(Jesaja 35,1-10)


Move 1 Irgendwann – ja irgendwann einmal

Die Liebe Gottes, die spürbare Nähe Jesu Christi und die Kraft des Hl. Geistes sei mit euch allen. Amen

 

In der Lesung haben wir gehört: Jakobus ermahnt uns, geduldig zu sein. Ich muss zugeben, eine meiner Stärken ist das tatsächlich nicht. Da halten mir meine Kinder in ihrem Verhalten manchmal einen Spiegel vor. Da muss auch alles jetzt gleich und sofort passieren. Geduldig zu warten auf eine wichtige Nachricht, auf andere Menschen, darauf, dass sich etwas verändert, das liegt mir nicht.

 

Und bis ich groß ist, da wurde ich oft auf die Zukunft vertröstet: ach Kind, werd du erst mal erwachsen, mach mal deinen Schulabschluss, fang an zu arbeiten…

 

Und selbst übernimmt man es ja auch ein Stück weit: ja, wenn ich mal groß bin… dann will ich endlich einen Hund, bau ich ein Haus, heirate, kann mir jedes Mal Urlaub am Meer gönnen und muss nicht immer in die Berge mitfahren.

 

Aber eh man es sich versieht (als Kind und Jugendliche konnte ich es mir nicht vorstellen) … plötzlich ist später jetzt. Ein lustiger Buchtitel, der genau das beschreibt… das Schwierige mit der Zukunft und dass es plötzlich da ist, was man so lange vor sich hergeschoben hat. Und immer ist da bei aller Freude auch Angst vor der Zukunft. Denn was sie einem bringt, ist letztlich ungewiss.

 

Ob man nun schon älter ist oder noch jung, ich glaube es nimmt sich nicht viel. Eher wohl ist es typabhängig, inwiefern man sich von der Angst bestimmen lässt: Angst um die Kinder und um den Ehepartner, ob sie heil im vollgepackten Auto im Kailager ankommen, Angst, dass einem selbst was zustößt, Angst, keinen Job zu finden oder ihn zu verlieren, Angst vor einem Einbruch, vor Streit in der Familie, vor Krankheiten und Trennung, vor Gewalttaten… dem Tod. Letztlich kann einem alles im Leben Angst machen.

 

Wenn ich die Lesung aus dem Matthäusevangelium höre und viele andere Texte aus der Bibel, da könnte ich auch Angst bekommen, wenn vom Kommen des Menschensohns berichtet wird:

die Menschen werden vergehen vor Furcht und in Erwartung der Dinge, die kommen sollen über die ganze Erde; denn die Kräfte der Himmel werden ins Wanken kommen. So heißt es da.

 

Auch wenn mir klar ist: Jesus kommt, um die Welt zu retten, so flackert kurz so ein unbestimmtes Gefühl auf, ja, vielleicht Angst vor dem, was dann passieren wird und ob ich vorbereitet bin.

 

Wenn ich vor etwas richtig Angst habe, merk ich, wie mir der Schweiß ausbricht, wie ich erst einmal wie erstarrt da sitze, der Mund staubtrocken wird, unfähig klar zu denken, geschweige denn was zu tun. Müde Hände und wankende Knie könnte man als das Resultat beschreiben. Wüstenähnliche Ausweglosigkeit.

 

Soll ich oder soll ich nicht. Und was soll ich? Mein Geist ist verwirrt.

Move 2 Fürchtet euch nicht! Damals wie heute!

Wir kommen in die Weihnachtszeit hinein und wir werden sehr bald von den Hirten hören, die auf dem Feld ihr Herden hüteten und die Engel mit den himmlischen Heerscharen werden kommen und die frohe Botschaft bringen, dass der Heiland geboren ist. Und die Engel werden sagen: Fürchtet euch nicht. Das gilt aber nicht nur den Hirten und nicht nur an Weihnachten.

 

Die Bibel empfiehlt mehr als 360 Mal und sagt zu verschiedenen Gelegenheiten: "Fürchtet Euch nicht!"

 

Fürchtet euch nicht, das ist – wenn man so will – das Motto Gottes für die Menschen. Eine Überschrift über alles, was Gott mit uns Menschen und für uns Menschen will. Wie gut kennt uns Gott und weiß, was wir nötig haben. Trost, Zuspruch: „Fürchtet euch nicht“. Das durchzieht die ganze Bibel, im Alten wie im Neuen Testament. Mal sagen Engel diese Worte, mal die Propheten.

 

Heute im Predigttext der Prophet Jesaja:

 

Erstmals aufgeschrieben wurden diese Worte in der dunklen Zeit, als das Volk Israel im Exil in Babylon lebte. Das war 500 Jahre vor Christi Geburt und schon damals war der Nahe Osten alles andere als eine friedliche Gegend. Israel war verunsichert: der Tempel in Jerusalem, das Zentrum des Glaubens, zerstört und zurückgelassen; das gesellschaftliche Gefüge außer Kraft gesetzt. Was schafft jetzt noch Zusammenhalt, was gibt Identität? Was zählt überhaupt noch? Ja, was bleibt? Und genau in dieser Situation von Exil und Bedrängnis, Unsicherheit und Gewalt, ruft der Prophet im Namen Gottes: Fürchtet euch nicht!

 

Fürchtet euch nicht angesichts der Fremden, mit denen ihr jetzt lebt, fernab der Heimat. Fürchtet euch nicht angesichts der großen Fragen nach Zukunft und Orientierung.

 

Fürchtet euch nicht!

 

Mit diesen Worten nimmt Jesaja die Furcht ernst, er leugnet sie nicht. In der Bibel wird die Angst erkannt und benannt.

 

»Fürchtet euch nicht« – das ist weder eine autoritäre Ermahnung, noch eine moralische Forderung. Wo immer diese Worte in der Bibel gesprochen werden, geschieht es zugewandt, voll Mit-Gefühl: »Fürchtet euch nicht, habt keine Angst. Ich bin bei euch!«

 

In diesem Gefühl der Zugewandtheit hört den Bibeltext aus dem Buch des Propheten Jesaja

 

Bibeltext Jes 35,3-10


1 Die Wüste und Einöde wird frohlocken, und die Steppe wird jubeln und wird blühen wie die Lilien.

2 Sie wird blühen und jubeln in aller Lust und Freude. Die Herrlichkeit des Libanon ist ihr gegeben, die Pracht von Karmel und Scharon. Sie sehen die Herrlichkeit des HERRN, die Pracht unsres Gottes.

3 Stärkt die müden Hände und macht fest die wankenden Knie!

4 Sagt den verzagten Herzen: »Seid getrost, fürchtet euch nicht! Seht, da ist euer Gott! Er kommt zur Rache; Gott, der da vergilt, kommt und wird euch helfen.«

5 Dann werden die Augen der Blinden aufgetan und die Ohren der Tauben geöffnet werden.

6 Dann wird der Lahme springen wie ein Hirsch, und die Zunge des Stummen wird frohlocken. Denn es werden Wasser in der Wüste hervorbrechen und Ströme im dürren Lande.

7 Und wo es zuvor trocken gewesen ist, sollen Teiche stehen, und wo es dürre gewesen ist, sollen Brunnquellen sein. Wo zuvor die Schakale gelegen haben, soll Gras und Rohr und Schilf stehen.

8 Und es wird dort eine Bahn sein und ein Weg, der der heilige Weg heißen wird. Kein Unreiner darf ihn betreten; nur sie werden auf ihm gehen; auch die Toren dürfen nicht darauf umherirren.

9 Es wird da kein Löwe sein und kein reißendes Tier darauf gehen; sie sind dort nicht zu finden, sondern die Erlösten werden dort gehen.

10 Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen; ewige Freude wird über ihrem Haupte sein; Freude und Wonne werden sie ergreifen, und Schmerz und Seufzen wird entfliehen.


Move 3 Musik der Zukunft – kein Traum – Wirklichkeit

Ach wie herrlich. Wie Musik erklingt das, was Jesaja da verkündet. Musik, die ich immer und immer hören will. Wie eine Lieblings-Playlist. Spiels nochmal Jesaja. Ob es den Israeliten damals genauso gegangen ist? Bitte Zukunft, beginne, möchte man rufen. Die Angst beginnt fast zu schrumpfen.

 

Soll ich an die Zukunft glauben, es furchtlos wagen? Die wankenden Knie wollen noch nicht. Sie zögern und zaudern noch vor möglicher Gefahr. Haben das Tanzen verlernt. Lieber im Gewohnten bleiben. Nichts aufgeben. Ich habe mich an das Seufzen gewöhnt.

 

Beklage täglich die trockene Steppe meines Lebens.

 

Aber die Musikworte öffnen bereits Türen und bringen Trost zum Herzen. Und sie halten mein Verzagen aus.

 

Immer und immer wieder sagt es Jesaja den Israeliten. Geduldig zeigt er, wo der Weg aus der Wüste verläuft. Hört, was Gott euch sagt. Hört es rauf und runter. Bis ihr es selbst singen könnt. Fürchtet euch nicht. Seht doch, da ist euer Gott.

Move 4 Die Herrlichkeit Gottes SEHEN

Und genauso hören wir es im Wochenspruch „Seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht“. Werft euren Ballast ab, hebt den Kopf, richtet den Blick neu aus, öffnet die Ohren öffnen und lasst euch in Bewegung bringen.

 

Das beginnt schon jetzt. Nicht erst irgendwann in ferner Zukunft.

 

Freilich, die Zeichen der Zeit sehen, da muss man die Augen öffnen. Manchmal muss etwas von außen kommen: So wie das Wasser, das die Wüste belebt, das trockenes Land ergrünen lässt, den Durst der Durstigen stillt und sie wiederbelebt.

 

Manchmal muss etwas von außen dazukommen, das meine Lähmung durchbricht und mich mit einem Neuanfang beschenkt. Manchmal braucht es fast ein Wunder, damit sich etwas bewegt.

 

Seht, da ist euer Gott, das ist der Ausblick des Tages. Nach ihm gilt es, Ausschau zu halten in der Adventszeit, nach seinen Zeichen, die den Alltag durchbrechen, die einem Müden wieder die Leichtigkeit geben, damit er springen kann wie ein Hirsch. Manchmal kommt ein Telefonanruf genau im richtigen Augenblick, ein Mensch hört mir zu und gibt mir Impulse fürs Leben als wäre er vom Himmel geschickt. Manchmal entdecke ich bei einem Spaziergang in der Natur die Herrlichkeit Gottes.

 

Und Jesaja sagt: da ist noch mehr. Ich sehe in dir die Herrlichkeit Gottes. In deiner Schwäche, in all deinem Wanken und Verzagen. Und ich seh die Tränen, wie sie in Bächen fließen. Wenn sie wie Quellen aufbrechen, was in der Trockenheit verhärtet war.

 

Genau da wird sie blühen, Gottes Herrlichkeit. Der Wüstenboden wird mit Blumen bedeckt sein. Und das Blütenmeer erzählt von Gottes Tun für die Verzagten.

 

Jesaja nimmt Bilder aus der Natur und macht sie zum Vorbild für uns Menschen. Wie sich die Natur verwandelt, werden wir uns auch verwandeln. Gott sorgt dafür, dass diese Vision wahr wird. Er hat Jesus geschickt und er bringt Gottes Reich in diese Welt. Mit Jesus hat es angefangen und sich dann weiter ausgebreitet.

Move 5… und jauchzen auf dem Weg in die Zukunft

Nichts als Jubel wird auf dem Weg in die Zukunft sein.

 

Jesaja nennt ihn den heiligen Weg, auf dem alle unterwegs sind, die mit Gott rechnen, Gott suchen und auf Veränderungen in ihrem Leben hoffen.

 

Wer sich auf den Weg macht, ist normalerweise den üblichen Gefahren ausgesetzt, aber auf diesem Weg wird es nichts geben, was menschenfeindlich ist. Der Weg gehört denen, die ihn gehen, die sich aufmachen, ausstrecken nach Gott.

 

Die Erlösten des HERRN werden wiederkommen und nach Zion kommen mit Jauchzen. Die Erlösten, losgekauften, aus der Macht der Unterdrücker befreiten. Und sie können darauf vertrauen, dass Gott alles zurechtbringt. Alles, was an Rachegedanken bei den Israeliten da sein sollte, können sie als Ballast abwerfen. Kummer und Seufzen über eine ungewisse Zukunft entfliehen auf dem Weg. Die Freude wird zum Anführer der Reise werden.

 

Wie herrlich: Unsicherheit und Angst werden aufgehoben sein in Gottes Herrlichkeit. Nicht nur damals, auch heute. Hier und jetzt. Das ist gerade für alle wie mich eine gute Botschaft, die im Geduldig sein nicht ihre Stärke sehen.

 

Wenn ich mit den Adventsliedern auf den Lippen und im Herzen, die das Kommen Gottes künden, unterwegs bin, erfahre ich schon jetzt eine Verwandlung meiner Wüstensituation.


Amen