14. SONNTAG NACH TRINITATIS zu Einführung in Pretoria am 2. Sept. 2018 und Erntedank


THEMA DER PREDIGT: DANKEN VERÄNDERT

Predigttext: 1. Thessalonicher 1,2-10


MOVE 1: UNSER LEBEN SEI EIN FEST

Unser Leben sei ein Fest.

AN DIESEM MORGEN UND JEDEN TAG.

 

Nun ... an einem Tag wie heute fällt das Fest feiern vielleicht leichter als sonst. Alles ist vorbereitet. Der Altarraum ist reich geschmückt, wir haben allen Grund zu danken für die vielen Früchte, die wir haben ernten dürfen oder andere auch für uns. Ein Grund zur Freude... wir feiern ein Fest. Wir feiern Erntedank.

 

Wer ernten will, der muss auch entsprechenden Einsatz bringen. Immer wieder die gleiche Arbeit: säen, Unkraut jäten, düngen, gießen und die Erde lockern.

 

In der Bibel finden wir viele Bilder, die mit Wachsen und Gedeihen zu tun haben. Da vergleicht Jesus z.B. das Reich Gottes mit einem Senfkorn, das kleinste unter den Samenkörnern, das wächst und groß wird und Schatten spendet oder er vergleicht Gott mit einem Weingärtner, sich selbst mit einem Weinstock, uns mit den Reben, die Früchte bringen. An anderer Stelle werden wir aufgefordert, Gerechtigkeit zu säen und nach dem Maß der Liebe zu ernten.

 

Die Bildersprache der Bibel führt uns mitten hinein in den Bereich der Landwirtschaft. 

 

Wenn auch vielleicht die wenigsten unter uns Ackerbau im großen Stil betreiben, so finden doch viele Menschen ihren Ausgleich bei der Gartenarbeit: Für manchen ist es regelrecht eine Therapie: mit den Händen etwas erarbeiten, Abstand vom gewohnten Berufsleben bekommen, sehen, dass etwas wächst, die Früchte für etwas Geleistetes am Ende ernten können.

 

Wir feiern heute ja auch, dass die Vakanszeit zu Ende ist.

 

Viele von Euch haben im vergangenen Jahr viel Zeit und Energie investiert, dass eine Nachfolge für das Pfarramt gesichert werden konnte. Diese lange Bewerbungsphase fand ein Ende, ihr habt gewählt und nun nach weiteren Monaten der Vorbereitung und der tatkräftigen Hilfe beim Herrichten des Hauses, bei der Hilfe mit den Visa und dem Hund und und und feiern wir heute, dass ich meinen Dienst in Eurer Gemeinde antreten kann. Es ist wie bei der Gartenarbeit: man brauchte so manches Mal viel Geduld.


Move 2 Dankbar sein

 

Wenn etwas gelingt, was man sich vorgenommen hat, wenn sich Türen öffnen, wenn man Hilfe erfährt, wenn etwas wächst, was man vorher vielleicht nicht zu hoffen wagte, wenn man am Ende die Früchte ernten darf... dann, liebe Gemeinde, liebe Schwestern und Brüder im Glauben, dann... ist das ein Grund "DANKE" zu sagen. Danke für die Hilfsbereitschaft, die wir von vielen von Euch bis hierher erfahren durften.

 

Und damit sind wir mittendrin im Predigttext für heute. Der führt uns nach Thessaloniki. Eine antike Metropole mit großer wirtschaftlicher und politischer Bedeutung und einem regen kultisch-religiösen Leben. Schnell konnte es passieren, dass diejenigen, die anders sein wollten und waren, aus sozialen Bindungen und wirtschaftlichen Beziehungen ausgeschlossen wurden.

 

Die christliche Gemeinde dort wurde von Paulus 49 n.Chr. gegründet. Sie war bemüht, eine inklusive Gemeinde zu sein, in der Männer und Frauen, Juden und Griechen, Freie und Unfreie zusammen Gemeinschaft gestalten und leben.

 

Diese Gemeinde erhält von Paulus ein Jahr nach Gründung einen Brief. Im 1. Brief an die Thessalonicher 1,2-10 lesen wir folgende Zeilen.


2 Wir danken Gott allezeit für euch alle und gedenken euer in unsern Gebeten

3 und denken ohne Unterlass vor Gott, unserm Vater, an euer Werk im Glauben und an eure Arbeit in der Liebe und an eure Geduld in der Hoffnung auf unsern Herrn Jesus Christus.

4 Brüder und Schwestern, von Gott geliebt, wir wissen, dass ihr erwählt seid;

5 denn unser Evangelium kam zu euch nicht allein im Wort, sondern auch in der Kraft und in dem Heiligen Geist und in großer Fülle. Ihr wisst ja, wie wir uns unter euch verhalten haben um euretwillen.

6 Und ihr seid unsere Nachfolger geworden und die des Herrn und habt das Wort aufgenommen in großer Bedrängnis mit Freuden im Heiligen Geist,

7 sodass ihr ein Vorbild geworden seid für alle Gläubigen in Makedonien und Achaia.

8 Denn von euch aus ist erschollen das Wort des Herrn nicht allein in Makedonien und Achaia, sondern an allen Orten hat sich euer Glaube an Gott ausgebreitet, sodass es nicht nötig ist, dass wir darüber etwas sagen.

9 Denn sie selbst verkünden über uns, welchen Eingang wir bei euch gefunden haben und wie ihr euch bekehrt habt zu Gott, weg von den Abgöttern, zu dienen dem lebendigen und wahren Gott

10 und zu warten auf seinen Sohn vom Himmel, den er auferweckt hat von den Toten, Jesus, der uns errettet von dem zukünftigen Zorn.


Liebe Gemeinde, was für ein überschwänglicher Dank ist das für die Gemeinde in Thessaloniki.

 

Was muss das für eine großartige Gemeinde sein, die so ein dickes Lob zu hören bekommt. Der Glaube trägt, die Liebe ist aktiv, die Hoffnung ist unerschütterlich, der Heilige Geist wirkt ganz offensichtlich. Und dass trotz der schwierigen Situation, die ständige Gefahr, in der sich die Christen befinden. Sie werden angefeindet und bedroht. Deshalb muss der Apostel immer wieder an sie denken. Deshalb bewundert er ihren großen Mut und betet für sie.

 

Die Art, das Gemeindeleben zu organisieren, hat eine große Ausstrahlung nach außen und beeindruckt andere Menschen. „Herz was willst du mehr“, möchte man sagen. „Da könnt ihr Christen in Thessaloniki euch doch wirklich beruhigt auf die Schulter klopfen."

 

Doch die haben vermutlich genau zugehört, als der Brief verlesen wurde. Nicht sie sind die Adressaten des Dankes. Paulus dankt Gott für so eine Gemeinde. Und das ist natürlich nun schon ein kleiner, feiner Unterschied zu den Erwartungen, die wir in der Regel haben. Wir sehen es ganz gerne, wenn man uns auf die Schulter klopft.

 

Paulus klopft aber zuerst einmal Gott auf die Schulter. Denn er ist es doch, der das Blühen der Gemeinde bewirkt hat. Der den Mut schenkt, sich für etwas einzusetzen. Der Bedrängnisse ertragen lässt. Es ist nicht unsere eigene Kraft, sondern Gottes Geist, der uns in Bewegung setzt.

 

Dank entsteht dort - sei es gegenüber Gott, sei es gegenüber anderen Menschen - wo ich mir darüber im Klaren bin, dass etwas nicht selbstverständlich ist.


Move 3 Nichts im Leben ist selbstverständlich

 

Hier ein Beispiel:

 

In der Regel gehen wir in den Supermarkt und kaufen das, was wir möchten. Egal zu welcher Jahreszeit kann man Früchte kaufen, importieren. Alles ist für viele Menschen in vielen Ländern möglich. Das Wasser kommt aus dem Wasserhahn. Hier in Südafrika mag es nun schon länger ins Bewusstsein getreten sein, dass Wasser, dass die Früchte des Feldes nicht selbstverständlich über alle Maßen immer abgreifbar, verfügbar sind. In Europa hat dieser Jahrhundertsommer gezeigt, was so eine lang anhaltende Hitze bewirken kann: Waldbrände an vielen Orten, Wasserknappheit, Dürre, Ernteausfälle.

 

Wasser und eine gute Ernte sind nicht selbstverständlich.

 

Liebe Gemeinde, es fallen mir noch viele Beispiele ein, die zeigen, dass nichts im Leben selbstverständlich ist. Die meisten von ihnen brachten mich bei der Vorbereitung für diese Predigt zum Weinen, weil ich damit sofort bestimmte Menschen vor Augen habe. Sie hatten Pläne im Leben und alles hatte seinen Sinn und dann war diese Zukunft einfach nicht mehr da, sondern löste sich auf.

 

Dinge, die passieren, die so nicht einkalkuliert waren sei es im Bereich der Gesundheit, des Berufs, der Familie und der Liebe...

 

Lebensentwürfe können scheitern. Worauf ich in allen Unwägbarkeiten des Lebens vertraue ist Gott. Ich glaube daran, dass er mir in schweren Zeiten ebenso beisteht wie in den guten. Er kennt das Leben, er weiß, was Freude, aber auch Trauer und Leid bedeute. Er wurde Mensch in Jesus Christus.

 

Nein, liebe Gemeinde, nichts im Leben ist selbstverständlich. Ich habe keinerlei Anspruch darauf, immerzu auf der Sonnenseite des Lebens zu stehen.

 

Wer das begreift, beginnt Danke zu sagen.


Move 4 Dank verändert Beziehungen, Dank verändert eine Gemeinschaft – Dank verändert auch die Beziehung zu Gott

 

Wo dieser Geist weht verändert sich die Haltung zum eigenen Leben und zu dem anderer Menschen und auch zu Gott. Im 16. Jahrhundert hat der englische Staatsmann und Philosoph Francis Bacon gesagt. "Nicht die Glücklichen sind dankbar. Es sind die Dankbaren, die glücklich sind."

 

Schauen wir uns noch einmal an, welcher Geist in der Gemeinde in Thessaloniki weht, den Paulus so sehr bedankt.

 

Es sind 3 Dinge, die in der Gemeinde auffallen:

Erstens: Ihr Glaube.

 

Dabei war das ja sicherlich keine Idealgemeinde in Thessaloniki, wenn es so etwas überhaupt gibt. Die 30, 40 Leute, die sich da zusammenfanden, waren vermutlich keine Glaubenshelden. Es waren Leute, denen Jesus das Herz geöffnet hat, und die nun versuchten, ihren Glauben zu leben. In einer Umwelt, die sie nicht mit Begeisterung begrüßte. Die im Gegenteil sehr kritisch zusah, was die da taten und die meinten, wie überflüssig diese Truppe doch eigentlich in ihrer multikulturellen Hafenstadt sei. In solch einem Umfeld versammelten sie sich und lobten und dankten Jesus, dass er ihr Herr sei, dem sie ihr neues Leben verdankten, der sie stärkte und tröstete und der sie in eine neue Zukunft führte.

 

Zweitens: die Liebe.

 

Wie Paulus es nennt: für die Arbeit in der Liebe. Liebe als Mühe, als Arbeit. Man könnte auch von der Herausforderung Nächstenliebe reden. Da gibt es Menschen in der Gemeinde, die probieren die Liebe Gottes aus. Sie fragen danach, wie man das im Alltag umsetzen kann. Sie reden nicht nur von Nächstenliebe, sie setzen sie um. Wir wissen alle, Nächstenliebe zu praktizieren, das ist anstrengend. Sich der Menschen anzunehmen, die verzweifelt sind, die ihre Zuversicht aufgegeben haben; oder gar die Hand zur Versöhnung auszustrecken, wo Streit das Zusammenleben vergiftet, das fällt nicht immer leicht. Aber es lohnt sich.

 

Drittens: die Hoffnung.

 

Paulus spricht von der Geduld, dem langen Atem der Hoffnung. Hoffnung als die dritte Kraft neben Glaube und Liebe. Entscheidend für die Christen damals war: Jesus kommt bald. Daran wurde alles gemessen. Diese Hoffnung gab ihnen alle Kraft, die sie für ihren Alltag brauchten. Mutig hielten sie stand gegenüber Traurigkeit und Klage und Unsicherheit vor der Zukunft.

 

Glaube, Liebe und Hoffnung, diese drei- sind die Kennzeichen einer lebendigen Gemeinde.


Move 5 christliche Gemeinschaft sollte Vorbild sein für die Welt – nur durch Vorbilder wächst Gemeinschaft und dadurch, wie Menschen miteinander umgehen

 

Und als solche wird eine lebendige Gemeinde wie Thessaloniki zum Vorbild für andere. Diese kleine Gemeinde hatte eine große Ausstrahlung.

 

Wenn heute immer wieder überlegt wird: wie werden wir als Kirche attraktiver? Oder was kann man gegen die Lauheit tun, wie ich ja bei meiner Vorstellungswoche bei euch gefragt wurde.

 

Dann ist meine Antwort darauf: wir müssen für andere authentisch und das heißt überzeugend sein. Von unserem Glauben und unserer Hoffnung reden und im Geiste Jesu, in Liebe handeln.

 

Wir haben als Christen allen Grund dazu, dankbar und glücklich zu sein. Das darf man uns ruhig ansehen. Wir sind keine besseren Menschen, aber wir sind besser dran. Weil wir an einen Gott glauben, der uns ganz nahe gekommen ist, uns zu seinen Kindern in der Taufe macht.

 

Und das macht uns zu Geschwistern, mit Jesu Geist in unserer Mitte, Jesu Werk in unseren Händen und Jesu Geist in unseren Werken. So wie wir es gesungen haben.

 

Ich habe Euch, uns ein Geschenk mitgebracht. Es hatte gerade noch Platz im Koffer und findet hoffentlich einen Platz in unseren Gemeinderäumlichkeiten. Und mit diesem kurzen Spruch ende ich: "Wo Gott dich hingesät hast, da sollst Du blühen".


Amen