(Predigttext: 4. Mose 21, 4-9)


4 Da brachen sie auf von dem Berge Hor in Richtung auf das Schilfmeer, um das Land der Edomiter zu umgehen. Und das Volk wurde verdrossen auf dem Wege

5 und redete wider Gott und wider Mose: Warum habt ihr uns aus Ägypten geführt, dass wir sterben in der Wüste? Denn es ist kein Brot noch Wasser hier, und uns ekelt vor dieser mageren Speise.

6 Da sandte der HERR feurige Schlangen unter das Volk; die bissen das Volk, dass viele aus Israel starben.

7 Da kamen sie zu Mose und sprachen: Wir haben gesündigt, dass wir wider den HERRN und wider dich geredet haben. Bitte den HERRN, dass er die Schlangen von uns nehme. Und Mose bat für das Volk.

8 Da sprach der HERR zu Mose: Mache dir eine eherne Schlange und richte sie an einer Stange hoch auf. Wer gebissen ist und sieht sie an, der soll leben.

9 Da machte Mose eine eherne Schlange und richtete sie hoch auf. Und wenn jemanden eine Schlange biss, so sah er die eherne Schlange an und blieb leben.


Predigtimpuls I (Friedeburg Wenhold)


Der Weg der Israeliter: Von Ägypten nach Kanaan, das war das von Gott gelobte Land. Wenn Google recht hat, ist der direkte Abstand knapp über 600 Kilometer. Dafür haben die Israeliter 40 Jahre gebraucht. Das sind effektiv etwa 15 Kilometer im Jahr. Mich macht das nachdenklich.

 

Jesu Lebensweg: Sein Weg hat über ein Gericht zum Kreuz geführt. Es war ein Leidensweg. Daran denken wir in der Passionszeit, und besonders an diesem Sonntag der den Namen Judika - das heißt “richte (mich)” - trägt. Ist das für uns ein Wegweiser?

 

Der Weg unserer Johannesgemeinde: Wo geht er hin? Wie erreichen wir das Ziel? Wahrscheinlich haben wir als Gemeinde und als Individuen - so wie die Israeliten damals – eine mehr oder weniger klare Vorstellung von dem Endziel. Für die Israeliten war es das “gelobte Land” (Kanaan). In dem Psalm und Kanon von eben, wird die Gottes-“Wohnung” als unsere Endstation besungen… in einem alten Kindergebet heißt es: “Lieber Gott mach mich fromm, dass ich zu dir in den Himmel komm”: Himmel also als Endziel. …. Viel schwieriger ist es oft, die konkreten, kurzfristigen Ziele und Wegstrecken zu erkennen und zu verstehen. Dann, wenn Umwege oder gar Leidenswege unsern Lebensweg beschweren oder sogar das Leben bedrohen. Wenn wir vielleicht eine falsche Abfahrt genommen, einen falschen Entschluss gefasst haben. Was gibt uns eine Überlebens-Chance, wenn wir nicht gerade auf der Vorfahrtbahn sind, wenn unser LebensGPS uns zu “recalculate” oder “re-routing” zwingt? Sagen wir uns dann: Das ist wie nun mal der Würfel gefallen ist: etwa wie auf dem Weg zum Ziel beim “Mensch ärgere dich nicht”-Spiel, oder bei “Snakes and Ladders?”.

 

In dem Predigt-text, den wir vorhin gehört haben, haben wir eine überraschende Antwort gehört, als die Reise der Israeliten gefährdet war. Lena hat sich dazu Gedanken gemacht. Mit dem Lied “Jesu geh voran” wollen wir uns auf ihre Botschaft vorbereiten.

 

Lied EG 391: Jesu geh voran


Predigtimpuls II (Lea Moos)


Das Volk Israel, wie wir eben gehört haben, ist auf dem Weg. Sie murren, klagen über die Zustände und ihre nicht erfüllten Erwartungen. Sie sprechen wider Mose und Gott. Sie verärgern ihn und auf ihre Klagen hin sendet Gott ihnen „Schlangen, deren Gift wie Feuer brannte“. Eine Schlange, das ist ein Tier, vor dem viele von uns Respekt haben, vielleicht sogar Ekel empfinden. Sie können groß sein, haben viel Kraft und wie in der Geschichte sind sie manchmal sogar giftig. Ein Symbol der Sünde, wie wir es gleich zu Beginn in der Paradieserzählung finden. Gott sendet sie aber nicht nur als Zeichen, sondern die lebendigen Schlangen töten viele der Israeliten.

 

Aber warum schickt er ihnen eine so harte Bestrafung, lässt einen Teil seines eigenen Volkes schon wieder sterben?

 

Für Gott können sie ihr Fehlverhalten und ihre Widerrede wohl erst durch den Tod und durch Bestrafung erkennen. Sie sehen all die Menschen um sie herum sterben, viele leiden aufgrund des Schmerzes, denen die Schlangen ihnen zufügen. Und so versuchen sie auf Gott zuzugehen: „Wir haben gesündigt.“ – sie erkennen ihre Widerrede als Sünde an und bitten Mose, dass Gott die Bestrafung von ihnen nimmt.

 

Aber die Schlangen und Symptome werden nicht einfach beseitigt, so wie sie es sich gewünscht haben. Gott hilft ihnen auf eine andere Art und Weise: Er möchte, dass Mose eine kupferne Schlange anfertigt. Diese soll an seinem Stab aufgerichtet werden. Eine Verherrlichung seiner Strafe, welche den Menschen in Erinnerung bleiben soll. Sie sehen ihre eigene Sünde an, aber noch viel mehr:

 

Das Anschauen der Schlange bringt Leben. Nicht er errettet sie bedingungslos, sondern sie müssen selbst handeln. Auch in tiefster Not, in denen Zweifel sie quälen, müssen sie voller Zuversicht Gott ansehen, um zu leben.

 

Er ist ihr Rettungszeichen, ihr Blick holt sie aus dem Verderben. Ein Blick voller Vertrauen und Zuversicht, zwar auf das Zeichen der Schlange, aber vielmehr sehen sie Gott selbst an. Sie retten sich durch ihre innige Beziehung, ihren tiefen Glauben an ihn. Gott, der sie zuvor so bestraft hat, ist ihnen gnädig.

 

In Gefahren sollen wir uns dem Gift aussetzen. Er nimmt nicht den Ärger bedingungslos von uns, sondern Gott erwartet, dass wir unseren Fehlern standhalten und Einsicht zulassen. In Bedrängnis nicht aufgeben und dabei immer den Blick auf Gott, der einen dabei unterstützt und vergibt.

 

So wie die Schlange vom Zeichen der Bedrängnis, der Sünde und des Todes zum Ausdruck des Lebens geworden ist, so ist es das Kreuz für das ewige Leben. Das Kreuz wird zur Rettung aus der Sünde, in dem Jesus Christus an ihm erhöht wird.

 

In Johannes 3 spricht Jesus mit dem Pharisäer Nikodemus. Er erzählt ihm von der Bedeutung der Schlange in 4.Mose:

 

„Du weißt doch, wie Mose in der Wüste eine Schlange aus Bronze an einem Pfahl aufrichtete, damit jeder, der sie ansah, am Leben blieb. Genauso muss auch der Menschensohn an einen Pfahl gehängt werden. Jeder, der dann voll Vertrauen auf ihn sieht, wird das ewige Leben haben.“

 

Wie das Volk Israel in der Wüste auf Gott schaut, schauen wir auf Jesus Christus und das Kreuz, an dem er für uns gestorben ist. Ein Blick voller Vertrauen und Zuversicht, dass er uns das ewige Leben schenkt. Wir sehen sein Leid und seinen Tod, aber auch seine Auferstehung im Zeichen des Kreuzes. Und er fordert uns immer wieder heraus, es voller Glaube anzusehen. Den Blick nicht von ihm weichend, der Versuch, die Gewissheit des ewigen Lebens nicht zu verlieren.

 

Wir sind gemeinsam auf dem Weg, wollen Nachfolger Christi sein und so schauen wir heute als Gemeinde auf das Kreuz. Wie das Volk Israel werden wir öfter mal stolpern, aber im Kreuz vergibt Gott uns unsere Fehler und Sünden. Lasst uns nur den Blick auf das Kreuz nicht verlieren und uns gemeinsam an seiner Liebe und Güte erfreuen.


Amen.