(Predigt zu 1. Korinther 1,3-9)


Liebe Gemeinde,

 

der Predigttext für diesen Sonntag ist uns wirklich ein passendes Geschenk: für einen Tag, an dem wir allen danken möchten, die sich für unsere Gemeinde engagieren.

 

Deshalb hört aus dem 1. Brief an die Korinther im 1. Kap. folgende Verse


Paulus schreibt:

Gnade sei mit euch und Friede von Gott unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus. Ich danke meinem Gott allezeit euretwegen für die Gnade Gottes, die euch gegeben ist in Christus Jesus, dass ihr durch ihn in allen Stücken reich gemacht seid, in allem Wort und in aller Erkenntnis. Denn die Predigt von Christus ist unter euch kräftig geworden, sodass ihr keinen Mangel habt an irgendeiner Gabe und wartet nur auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus. Der wird euch auch fest machen bis ans Ende, dass ihr untadelig seid am Tag unseres Herrn Jesus Christus. Denn Gott ist treu, durch den ihr berufen seid zur Gemeinschaft seines Sohnes Jesus Christus, unseres Herrn.


Move 1 Gott ist groß

Ihr alle seid durch Gott beschenkt, schreibt Paulus der Gemeinde in Korinth. Gott macht euch alle sprachfähig. Er gibt euch allen einen wachen Geist und einen klugen Kopf.

 

Und das ist für Paulus ein Grund, Gott zu danken. Für seine Gnade. Für seine Zuwendung, für all die Begabungen, die er schenkt. Für seine nicht endende Treue.

 

Wir haben es in der Lesung vom Propheten Jesaja schon gehört: der Gott Israels ist so mächtig, ist so groß und stark. Der Mensch kann ihn nicht begreifen. Er ist mit nichts vergleichbar.

Move 2 Durch Gott begabt – in einer gespaltenen heterogenen Gemeinde

Paulus betont: Ihr habt keinen Mangel an irgendeiner Gabe und wartet nur auf die Offenbarung unseres Herrn Jesus Christus. Wie sich Gott zeigt, wie sich Jesus zeigt, ist für den Menschen unverfügbar. Aber - Seine Treue und die Gemeinschaft mit ihm und mit anderen Christen ist jetzt schon sichtbar.

 

Wer den Beginn des Korintherbriefes liest, liebe Gemeinde, glaubt an eine entspannte Atmosphäre in der Gemeinde. Es klingt wie ein Brief aus den Sommerferien: „Beste Grüße von Heinz! Mir geht es gut. Gutes Wetter, bei euch auch? Vermisst ihr mich? Aber für den Sonnenschirm aufspannen, den Braai ankriegen gibt’s sicher nette Nachbarn“.

 

Es ist aber ein Brief, der weder in sommerlicher Stimmung verfasst wurde, noch die Empfänger in einer solchen erreicht hätte. Paulus weiß, dass es in Korinth stürmisch zugeht. Die Gemeinde ist zerrissen. Das zeigt der Vers nach dem Predigttext. Es gibt Spaltungen. Grüppchen, die sich einander gegenseitig das Christsein absprechen. Wer ist der Frömmste, wer ist der Wichtigste? Die einen bleiben auf der Linie der vorherigen Leiterin. Der Diakon möchte neue Akzente setzen. Die Kirchenmusik sieht sich nicht genug gewürdigt. Andere sagen: Da könnte ja jeder kommen. Die nächsten: Wenn es besser werden soll, muss es anders werden. Später beschweren sich manche, dass die Gemeindeveranstaltungen zu einer Uhrzeit stattfinden, wo sie nicht teilnehmen können. Auch wird diskutiert, welche Aufgaben am Wichtigsten sind. Natürlich der Kirchenvorstand! Der Küsterdienst. Wie sähen die Grünflächen und Gebäude aus ohne die Menschen, die sich darum kümmern? Was ist mit dem Kindergottesdienst und der Jugendarbeit?

 

So sähe der Paulusbrief des 21. Jahrhunderts aus. Heute wie damals wird Paulus antworten: Ihr alle habt unterschiedliche Gaben. Aber durch die Taufe seid ihr eins.

 

Jeder ist wichtig. Gottes Treue und Liebe beruht gerade nicht auf Leistung, Ruhm und Ehre, sondern auf Gnade, Liebe und Versöhnung, oder wie er ganz am Ende seines Briefs schreiben wird: auf Glaube, Liebe und Hoffnung. Mit einem Wort: Gott ist unbestechlich, aber eben: Unbestechlich gnädig. Darum betont Paulus vom ersten Satz an: Gott ist treu. Und: Ihr seid reicht beschenkt.

Move 3 Jeder ist wichtig

Wisst Ihr, was ich an Paulus und dem Korintherbrief mag? Er sagt immer, was gut ist und kehrt zugleich Konflikte nicht unter den ausgefransten Teppich. Paulus sagt: Auf Gottes Seite der Medaille steht „Ich bin euch gnädig. Ich bereichere euch ohne Ausnahme. Ich stelle euch einander gleich.“ Dann sollte nach Paulus auf der menschlichen Seite der Medaille stehen: Wir gehören zu einer Gemeinde. Wir sind nötig. Wir bewerten uns nicht gegenseitig. Beide Seiten einer Medaille muss der gleiche Geist prägen.

 

Es gibt viele Gaben, aber es ist ein Geist, schreibt Paulus später. Sicher ist es dem ein oder der anderen von euch schon so gegangen. Man engagiert sich, bringt sich ein, vielleicht besucht man jemanden, der einsam und verlassen scheint und dann kommt man heim und fühlt sich selbst reich beschenkt. Das geht mir in meiner Arbeit ganz oft so. Viele Gaben, die vorhanden sind, vielleicht auch versteckt und dann wirken sie. Und ich frage mich: Bin ich Gebende oder Nehmende?

 

Ich fühle mich selbst reich beschenkt.

Move 4 Gut zu mir sein

Gebende und Nehmende sein, ja, es ist wichtig, dass es mir auch gut geht.

 

Dass ich gut zu mir bin.

 

Bei aller Arbeit, sei es im Berufsleben, sei es ihm Ehrenamt: wenn ich etwas gut machen möchte, besteht die Gefahr, mich zu verausgaben. Man müsste doch und sollte doch noch. Und als Christen sowieso …. Geben, geben, geben, helfen und vielleicht irgendwie sogar die Welt retten.

 

Und manch eine verliert sich darin. Und plötzlich ist der Glaube ganz leer. Hat sich verlaufen. Ist wie ausgelaufen.

 

Dabei meint man es nur gut. Und es gibt an allen Ecken und Enden Menschen, die unsere Hilfe brauchen und unser Geld und unsere Zeit und unsere Gebete und was nicht alles. Und man könnte noch dieses und jenes Projekt – auch in der Kirche - beginnen. Es kann einen auslaugen, wenn Glaube sich völlig verausgabt.

 

Der heilige Bernhard von Clairvaux, der im 11. Jh. gelebt hat, war ein Abt und Mystiker. Er gilt als einer der bedeutendsten Mönche des Zisterzienserordens.

 

Er hat dieses wunderbare Bild von der Schale geprägt.

(Vorlesen von der Leinwand)

Ist das nicht schön, liebe Gemeinde: Wir dürfen gut mit uns umgehen, dürfen erst Liebe sammeln, bevor wir losgehen und lieben. Wir dürfen erst geliebt werden, uns reich machen an Liebe, auch wenn wir uns mit Liebe nie sehr lange bevorraten können. Auch Gott gibt aus der Fülle-wie sollten wir anders tun als er.

 

„Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle; wenn nicht, schone dich." Wir dürfen gut mit uns selbst umgehen. Wir müssen nicht aus dem letzten Loch pfeifen beim Lieben. Wir dürfen Atem holen und unsere Schale füllen.

 

Und womit: Mit dem, was uns Freude macht, uns die Liebe Gottes und unserer Familie und Nächsten fühlen lässt. Wir dürfen unsere Schale füllen beim Schwimmen, beim Kaffee trinken, beim Treffen mit Freunden, beim Rugby, hier heute Morgen, beim Hauskreis, beim gemeinsamen Tanzen, singen und Musik machen, beim Bibellesen, gemeinsam mit anderen oder allein, beim Zusammensein mit meinen Kindern und Nachbarn. Und und und.

Move 5 Mach`s wie Jesus

Auch Jesus hat sich seine Schale immer wieder füllen lassen. Spätestens als sich rumgesprochen hat, dass er Kranke heilen kann, war er gefragt. Er hat gegeben, reichlich. Hat geheilt und gepredigt und Hoffnung geschenkt. Und er konnte es nicht verhindern, dass sich das herumgesprochen hatte wie ein Lauffeuer. Es kam eine große Menge zusammen, zu hören und gesund zu werden von ihren Krankheiten. Er aber zog sich zurück in die Wüste und betete. So wird es in Lk 5 beschrieben, nachdem Jesus einen Aussätzigen geheilt hat.

 

Jesus hat nichts gegen die vielen Kranken und doch lässt er sie erstmal stehen. Zieht sich zurück in die Wüste, wo er allein ist mit Gott, und betet. Oder ein Kapitel später. Da ist Jesus am Sabbat einem Mann begegnet, der eine steife Hand hatte. Er hat ihn gesund gemacht und dann steht dort (V.12): In jener Zeit zog sich Jesus auf einen Berg zurück, um zu beten. Die ganze Nacht verbrachte er im Gebet. Und dann stieg er wieder hinunter vom Berg, wo schon eine große Menschenmenge auf ihn wartete. Und alles Volk suchte ihn anzurühren; denn es ging Kraft von ihm aus und er heilte sie alle.

 

Jesus sucht immer wieder Zeiten der Gottesgemeinschaft bevor er zu den Menschen geht. Er braucht diese Gebetszeiten und diese Ruhe gemeinsam mit dem himmlischen Vater, um dann wieder Menschen etwas weiterzugeben. Jesus lässt sich füllen und dann gibt er aus dieser göttlichen Fülle weiter.

 

Wir sind die nächste Schale darunter. Und wir dürfen es genauso machen.

 

Ich sage das heute zu dir im Blick auf deinen ganz persönlichen Glauben. Denn dort ist es wichtig zu empfangen und dann überzufließen.

 

Ich sage das heute aber auch ganz besonders mit Blick auf euch Mitarbeiter unserer Gemeinde. Denn grade für Mitarbeiter ist dieses Bild ganz besonders wichtig, finde ich. Mitarbeiter im Reich Gottes zu sein bedeutet nicht Kanal zu sein, sondern Schale. Grade als Mitarbeiter solltet ihr euch immer beides überlegen. Zum Einen: Was füllt mich? Was brauche ich, um mich von Gott füllen zu lassen? Brauche ich Ruhe oder Zeiten mit Gott so wie Jesus? Tut mir Musik gut? Oder das Lesen der Bibel? Würde ein Input mich füllen, zum Beispiel auf eine Konferenz oder eine Schulung zu gehen? Oder brauche ich ein persönliches Gespräch, in dem ich einfach mal sagen kann, was mich gerade bewegt? Was brauchst du, um von Jesus gefüllt werden zu können?

 

Und dann die andere Richtung: Und wo kann ich etwas aus der Fülle weitergeben? Wo sprudelt es aus mir hinaus?

 

Auch der Gottesdienst soll dir dabei helfen. Hier sollst du auftanken können, dich füllen lassen von Jesus. Aber hier sollst du auch zugerüstet werden, etwas an Andere weiterzugeben.

 

Es braucht Gelegenheiten zu spüren, wo man gefüllt ist und etwas an andere abgeben kann und auch wo man leer ist und erst einmal selbst wieder auftanken muss.

 

Man kann als Schalenbrunnen auch im Bezug auf eine Sache total gefüllt sein und überfließen, während man in einer anderen Sache noch zu leer ist, um etwas geben zu können.

 

Wie hat es Bernhard von Clairvaux seinem Freund am Ende geschrieben? Wenn du kannst, hilf mir aus deiner Fülle; wenn nicht, schone dich. … und lass dich füllen.

 

Ich will dir heute Mut machen, dir zu überlegen, in welchen Bereichen deine Schale gut gefüllt ist und in welchen sie leer ist. Schau dir das mal ganz genau an! Und dann bitte Gott, dass er die leeren füllt, und dir hilft aus den vollen überfließen zu lassen.

 

Zum Schluss eine kleine Geschichte. In der geht es auch um zwei Schalen.

 

Es war einmal eine alte chinesische Frau, die zwei große Schalen hatte. Diese hingen an den Enden einer Stange, die sie über ihren Schultern trug. Eine der Schalen war ganz normal, die andere hatte einen Ausguss, eine kleine Vertiefung wie ein kleiner Schnabel. Am Ende der langen Wanderung vom Fluss zum Haus der alten Frau enthielt die eine Schale stets die volle Portion Wasser, die andere war jedoch immer nur noch halb voll, weil durch den Schnabel Wasser unterwegs herausfloss. Zwei Jahre lang geschah dies täglich. Die alte Frau brachte immer nur anderthalb Schale Wasser mit nach Hause. Die makellose Schüssel war natürlich sehr stolz auf ihre Leistung. Die Schale mit dem Schnabel schämte sich und war betrübt, dass sie nicht alles Wasser festhalten konnte. Nach zwei Jahren, die ihr wie ein endloses Versagen vorkamen, sprach die Schale zu der Frau: „Ich schäme mich so, weil auf dem ganzen Weg zu deinem Haus immer Wasser aus mir herausläuft.“ Die alte Frau lächelte: „Ist dir aufgefallen, dass auf deiner Seite des Weges Blumen blühen, aber auf der Seite der anderen Schale nicht? Jeden Tag, wenn wir nach Hause laufen, gießt du die Blumen. Zwei Jahre lang konnte ich diese wunderschönen Blumen pflücken und den Tisch damit schmücken. Wenn du nicht Wasser abgeben würdest, würde diese Schönheit nicht existieren und unser Haus beehren.“ (Nach einer asiatischen Weisheit, Autor unbekannt)


Amen