenenwelt werdet ihr auch schon so manchens erfahren haben. Wenn Jesus Christus sagt, dass derjenige, der durch ihn ins Leben geht, selig wird, ist er dann nur einer, der wie viele andere zu viel verspricht? Und sind die, die sich an ihn halten, nur Träumer? - Nein, sind sie nicht. Es sind ganz einfach nur Menschen, diesich ihre Lebenswege durch Jesus Christus öffnen lassen: Wir können ein Leben gewinnen, das sinnerfüllt ist, ein echtes Leben, ein Leben, das sich nicht in Unwesentlichen Dingen verliert, ein reiches Leben, ein glückliches Leben. Ein Leben, von dem man auch im Rückblick sagen kann: es war ein gutes Leben. Glücklich ist, selig ist, wer dieses Leben führt.

 

Wie sieht dieses Leben aus? Welche Kennzeichen hat es? Drei Gedanken hierzu heute für euch.


Der erste Gedanke: Dieses Leben ist innerlich davon erfüllt, dass es zu Gott gehört. Wenn ich weiß, dass ich zu Gott gehöre, und wenn ich davon überzeugt bin, dass Gott es gut mit mir meint, dann kann mir das enorm viel Sicherheit und Gelassenheit im Leben geben. Gott hat mich geschaffen. Ich bin kein Zufallsprodukt, sondern Ausdruck der Liebe Gottes. Er hat mich so geschaffen, wie ich bin. So bin ich gewollt. Auch mit meinen Schwächen und Fehlern, mit meinen Ängsten und Zweifeln. Gott steht zu mir. So wie ich bin. Auch mit meinen besonderen Stärken und Begabungen. Gott hat in mich investiert. In mir steckt etwas. Daraus kann ich was machen. Ich kann was. Ich bin was. Ich bin neugierig auf das Leben. Ich will das Leben leben.


Der zweite Gedanke: Wenn ich durch diese Tür gehe, dann betrete ich einen bestimmten Raum. Ich bewege mich im Raum der Kirche und der Gemeinschaft der Christen. Ich bin nicht allein. Ich bin Teil einer Gemeinschaft, die an Jesus Christus glaubt und die davon überzeugt ist, dass der Weg Jesu nicht umsonst war. Dass er für mich selber eine Bedeutung hat. Dass es sich lohnt, sich selber zu überwinden und den Weg der Liebe, der Vergebung, der Gerechtigkeit und des Friedens zu gehen. Ich gehöre zu dieser Gemeinschaft.


Das dritte Gedanke ist schließlich: Wer durch diese Tür geht, der bringt sich als Christ in das Geschehen der Welt ein. Ihr sollt Boten Gottes werden. Türöffner für Gottes neue Welt. Damit auch andere Menschen eine Chance haben, ein glückliches und erfülltes Leben zu führen.


Liebe Konfirmanden, ich wünsche Euch, dass ihr den Weg, den Ihr eingeschlagen habt, dass Ihr diesen Weg weitergeht. Dass Ihr den Weg durch die Tür Gottes fortsetzt. Es ist ein Weg, der selig macht, der glücklich macht, der dem eigenen Leben Sinn gibt und der Welt Gewinn gibt. Seid mutig. Versteckt Euch nicht. Ein unendlich großer Schatz steckt in Euch. Das soll die Welt erfahren.



Amen.