(Kol. 4: 2 – 4)


Liebe Gemeinde!

 

Vieles in diesem Gottesdienst hat uns auf das Thema dieses Tages hingewiesen. Wir feiern heute den Sonntag Rogate, d.h. Bittet oder Betet. Was geht uns durch den Kopf, wenn wir diesen Aufruf hören?

 

Wir haben alle ein sehr unterschiedliches Verhältnis zum Gebet. Manche beten regelmäßig, andere gar nicht. Manche sagen: Das Gebet nützt nichts und andere wieder haben ein Schuldgefühl, weil es ihnen an einer regelmäßigen Gebetspraxis fehlt; andere wieder sagen, wir sollten weniger beten und lieber mehr tun; andere wieder zweifeln daran, dass ihre Gebete überhaupt gehört werden; andere wieder haben positive Erfahrung mit dem Gebet gemacht und erleben es als Trost- und Kraftquelle; andere sagen, Beten ist für Kinder, Erwachsene müssen etwas tun, wenn sie etwas erreichen wollen. Manche sagen: Gebet ist auf Gott hören; für andere wird das Reden mit Gott zu einem Auftrag an Gott: Anstatt zu sagen: Rede Herr, dein Knecht hört!, sagen sie: Höre Herr, dein Knecht redet! Noch andere sagen: Gebet ist mein Leben und mein Leben ist mein Gebet. Das Gebet ist für sie nicht ein Gespräch zu einer bestimmten Stunde oder an einem bestimmten Ort, sondern eine Lebenshaltung, etwas das ständig geschieht, eine ständige Kommunikation mit Gott, das ständige Erleben der Nähe Gottes. Lasst uns doch einmal hören, was unser Predigttext aus Kol.4: 2 – 4, uns heute zum Thema sagt:

 

Haltet an im Gebet und wacht in ihm, mit Danksagung! Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin, damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss.

 

Wer beginnt seinen Tag und wer schließt seinen Tag mit einem Gebet? Wie beginnt unser Arbeitstag? In vielen Familien beginnt schon der Morgen mit Hektik und Stress: Der Vater hört beim Rasieren, die Nachrichten, beim Anziehen isst er seine Schnitte Brot und gießt beim Gehen noch schnell eine Tasse Kaffee hinunter und ruft an der Tür: „Tschüss alle, bis heute Abend“. Und die Kinder, schlaftrunken packen sie ihre Schulsachen, in einer Eile löffeln sie ihr Müsli, mit einer Hand putzen sie die Zähne, während sie mit der anderen Hand versuchen das Haar zu kämmen. Auch sie stürzen zur Tür und rufen noch: „Tschüss Mutti!“ und fort sind sie auch um den Bus zur Schule nicht zu verpassen. Die Mutter wischt die Küche, packt das Geschirr in die Spülmaschine und eilt zum Auto, noch zeitig bei der Arbeit zu sein. Jeder ist gestresst! Es könnte aber so anders sein! Haltet an im Gebet, sagt uns unser Text. Habt den Mut nur 5 Minuten eher auf zu stehen. Diese 5 Minuten Ruhe und Gebet, könnten unsere Welt und den ganzen Tag verändern. Man könnte damit beginnen für die Nachtruhe zu danken und damit schon am frühen Morgen unsere Abhängigkeit von Gott bezeugen, dass er und nicht wir Herr unsers Lebens sind.; man kann mit Gott über den bevorstehenden Tag in der Schule oder am Arbeitsplatz reden; man kann dafür danken, etwas bei der Schule lernen zu dürfen, man kann danken für Freunde und Kollegen, ein Dank für die Arbeitsstelle; man nennt die Angst und Sorge vor manchen Schwierigkeiten, die bewältigt werden müssen. Ein solches Gebet vor Gott zu bringen, wird eine heilsame Wirkung auf uns haben, nicht nur auf uns selbst, in dem wir Ruhe bekommen, sondern auch auf unsere Mitmenschen, denen wir dann anders begegnen können, freundlicher und entspannter, weil die eigenen Gedanken friedlicher sind, weil alles mit Gott besprochen und bei ihm abgegeben wurde.

 

Was für den Beginn des Tages wichtig ist, das gilt auch für sein Ende. Bringen wir doch abends vor dem Einschlafen, den Tag mit seiner ganzen Fülle, Freud und Leid, Erfolg und Misserfolg vor Gott, von dem wir den Tag empfangen haben. Ein Dank für seinen Schutz, für den überstandenen Tag. Ein Bekenntnis darüber, wo wir gefehlt haben, aus Selbstsucht oder Selbstgerechtigkeit, wo wir einen Menschen wehgetan haben und dann die Bitte um Kraft und Liebe um das wieder in Ordnung bringen zu können. Ja, ein solches Gebet ehrt nicht nur Gott, sondern es lässt uns auch innerlich zur Ruhe kommen. Und so können wir auch besser schlafen.

 

Sagen wir nun: Wir haben ja keine Zeit für ein solches Gebetsleben? Es hat mal einer gesagt: Nicht Zeit zu haben, zu beten, ist der beste Weg Zeit zu verlieren, zu verschwenden. Auch Martin Luther hat gesagt: Umso mehr ich zu tun habe, desto mehr muss ich beten. Beten heißt nämlich Ordnung schaffen in unserem Leben – es macht das Ziel klar, ordnet und reinigt die Gedanken und Gefühle, vor und mit Gott – dadurch gibt es weniger Spannungen, wenige Unordnung und mehr Zeit. Das Gebet ist also viel mehr als nur ein Gespräch mit Gott zu einer bestimmten Zeit – es ist eine Lebenshaltung, es ist ein ständiges Reden und Hören, eine ständige Kommunikation mit Gott, damit wir durch diese Verbindung ständig gestärkt, ermutigt, getröstet und geführt werden.

 

Unser Text sagt: Haltet an im Gebet und wacht in ihm, mit Danksagung! Ein solches Gebetsleben hat etwas mit Disziplin zu tun. Wenn wir uns nicht täglich Zeit machen fürs Gebet, wird das Gespräch mit Gott langsam verschwinden, der Glaube leer und bedeutungslos. „Wacht mit Danksagung”. Wir sollen davor wachen, dass wir nicht Knechte dieser Welt oder unsere eigenen Knechte werden, Knechte Gottes bleiben - das ist ein Lebenskampf, aber im Gebet. Dadurch, dass wir Gott danken, wachen wir, denn im Danken, schauen wir von uns selbst weg und schauen auf ihn. Aber dann, wenn es uns schwer fällt Gott zu danken, weil uns eine Sorge oder eine Bitterkeit, ein Leid oder der Zweifel zu sehr belastet, dürfen wir auch das vor Gott tragen. Entscheidend ist, dass wir Gott den Rücken nicht kehren. Hat nicht Jesus uns das selbst vorgemacht, als er sich schreiend in seiner dunkelsten Stunde an seinen Vater wandte: Mein Gott, mein Gott, warum....? Wir erinnern uns auch an Paulus und Silas, wie sie im Gefängnis zu Gott beteten und sangen.

 

Dann sagt unser Text: Betet zugleich auch für uns, dass Gott uns eine Tür für das Wort auftue und wir das Geheimnis Christi sagen können, um dessentwillen ich auch in Fesseln bin, damit ich es offenbar mache, wie ich es sagen muss.

 

Ja, Paulus ist im Gefängnis eingeschlossen und schreibt an die Gemeinde der Kolosser. Ohne die Fürbitte seiner Gemeinde, kann er nicht in seiner Situation leben. Paulus spricht von einer Tür, die geöffnet werden muss. Man würde erwarten, dass er seine Gemeinde bitten würde für seine Freilassung zu beten. Es geht ihm aber nicht um ihn selbst. Selbst in seiner prekären Situation, ist er über die Ausbreitung des Evangeliums besorgt – es sollen Türen geöffnet werden, damit das Evangelium gehört und verstanden werde. Paulus macht sich Sorge um die geschlossenen Türen der Herzen, die das Wort Gottes und ihn nicht wirklich aufnehmen wollen. Paulus ruft uns zur Fürbitte auf, dass das Wort Gottes bei uns Menschen offene Türen findet.

 

Das soll auch unsere Bitte sein, auch für die, die uns das Leben schwer machen. Das ständige Kritisieren und Klagen, bringt uns nicht weiter. Lasst uns lieber dafür beten, denn das verändert unsere Haltung, den Menschen und den Geschehnissen gegenüber.

 

Lieber Gemeinde, wir sollten uns nicht scheuen zuzugeben, dass in unserem Gebetsleben vieles fehlt. Wir sollten es aber nicht nur zu erkennen. Wir dürfen auch den Mut haben, heute und immer wieder neu anzufangen um Gott um Kraft zu bitten, ein regelmäßiges Gebetsleben führen zu können. Haltet an im Gebet, seid wachsam und betet, dass das Wort Gottes Herzenstüren öffnet. Gott segne uns durch seinen Heiligen Geist auf diesem Weg.


Amen