(Predigt zu Josua 3, 1-17)


Hörten wir im Evangelium von der Taufe Jesu im Jordan, so bleiben wir auch mit dem Predigttext am Jordan. Wir befinden uns im 13. Jahrhundert vor Christus. Josua wurde Nachfolger des Mose. Er hatte in dessen große Fußstapfen zu treten. Aaron, der Mitstreiter für Gottes Sache an Moses Seite, lebte nicht mehr. Josua war auf sich gestellt. Er ist nicht mehr der Jüngste. Das Volk Irael Israels befindet sich unmittelbar vor der Landnahme. 40 Jahre sind sie umhergezogen. Nun stehen sie vor dem verheißenden Land. Die Kundschafter waren zurück und hatten berichtet: Ein tolles, fruchtbares Land – aber mit starken Kriegern und Festungen. Eine unglaubliche Aufgabe liegt vor Josua. Er wird es sein, der das Land zu erobern und an die 12 Stämme zu verteilen hat.

 

Das „Alte“ liegt hinter uns, ein Jahr ist vor 13 Tagen zu Ende gegangen. Menschen, die uns im Glauben beigestanden oder Vorbilder waren, sind hier und da nicht mehr unter uns. Es kommt auf uns an, uns allein, den von Gott gegebenen Auftrag zu erfüllen. Eine jede und ein jeder ist „Josua“. Das Volk nähert sich dem Fluss, der natürliche Grenze zu Kanaam bildet. Sie hatten vor, an einer bekannten Furt den Jordan zu überqueren. Der ist über seine Ufer getreten. Sie sehen an Stelle der Furt nur unüberwindliche Wassermengen. Die wenigen Älteren unter den Israeliten werden sich an eine vergleichbare Situation erinnert haben – den Durchzug durch das Rote Meer. Damals hatten sie Mose, jetzt aber den unerfahrenen Josua. Hochwasser bedeutet, dass man kann keinen Schritt weiter gehen kann. „Das war’s. Wir schaffen es nicht. „Hochwasser versperrte den Weg“ ist in der Bibel zum Bild geworden.

 

Wir kennen das. Da gibt es eine gute Planung und Vorarbeit. Der Weg an das andere Ufer ist geebnet, der Weg zu neuen Zielen kann begangen werden. Die Kräfte sind da. Freude auf das Zukünftige hat sich im Herzen breit gemacht. Dann kommt eine vernichtende Flut und reißt alles weg. Eine Krankheit wird ein Hochwasser. Eine Bewerbung, die mit viel Hoffnung auf eine bessere Zukunft verbunden ist, ist wie weggespült? Eine Freundschaft wird unvorhergesehen ins Wanken gebracht. Misstrauen und Bequemlichkeit wackeln an den Säulen einer Beziehung – Josua befiehlt den Priestern mit der heiligen Bundeslade in das Wasser des reißenden Stromes zu treten. Das Volk soll folgen.

 

Als die Priester mit der Bundeslade voran in den Jordan treten, geschieht das Unglaubliche. Von dem reißenden Fluss ist nichts mehr da geblieben außer einem sandigen Flussbett, auf dem die Priester stehenbleiben. Das Volk blickt auf die Priester und folgt ihnen. So kommen alle sicher herüber ins gelobte Land. Wie war das möglich?

 

Die Frage, ob Gott so etwas kann und tut, ist so alt, wie Menschen die Bibel lesen. Sie ist mehr oder weniger sinnlos. Wer kennt die Parameter Gottes? Altertumsforscher berichten, dass Verwandlungen des Jordan, wie hier geschildert, in gewissen Zeitabständen geschehen. Der Hochwasser tragende Fluss reißt vom Ufer Erdmassen weg. Sind die heraus gebrochen, kann es geschehen, dass sie als Damm auf dem Flussbett liegen. Der Fluss staut vor diesem Damm. Es fließt nichts nach. Die Wasser hinter dem Damm fließen woanders ab. Christliche wie arabische Wissenschaftler schildern dieses Geschehen. War es damals so? Eine reine Hypothese, die nur veranschaulichen kann, wie Gott im Rahmen der geltenden Naturgesetze das Wunder schuf. Der bekannte Mathematiker und Physiker Prof Rohrbach schrieb einmal: “Das besondere an Wundern ist nicht wie sie geschehen, sondern, dass sie geschehen”. Den Verfassern dieser Erzählung geht es ganz und gar nicht um die Frage der Möglichkeiten des allmächtigen Gottes. Es geht vielmehr bei diesem Geschehen um eine Erzählung vom Sieg über die Bedrängung im Leben Israels.

 

Das diese Szene beherrschende Bild ist die voraus getragene Bundeslade. In ihr liegen die beiden Gebotstafeln, die Mose am Sinai empfangen hat, die Zehn Gebote. Der erste Satz auf den beiden Gebotstafeln heißt: „Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus Ägypten, dem Haus der Sklaverei, herausgeführt hat” – Was besagt: ‚Ich, dein Gott, will nicht, dass du ein Leben in Sklaverei führst. Sahen die Priester und sah das Volk auf die Bundeslade mitten im reißenden Strom, sollte die Erinnerung an diesen ersten Satz vor allen Geboten vor ihren Augen stehen: Wir haben einen Herrn und Gott, der uns aus der Sklaverei herausführt. Gott wird uns, wie auch immer, hier heraus führen.

 

Wir haben heute aber keine Priester und / oder Bundeslade mehr. Welche Bedeutung hat diese Begebenheit daher für uns? Priester, und insbesondere der Hohepriester, waren die Mittler zwischen dem Volk und Gott. Im NT, im Hebräerbrief, gibt es drei ganze Kapitel über Jesus als den einzig wahren “Hohepriester”. Er ist heute die Brücke, der Vermittler. Und die Bundeslade enthielt Gottes Wort. Am Anfang war das Wort… Und das Wort ward Fleisch… Jesus. Gottes Wort. Das ist es, worauf wir sehen sollen. Das ist der Orientierungspunkt im Jordan, den Bedrohungen, den Zweifeln.

 

Zu Beginn dieses Jahres bekommen wir gesagt, dass wir in allen Bedrohungen des Lebens auf Jesus sehen sollen „Ich bin der HERR, dein Gott, der dich aus Ägypten, dem Haus der Sklaverei, herausgeführt hat.“ Wir werden im neuen Jahr möglicherweise in eine Situation geraten, wo wir „schlimme Wasser“ vor uns haben und hindurch müssen. Die Geschichte sagt uns: Er zieht voran und mit uns mit. Wie er uns ein Wunder vom „Jordan“ schenkt, wissen wir nicht. Es kann einfach sein, ungeahnte Kraft zu empfangen, die Wasser auszuhalten, in den Strudeln nicht zu versinken und irgendwie das Ufer zu erreichen, das Leben bedeutet.

 

Nur eins wissen wir: Er zieht voran und mit uns mit. Amen.