Hinführung zum Thema: Schuhe des Glaubens

Liebe Konfirmandinnen, ihr habt eine ganze Menge erlebt in den zwei Jahren Konfi-Unterricht. Wir sehen Fotos, von der Konfizeit, aber auch von der Zeit als ihr noch klein ward. Wir hören von Begegnungen und Wegen, die ihr gegangen seid wir hören gleich noch mehr von Euch.

Was sollen denn all die Schuhe hier? Natürlich soll es heute um Schuhe gehen, d.h. natürlich geht es nicht um Schuhe, sondern um etwas anderes. Um was, dazu eine Geschichte. Ein englischer Methodistenprediger erzählt:

Am frühen Morgen kam ich in einer großen Stadt an. Es war kalt und ein leichter Schnee lag um den Bahnhof. Etwas Befremdendes fiel mir sofort auf: Alle Leute am Bahnhof waren warm angezogen – schwere Mäntel und dicke Handschuhe –, aber Schuhe trugen sie nicht. Merkwürdig, dachte ich, erkundigte mich nach meinem Hotel und stieg in die Straßenbahn. Da sah ich es wieder: Niemand trug Schuhe. Auch im Hotel der Portier und der Liftboy – beide barfuß! Nun wurde ich neugierig und fragte: »Warum trägt niemand in dieser Stadt Schuhe?«

»Ach ja«, sagte der Hotelier, »warum eigentlich nicht? Das frage ich mich auch.«

»Glaubt ihr denn nicht an Schuhe?«, fragte ich.

»An Schuhe glauben!«, antwortete er leicht verärgert. »Selbstverständlich glauben wir an Schuhe. Das ist der erste Artikel unseres Glaubensbekenntnisses. Ich glaube an Schuhe, heißt es. Und jedes Kind lernt es auswendig und weiß, dass Schuhe unentbehrlich sind! Ohne Schuhe kommt niemand aus; die Füße werden erfrieren, sie werden verletzt. Ohne Schuhe wäre das Leben unerträglich.«

»Warum tragen Sie dann aber keine Schuhe?«, fragte ich ganz verwirrt.

»Ach«, sagte er etwas wehmütig, »das ist es eben – warum eigentlich nicht?« Später, beim Essen, lernte ich einen Mann kennen, der mir anbot, eine kleine Stadtführung zu machen, was ich dankbar annahm. Wir traten zusammen aus dem Hotel. Gegenüber lag ein riesengroßes Backsteingebäude. Er zeigte stolz darauf und sagte: »Das ist eines unserer schönsten und berühmtesten Schuhhäuser.« »Ach«, sagte ich, »werden da Schuhe gemacht?«

»Ja – das heißt eigentlich nein«, sagte er etwas verlegen. »Der Leiter ist ein sehr begabter Schuhanpreiser. Jede Woche redet er über Schuhe und warum man sie tragen soll. Neulich soll er einen so ausgezeichneten Vortrag über Schuhe gehalten haben, dass die Leute zu Tränen gerührt waren. Es war ergreifend!«

Gerade in diesem Augenblick bogen wir in eine kleine Gasse ein und ich sah im Keller einen alten Mann, der Schuhe machte. Ich entschuldigte mich einen Moment, lief in den Laden und fragte den Inhaber, wie das komme, dass niemand Schuhe bei ihm kaufe.

»Niemand hier möchte Schuhe tragen«, sagte er. »Sie reden nur davon.«

Ich kaufte schnell etliche Paare und ging wieder hinaus zu meinem Begleiter. »Hier«, sagte ich, »haben Sie Schuhe. Ziehen Sie die gleich an! Sie werden nie wieder ohne sie gehen wollen!« Er schaute mich ziemlich entsetzt an.

»Danke schön«, sagte er. »Vielen Dank, aber Sie verstehen uns nicht. Wissen Sie: Das tut man hier eben nicht.«

»Aber warum nicht?«, schrie ich. »Warum um Himmels willen nicht?«

»Ach«, antwortete er mit dem gleichen verlegenen Lächeln wie vorher, »ach ja, warum? Das ist es eben – warum tun wir es nicht?«

Habt Ihr gemerkt, wovon hier die Rede ist?

Die Konfis habe ich gefragt: Was ist denn mit den Schuhen gemeint?

Sehr schnell seid ihr darauf gekommen, dass es in der Geschichte um den Glauben geht. Und um Menschen, die einiges, vielleicht sogar eine ganze Menge vom Glauben wissen – aber ihn trotzdem nicht »anziehen«, also nicht mit ihm leben.

Die Menschen in der Geschichte, die alles so gut über Schuhe wissen und doch keine anziehen – ist das nicht seltsam?!

Sie wissen: Schuhe wärmen, schützen, geben Halt – aber sie ziehen keine an.

Sie halten Versammlungen ab über Schuhe, lassen sich zu Tränen rühren – aber sie würden nie welche tragen …

Vielleicht haben sie in ihrer Jugend einiges über den Glauben gelernt, aber dieser Glaube spielt in ihrem Leben keine besondere Rolle.

Sie wissen: Glaube ist eine ganz gute Sache, kann vielleicht nicht schaden, wenn ich alt oder krank bin … oder für besondere Anlässe, aber ansonsten kommen sie der ganzen Sache lieber nicht zu nah.

Warum eigentlich nicht?

Warum gehen Menschen barfuß, obwohl sie alles über die Segnungen der Schuhe wissen?

Ein Grund könnte sein: sie hatten früher einmal Schuhe an, aber eines Tages waren ihnen ihre alten Schuhe zu klein – sie passten nicht mehr, waren zu eng, drückten, die Füße hatten keinen Raum mehr, das Blut wurde abgeschnürt – da haben sie sich die Schuhe von den Füßen gezogen, manche auch gerissen … seitdem gehen sie barfuß.

Hier in der Mitte sehen wir viele Schuhe: Kinderschuhe und Erwachsenenschuhe. Und Schuhe von euch. Ihr seid genau in der Phase, wo eure Füße noch wachsen. Nicht nur eure Füße und nicht nur euer Körper wächst. Auch in der Seele wächst etwas, manchmal mit etwas Verzögerung, aber es verändert sich etwas. Das, was ihr als Kinder von Gott mitbekommen habt, das klingt jetzt manchmal seltsam. War das wirklich so? Gilt das auch für mich, oder ist Glaube nur etwas für Kinder? Fragen kommen und Zweifel vielleicht auch.

Der Konfirmandenunterricht und auch im Anschluss Johnny FM und auch die anderen Angebote, die wir hier haben – das ist eine Art Schuhladen, besser: eine Schuhwerkstatt: wo wir versuchen, dass alle die Schuhe kriegen, die sie brauchen. Denn der Glaube verändert sich im Lauf des Lebens. Das ist gut so.

Es gibt immer wieder neue Situationen, die uns herausfordern, die unser bisheriges Denken und auch unseren Glauben auf den Kopf stellen. Gott bleibt an unserer Seite und hilft uns.

Ich glaube, Gott ist ein hervorragender Schuhverkäufer, der für jeden Menschen die passenden Schuhe bereithält. Ich muss nur die richtigen Schuhe für mich finden und sie auch wollen.

Ich möchte euch heute Mut machen, immer wieder nach den passenden Schuhen zu suchen: Gott hält sie für euch bereit.

Wir können Wege mit ihnen gehen, die wir barfuß nie gehen könnten. Mit den Schuhen des Glaubens betreten wir eine Welt, die uns sonst verschlossen bleibt; mit dem Glauben, der uns trägt und wärmt und schützt und hält …

Amen