Der Monatsspruch (April) für alle Tage


Siehe, ich bin bei euch alle Tage bis an der Welt Ende. Mt 28,20


Abschiede gehören zu unserem Leben dazu. Sie durchziehen das Kirchenjahr, aber auch unseren Lebenslauf. Gerade haben wir das neue Jahr begrüßt, aber auch vom alten Jahr Abschied genommen. Wir verabschieden uns vom Singledasein, wenn wir heiraten, von vielen liebgewordenen Dingen, wenn wir älter werden. Von Lebensträumen. Wir nehmen Abschied, wenn wir verreisen oder geliebte Familienangehörige nach Weihnachten wieder zum Flughafen bringen. In allem ist es, denke ich, gut, wenn man die Gelegenheit hat, bewusst Abschied zu nehmen.

 

Dennoch schmerzhaft: wenn jemand stirbt, verabschieden wir uns endgültig und unwiderruflich: nie wieder miteinander lachen und tanzen, nie wieder miteinander essen und trinken, nie wieder einander in die Augen sehen, nie wieder miteinander sprechen. Fragen bleiben ohne Antwort.

 

Was bleibt? Wohin mit der Liebe, die noch gelebt werden wollte und will? Wohin mit den Worten, die gesagt werden und dem, was man noch tun wollte?

 

Im Matthäusevangelium wird erzählt, wie Jesus Abschied nimmt. Da ist es, als tröste er seine Jünger, bevor er sie für immer verlässt.

 

Auch das hört man oft. Für den, der geht, ist es manchmal leichter, als für diejenigen, die zurückbleiben. Von Masha Kaleko gibt es ein Gedicht, das mir sehr vertraut geworden ist.


Vor meinem Tod ist mir nicht bang,

nur vor dem Tod derer,

die mir nah sind.

Wie soll ich leben, wenn sie nicht mehr da sind?

 

Der weiß es wohl,

dem Gleiches widerfuhr,

Und die es trugen,

mögen mir vergeben.

 

Bedenkt, den eignen Tod,

den stirbt man nur,

doch mit dem Tod der andern

muss man leben.


Jesus tröstet seine Jünger. Aber sie trauern dennoch. Aber Jesus zeigt ihnen einen Weg, wie sie - trotz Trauer - weiterleben können. Ich bleibe, sagt er, auch, wenn ich gehe. Auf eine andere Art und Weise bin ich dann nah. Ich bin da, wenn ihr miteinander esst und euch an mich erinnert. Und wenn ihr miteinander liebevoll umgeht, miteinander zugewandt redet, dann werden andere Menschen das spüren und davon profitieren.

 

Liebe Schwestern und Brüder im Glauben, vielleicht hat der ein oder die andere von euch das schon gespürt, wie ein Mensch nah ist, auch, wenn er gegangen ist.

 

Mir ging es schon so.

 

Was mir der Mensch bedeutet hat, bleibt in mir. Immer noch kann mich ein Satz trösten, den er oder sie gesagt hat. Immer noch weiß ich, was er jetzt an meiner Stelle tun, was sie mir raten würde. Manchmal muss ich dann schmunzeln. Immer noch spüre ich ihre Umarmungen, seine stärkende Hand auf meiner Schulter. Dann ist es, als sei er da.

 

„Ich bin bei euch alle Tage“. Der Himmel, den Jesus mit sich brachte, bleibt. Mitten unter uns. Tröstend und stärkend. Unsere Aufgabe ist es, ihn weiterzutragen mit Worten und indem wir einander Gutes tun. Bis an das Ende der Welt.

 

Ich wünsche Euch, dass Ihr den Himmel spüren könnt.

 

Dass ihr spüren könnt: Jesus ist da.

 

Eure Pfarrerin

Nicole Otte-Kempf