Liebe Gemeinde,

 

Gibt es wichtige Vorbilder in eurem Leben? Personen des öffentlichen Lebens, Stars, eure Eltern vielleicht oder Menschen, die euch ganz persönlich beeindruckt haben? Wünschst du dir selbst, Vorbild zu sein für andere? Für mich sind Mose, Petrus und Paulus Vorbilder. Sie haben sich nicht zugetraut, dass sie Gottes Werkzeuge in dieser Welt sein durften, und am Ende haben sie es doch mit Gottes Hilfe geschafft.

 

Bewusst oder unbewusst sind wir alle von Vorbildern geprägt, in erster Linie von solchen, die wir bewundern, daneben aber sicher auch in negativer Weise, nach dem Motto: So will ich es mal nicht machen. Wahrscheinlich sind sich die meisten einig: Wir brauchen Vorbilder, um uns danach auszurichten.

 

Was aber heißt es, wenn wir selbst aufgefordert sind, Vorbild zu sein? Ist es motivierend, belastend oder lähmend?

 

Als Predigttext höhren wir einen Abschnitt aus dem Schlussteil des ersten Petrusbriefes, wo es um die Gemeinde und ihre Leiter geht.

 

1. Petrus 5, 1-4 (Hoffnung für alle)


1. Jetzt noch ein Wort an die Gemeindeältesten unter euch. Ich selbst habe die gleiche Aufgabe wie ihr, bin ein Zeuge der Leiden Christi und werde auch an seiner Herrlichkeit Anteil haben, wenn er wiederkommt. Deshalb möchte ich euch bitten:

2. Versorgt die Gemeinde gut, die euch Gott anvertraut hat. Hütet die Herde Gottes, als gute Hirten, und das nicht, weil es eure Pflicht ist, sondern freiwillig und gern. Das erwartet Gott. Es geht dabei auch nicht ums Geldverdienen, sondern darum, daß ihr mit Lust und Liebe Gott dient.

3. Spielt euch nicht als Herren eurer Gemeinde auf, sondern seid ihre Vorbilder.

4. Nur dann werdet ihr eine unvergängliche Auszeichnung – das Ewige Leben – erhalten, wenn Christus wiederkommt, der ja der oberste Hirte seiner Gemeinde ist.

(5. Den jungen Leuten unter euch sage ich: Ordnet euch den Gemeindeältesten unter, Gottes Gnade gilt denen, die zum demütigen Gehorsam bereit sind. ...

7. Überlaßt alle eure Sorgen Gott, denn er sorgt für euch.)


Die Worte, die wir gehört haben, können über die Jahrhunderte hinweg noch heute zu uns sprechen.

 

Der Briefschreiber richtet sich an die frühen christlichen Gemeinden in Kleinasien, auf dem Gebiet der heutigen Türkei. Das Gemeindeleben ist vor einige Probleme gestellt. Sie musssten dauernd Bedrängnis und Verfolgunge erdulden. Der Brief will Ratschläge geben, wie man mit so einer Situation umgehen kann.

 

Gruppen von Menschen brauchen Führung. In unserer Gemeinde haben wir in den letzten Monaten viel erlebt mit dem Pastorenwechsel. Nun ist unsere Gemeinde eine Zeitlang ohne einen eigenen Pastoren. Wie wird es sein? Mein erster Gedanke war: - nun sind wir ohne unseren Führer, ohne unseren Hirten. Dann habe ich gefragt: Wer hat jetzt die Verantwortung für die Gemeinde zu übernehmen, für die Verwaltung der Gemeinde ebenso wie für das geistliche Leben?

 

Die Adressaten dieser Worte sind die Menschen in der Leitung einer christlichen Gemeinde. Die Ältesten, da steht im Griechischen „Presbyterous“ - die Presbyter wie manche das kennen. Damit sind keineswegs nur die - an Jahren Alten - gemeint – das sind bei uns heute die Mitglieder des Gemeinde- oder Kirchenvorstands, die Führer und die Vorangehenden.

 

Es sind damit auch nicht nur die Pastoren und Pastorinnen gemeint. Es geht nicht um eine/n, die/der einer Gruppe sagt, wo es lang gehen soll.

 

Es geht um eine Leitungsgruppe.. So wie nach biblischem Verständnis auch der Pastor einer aus der Gemeindeleitung mit einem besonderen Dienst ist.

 

Sie werden mit einem Bild beschrieben. Sie sollen die Herde Gottes weiden. Sie sollen Hirten sein. Und dann schreibt Petrus in Vers 5 auch an die Jüngeren, die mehr am Anfang des Glaubens stehen, die eher neu im Glauben sind.

 

Die sollen sich den Fortgeschrittenen unterordnen: respektiert sie,.- praktiziert, was sie sagen, - setzt das um, - fügt euch ihrem Rat.

 

So etwas klingt für unsere Ohren heute gar nicht angenehm, jeder möchte gern sein eigener Herr sein, aber ein Christ ist nicht sein eigener Herr, sondern steht unter dem Herrn Jesus.

 

Im Schlussteil nimmt der Brief ein Bild auf, das uns vertraut ist: „Weidet die Herde Gottes“.

 

Das Bild vom guten Hirten ist uns aus dem 23. Psalm vertraut,

 

Hier nun richtet es sich an diejenigen, die die Gemeinde leiten: „Weidet die Herde Gottes, die euch anbefohlen ist.“ Traditionell steht heute, zwei Wochen nach Ostern, der gute Hirte im Zentrum unserer Gottesdienste. Der Hirte mit seinen Schafen ist ein Bild, das in unserem Alltag praktisch nicht mehr vorkommt, und doch ist es ein uns vertrautes Bild voller Symbolkraft. Jesus selbst hat dieses Bild für sich übernommen. Jesus ist Herr der Gemeinde,er ist der Hirte der Gemeinde.

 

Wir sind Teil der Herde Gottes. In jeder Kirchengemeinde gibt es Menschen, die Aufgaben übernehmen, um diese „Herde“ zu leiten. Das war zu der Zeit der frühen Christenheit so und das ist bis heute so geblieben.

 

Hören wir noch einmal, was die Briefverse den Hirten mit auf den Weg geben: „Weidet die Herde Gottes, die euch anempfohlen ist, und achtet auf sie, nicht gezwungen, sondern freiwillig, wie es Gott gefällt, nicht um schändlichen Gewinns willen, sondern von Herzensgrund, nicht als solche, die über die Gemeinde herrschen, sondern als Vorbilder der Herde.“ Da ist alles drin, Worte, die sich alle zu Herzen nehmen dürfen, die in irgendeiner Funktion leiten. Es gibt in jeder Gemeinde die, die im Glauben fortgeschritten sind oder vorangehen sollen, Verantwortung übernehmen und die, die sich ihnen unterordnen sollen.

 

So lebt Gemeinde miteinander unter dem Guten Hirten Jesus.

 

Wer im Glauben schon Fortschritte gemacht hat, der hat Verantwortung für andere, dass sie auch im Glauben wachsen.

 

Weidet bei euch die Herde Gottes, schreibt Petrus, sorgt für die, die euch anbefohlen sind. Es geht um Menschen die Gott gehören.

 

Das sind zuerst die eigenen Kinder oder Enkel oder Patenkinder.

 

Das können auch Bekannte oder Freunde sein.

 

Das können Glaubenspartnerschaften sein: Eine Person kümmert sich um eine andere.

 

Das können Kleingruppen sein: 3-4 Leute miteinander, oder ein Hauskreis oder ein Gemeindekreis, oder Kinder, Jugendliche, Familien, Senioren.

 

Hirten haben eine hohe Verantwortung: die Herde ist ihnen anbefohlen (offizieller Auftrag) sie sollen, freiwillig, wie es Gott gefällt,auf sie achten von Herzensgrund (nicht aus Gewinnsucht), nicht als Herrschende, sondern als Vorbilder.

 

Ich habe euch zu begin der Predigt gefragt ob es in eurem Leben Vorbilder gibt und ob ihr selbst Vorbild sein möchtet. Denn im Grunde richtet sich dieser Anspruch an uns alle: Wie wir als Christinnen und Christen leben, das bestimmt das Bild, das andere von uns als „Gottes Herde“ haben.

 

Vorbild sein – häufig wird damit ein hoher Anspruch verbunden. …

 

Ist es aber tatsächlich das Perfekte, das wir als Vorbild brauchen? Was wir brauchen, sind Vorbilder, die durchaus auch Fehler machen – entscheidend ist, wie du damit umgehst. Wir brauchen keine perfekten Ideale, sondern Menschen, die zu ihren Schwächen stehen. Menschen, wie Petrus und Paulus, die sich auch irren zu können, die dann Verantwortung übernehmen bzw. daraus lernen und lernen, es besser zu machen.

 

Es ist bezeichnend, dass es gerade Petrus zugesprochen ist, dies geschrieben zu haben. „Seid Vorbilder der Herde.“ Er ist das Vorbild des Menschen, der auch Fehler macht. Der den Mund zu voll nimmt, um sich anschließend zutiefst zu schämen, und der dann erfahren darf: Jesus nimmt ihn dennoch an.

 

Egal, ob wir Verantwortung in der Gemeinschaft übernehmen oder im persönlichen Bereich, egal, ob wir uns Vorbilder suchen oder selbst zum Vorbild werden: Es ist gut, sich daran zu erinnern, dass wir alle Fehler machen. Das hilft uns, selbst barmherzig zu sein – mit uns selbst und mit anderen. Wenn wir in dieser Barmherzigkeit Jesus und auch Petrus nachfolgen, dann gelten auch uns diese Worte: „So werdet ihr, wenn erscheinen wird der Erzhirte, die unvermeidliche Krone der Herrlichkeit empfangen.“ Jesus nimmt uns an, so wie wir sind und gibt uns Anteil an der Liebe Gottes.


Amen