Lebenswege – Auf dem Weg des Glaubens, Predigt zur Konfirmation in Pretoria 2018


Der Friede Gottes und die Gemeinschaft des Hl. Geistes sei mit uns allen. Amen


Move 1 Wohin soll ich gehen?

Liebe Konfirmandinnen, auf eurem Lebensweg seid ihr jetzt schon einige Zeit unterwegs und ich bin mir sicher, es ist in diesen 13,14,15 Jahren allerhand passiert.

Es gab sicher Etappen auf eurem Lebensweg, die unkompliziert und schön waren. Zu Hause und in der Schule seid ihr halbwegs oder richtig gut klargekommen.

Aber es gab ganz bestimmt auch mal heftige Wegstrecken, die anstrengend waren. Und es gab Kreuzungen. Solche Situationen, in denen wir entscheiden können und entscheiden müssen, in welche Richtung wir weitergehen.

Solange ihr Kinder wart, haben eure Eltern vieles für euch entschieden: wir ziehen jetzt nach Pretoria z.B.! Du besuchst die und die Schule. Eure Eltern haben auch entschieden, wann ihr getauft wurdet: bald nach der Geburt, nehme ich an. Das habt ihr zu der Zeit nicht selbst entschieden.

Die gute Nachricht: Das war einmal.

Immer mehr Entscheidungen könnt ihr jetzt selbst treffen. Jetzt wird euch immer mehr zugetraut …aber auch zugemutet, selbst Verantwortung zu übernehmen für euren Lebensweg, für euren Glaubensweg.

Wenn wir uns das Bild anschauen, auf der Vorderseite des Abkündigungsblattes: dort steht ein junger Mensch. Bereit aufzubrechen. Von seinem Kinderzimmer. Teddy hinter der Tür, Schaukelpferd verlassen, Tür weit geöffnet. Wir sehen nur eine Treppe nach oben. Ein wenig verschleiert im Nebel, was da so auf diesen jungen Menschen zukommen wird im Laufe seines Lebens.

Was hat dieses Bild mit der Konfirmation zu tun? Nun, es liegt viel Ungewisses vor dem Jungen. Er weiß nicht, was ihn in der Zukunft erwarten wird.

Ihr steht heute auch an so einer Tür. In welche Richtung willst du gehen? Woran und an wem willst du dich orientieren? Soll Gott derjenige sein, der dich begleitet auf allen deinen Wegen? Soll er derjenige sein, der dir sagt, wo`s langgeht?

Eines ist jedenfalls sicher:

Gott hat seine Entscheidung bereits getroffen. Seine Entscheidung für euch. Wir haben vorhin Psalm 36 miteinander gebetet:

Er ist ein großes Loblied auf die Gnade Gottes.

Bei Gott kann man Zuflucht suchen und wird sie finden. In vielen besonders schönen Bildern schildert der Beter, wie gut es ihm bei Gott ergangen ist. Zwei dieser Bilder sind in diesem Vers vereint: die Quelle des Lebens und das Licht, in dem wir Gottes Licht sehen können. Wie klares Wasser, das aus dem Boden strömt, erfrischend und lebensnotwendig, und wie helles Licht, so ist Gott, und der Beter des Psalms wünscht allen Menschen, dass sie das erkennen können. Der christliche Glaube schenkt Leben, Frische und Licht. All das kann einem Menschen begegnen, wenn er sich auf Gott einlässt.

Letzte Woche habe ich euch von den Schuhen des Glaubens erzählt. Und keine Frage, jede weiß es: bei einer Wanderung ist es das A und O, dass die Schuhe passen. Sonst wird der Weg wirklich kein schöner.

Was braucht es noch, wenn ich mich auf einen langen Weg mache? Wasser und Licht. Deshalb möchte ich bei diesen beiden Symbolen noch einmal verweilen.


Move 2 Licht in der Welt Viele

Lichter gibt es in der Welt. Grelle Lichter, die den Augen weh tun, das verzehrende Licht eines Brandes, das kalte Licht des Mondes und das wärmende Licht einer Kerze oder das wärmende Licht der Sonne. 

Ein wärmendes Licht ermutigt und behagt Menschen, es stärkt und gibt Kraft zum Leben. Licht ist wie eine Uhr. Wenn es hell ist und die Sonne scheint, dann leben viele Menschen auf.

Kerzen sind wie eure Konfirmationskerzen kleine Feuer und schon immer haben sich Menschen vom Feuer faszinieren lassen. Feuer leuchtet und wärmt, schafft eine angenehme Atmosphäre. Doch jedes Feuer will bewacht und gehütet sein – auch eine brennende Kerze.

Jeder erlebt einmal dunkle Tage, einsame und schwere Zeiten. Dann kann ein kleines gutes Wort, eine Melodie wie ein Licht empfunden werden.

Licht tut aber auch den Augen weh, es schmerzt. Ein Neugeborenes muss sich erst an das Licht gewöhnen, es fühlte sich wohl in der warmen, es bergenden Dunkelheit des Mutterleibes wie in einer schützenden Höhle.

Licht macht die Erde hell, die nicht nur Liebevolles und Schönes birgt.

Ihr habt letzte Woche in eurem „Konfi-Gottesdienst“ anhand eurer gewählten Konfirmationssprüche mehrmals betont, wie wichtig es ist, dass wir Menschen und wir als Gemeinde füreinander da sind. Ja, wir Menschen können füreinander zu Lichtern werden.

Jesus sagt: Ich bin das Licht der Welt, das in der Finsternis leuchtet, er führt Einsame in sein Haus, streichelt und segnet Kinder, tröstet Traurige und nimmt Fremde gastfreundlich auf.

Dieses Licht wollen wir Euch an einem Tag wie heute mit auf den Weg geben. Jede bekommt ihre eigene Konfirmationskerze, die am Taufstein so hell leuchten.


Move 3 Wasser zum Leben

Und was gibt es zum Wasser zu sagen? Wasser ist unverzichtbar, es löscht den Durst, macht sauber, macht Leben möglich und es kann aber auch zerstören.

Es ist kein Zufall, dass wir beim Taufen Wasser nehmen. All diese Eigenschaften entfalten sich im Akt der Taufe. Leben schenken, erfrischen, erneuern und zerstören, was zwischen dem Täufling und Gott steht.

Der Bibelvers, der uns 2018 begleitet hat und noch weiter begleitet, hat auch mit Wasser zu tun:

Gott spricht: Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Offenbarung 21,6

Wo es lange Zeit nicht regnet, trocknet die Erde aus. Nichts wächst mehr. Es entsteht eine "tote" Wüstenlandschaft. Aber wem erzähle ich das: Wie froh waren wir, als es letzte Woche endlich Gewitter und Regen gab. Ohne Wasser kein Leben. Auch nicht für Mensch und Tier. Wer mehrere Tage lang nichts trinkt, der stirbt.

Ganz real verdursten Menschen, wo sie keinen Zugang zum Leben spendenden Wasser finden. Richtiger Durst ist schrecklich. Unser Körper braucht regelmäßig Wasser, um funktionieren zu können. Es beginnt mit Schwindel und Verwirrtheit, wo das Wasser fehlt, dann wird der Durst schlimmer als Schmerzen wahrgenommen.


Move 4 Durst nach Leben

Auch im übertragenen Sinn verdursten Menschen, weil es sie nach Leben dürstet, sie sich nach einem Sinn im Leben sehnen. In den Psalmen ist oft davon die Rede, dass "die Seele" nach Gott schreit, lechzt und dürstet.

Aber ist das wirklich so? Dürstet der Mensch nach Gott? Ich kenne viele Menschen und Ihr mit Sicherheit auch, die brauchen Gott nicht. Die kommen gut ohne ihn zurecht. Viele, ganz viele, die ihr Glück ganz woanders suchen und es sich auch was kosten lassen, denn der Durst nach Leben, der ist ja da. Die einen investieren alles in Karriere und Anerkennung, in Gesundheit, in die Erfüllung eines Lebenstraumes oder setzen alles in Partnerschaft und Familie. Andere suchen ihr Glück in immer wieder neuen Beziehungen oder rennen von Event zu Event. Manche versuchen es mit einem alternativen Lebensstil bis hin zur Askese. Vieles passiert unbewusst. Das merken wir spätestens dann, wenn die Quellen versiegen, aus denen wir schöpfen. Wenn unsere Gesundheit wackelt, Beziehungen scheitern, Sicherheiten wegbrechen. Manchmal regt sich erst dann die Frage: Aus welchen Quellen lebe ich?


Move 5 Bei dir ist die Quelle des Lebens

Gott will und er allein kann unseren Durst nach Leben stillen aus einer Quelle, die nie versiegt.

Und obendrein noch gratis ist. Man bekommt sie, ohne etwas zu bezahlen. Was bei vielen leider einen kleinen Beigeschmack hat. Was nichts kostet, ist bekanntlich nichts wert. Das macht es schon mal schwierig, das Lebenswasser von Gott als erstrebenswert, als etwas, das man braucht und einfach so bekommt darzustellen. Das – kann – nicht – sein! Rockefeller hat Öllampen verschenkt; reich geworden ist er mit dem Öl, das er für die Gratis-Lampen verkauft hat. Wer nicht völlig naiv ist, weiß: Nichts ist umsonst. Irgendjemand zahlt den Preis. Im Normalfall der, der etwas gratis bekommen hat.

Genau das ist beim lebendigen Wasser anders. Gott spricht: „Ich will dem Durstigen geben von der Quelle des lebendigen Wassers umsonst.“ Hier hat Gott nicht nur einen hohen, sondern den höchstmöglichen Preis gezahlt. Er hat aufgehört, Gott zu sein, und ist Mensch geworden. Das feiern wir ja an Weihnachten. Aus reiner Gnade hat Gott die Welt geschaffen. Heißt: Hätte er nicht tun müssen, er hätte auch allein bleiben können. Es gab weder innere noch äußere Zwänge, die Erde und alles, was auf ihr lebt, zu schaffen.

Glaubt man der Bibel, so hatte er mindestens einmal Lust, das alles zu beenden. So die Sintflutgeschichte. Konnte und wollte er aber nicht, denn sein Wesen ist Gnade. Es ist nicht eine Eigenschaft, die er auch irgendwie und zusätzlich zu manch anderem hat, sondern das, was ihn ausmacht. Weil Gott die Beziehung zu den Menschen wichtiger war als das, was vielleicht nicht so optimal lief, hat er den Schmerz auf sich genommen, auf Golgatha, am Kreuz. Pure Gnade. Quelle des lebendigen Wassers umsonst.

Alle versteckten Kosten für die Menschen waren nicht seine Erfindung, sondern wurden später hinzugelogen.

Für euch, liebe Konfis und für uns alle heißt das. Der gnädige und barmherzige Gott lässt mich nicht allein Er weiß, in welcher Welt ich lebe, wonach ich strebe, was ich mir erhoffe und worunter ich leide. Er will eine Beziehung zu mir haben. Er leidet mit mir und freut sich mit mir.

Herr, bei dir ist die Quelle des Lebens und in deinem Lichte sehen wir das Licht. Das ist ein Gedanke, mit dem es sich leichter leben lässt.

Wenn ihr heute nun also an der Tür wie der junge Mensch auf dem Bild steht und eine Entscheidung trefft, wenn ihr unterwegs seid, wenn ihr einmal nicht wisst, wo es hingehen sollt:

Seid Euch dessen gewiss: zu Gott könnt ihr kommen und euch stärken und führen lassen.

Amen