(Predigt zum Bibelsonntag 3.3.2019 Phil 4,4-20)


Gnade sei mit euch und Friede, von Gott unserem Vater, und von dem Herrn, Jesus Christus. Amen.

 

4 Mittwochabende intensives Lesen und Nachdenken und ins Gespräch kommen über den Philipperbrief gehen in unserer Gemeinde zu Ende. Bibel lesen und schauen: was hat der Text mit mir und meinem Leben zu tun…

 

Und dieser Sonntag dient auch dazu, die Bibelabende abzuschließen. Aber keine Sorge für all jene, die nicht dabei gewesen sind.

 

Ich lese aus dem Schlussteil des Philipperbriefes im 4. Kap., die Verse 4-13.

 

„Freuet euch in dem Herrn allewege.“ Nun auch noch einmal am Ende des Briefes. Freude, die den Brief wie einen roten Faden durchzogen hatte. Und Paulus, der das schreibt, hat - gerade äußerlich gesehen nicht viel Grund, sich zu freuen. Der Apostel Paulus sitzt im Gefängnis. Ob er freigesprochen oder zum Tode verurteilt wird, das ist noch nicht klar. Finanziell ist er auf die Hilfe seiner Freunde aus der Gemeinde in Philippi angewiesen. Und dem Überbringer gibt er auf dem Rückweg den Brief mit, den wir noch heute als Philipperbrief kennen.

 

In diesem Brief will er der Gemeinde Mut und Hoffnung machen. Ihr hört richtig. Der Mann im Gefängnis macht denen draußen Mut: sich zu freuen, sich nicht zu sorgen, alles von Gott zu erwarten. Er hat eine Freiheit, er hat einen Grund zur Freude, den andere nicht kennen.

 

Freude. An einem Tag wie heute, wo Ihr, die Taufe Eurer Kinder feiert, ist das nicht schwer. Freut euch in dem Herrn allewege. Aer eben nicht nur heute, auch an all den anderen Tagen. Und der Grund zur Freude lautet: Der Herr ist nahe…. hört alle eure Bitten, alles Flehen…. und schenkt einen Frieden, den sonst keiner geben kann.

 

Das steht auch so in dem Taufspruch für Leah. Da heißt es im Buch des Jeremia: Denn ich weiß wohl, was ich für Gedanken über euch habe, spricht der Herr: Gedanken des Friedens und nicht des Leides, dass ich euch gebe Zukunft und Hoffnung.

 

Und Freude auch, weil Gott uns nicht den Geist der Furcht gegeben hat, sondern der Kraft und der Liebe und der Besonnenheit. Das wünschen wir Hannah, dass sie sich in ihrem Leben immer daran erinnert. Kraft, nicht Furcht, bekam bei den olympischen Sommerspielen 2000 in Sydney eine junge Frau, Laura Wilkenson, die die Goldmedaille im Turmspringen gewann, obwohl sie kurz vorher ihren Fuß an mehreren Stellen gebrochen hatte.

 

Im Interview danach wurde sie gefragt, wie sie das geschafft habe. Ihre Antwort, die sie vor laufender Kamera gab, war: „Alles vermag ich durch den, der mich stark macht.“

 

Eine beeindruckende Frau, nicht nur, weil sie sich zu ihrem Glauben öffentlich bekannt hat, sondern auch, weil sie in einer relativ hoffnungslosen Situation, in der viele andere aufgegeben hätten, weitermachte und sogar siegte.

 

Ich vermag alles, durch den, der mich stark macht. Worte des Apostel Paulus auch hier im Philipperbrief.

 

Wie viele andere Menschen sich durch das Mut machende Wort des Apostels haben trösten und bewegen lassen, wie viele in ihrer misslichen Lage weitermachten, „weil der, der bei mir ist, mich stark macht“, wissen wir natürlich nicht.

 

Vielleicht sind es die Christinnen und Christen unserer Zeit, die an vielen Orten der Welt verfolgt werden, die wegen ihres Glaubens in Angst leben oder in einer Gefängniszelle sitzen, die um ihr Leben fürchten, wenn sie zum Gottesdienst gehen.

 

Vielleicht sind es auch die Menschen, die hier und heute neben uns sitzen, ein jeder mit seinen oder ihren besonderen Herausforderungen des Lebens.

 

Es könnten auch wir selbst sein, wenn wir an irgendetwas schuldig geworden sind, wenn uns eine schlechte Nachricht erreicht oder die nächste Krise sich anbahnt. Wir sollen und dürfen das vor Augen haben, was Paulus schrieb und was so vielen anderen Menschen weitergeholfen hat: Kraft für die nächsten Schritte, „weil der, der bei mir ist, mich stark macht!“

 

Wenn wir diesen wunderbaren Bibelvers inmitten des Briefes an die Philipper anschauen, dann merken wir, dass es bei ihm eben nicht nur um einen Moment geht, wo er das fühlt, sondern dass er das ganz grundsätzlich feststellt, weil sein Gottvertrauen ihn trägt. „Der bei mir ist, macht mich stark!“

 

Wir wissen durch andere Stellen im Neuen Testament, dass Paulus in anderen Situationen oft Mangel gelitten hat, auch Not und jede Menge Angst.

 

Überfluss anscheinend auch, d. h.: reichliches Essen, das Gefühl der Geborgenheit bei guten Freunden oder der Sicherheit hinter geschützten Mauern, das Wissen darum, dass alles vorhanden ist, was man für die nächste Zeit braucht.

 

Dass Christus bei ihm war und ihn stark machte, hat ihm anscheinend die Fähigkeit gegeben, sich nicht entmutigen zu lassen. Die Not hat ihn nicht zu sehr heruntergezogen, und der Überfluss nicht zu sehr berauscht. Sein Wohlbefinden hing nicht von diesen Dingen ab. Aus dem Grunde konnte er sagen, dass er keinen Mangel leidet.

 

Was für ein schönes Gefühl: wenn man spürt, die äußeren Umstände mögen sein, wie sie wollen: manchmal ganz wunderbar, manchmal schrecklich schwer.

 

Aber: der Herr ist nahe in jeder Lebenslage. Er freut sich mit uns, wenn wir uns freuen. Er leidet mit uns, wenn wir leiden. Unser Gott ist Mensch geworden in Jesus Christus, hat das Leben kennen gelernt. Jesus Christus stand nicht über den Dingen der Welt. Hat Freude und Schmerz kennengelernt. Wenn wir traurig sind, weil uns jemand fehlt, der uns am Herzen lag, oder weil Streit ist oder weil wir das nicht schaffen, was alle von uns erwarten.

 

Der Herr ist nahe - Und gerade deshalb dürfen wir bitten und flehen, alles bei ihm ablegen, damit wieder Freude in unser Herz einziehen kann.

 

Er gibt mir Kraft, das Leben zu meistern.

 

Der Mangel wird vielleicht erst einmal nicht weniger und unser Überfluss nicht mehr, aber wir werden eine durchaus gesündere Haltung dazu haben und uns nicht durch äußere Umstände zu sehr rauf- oder runterziehen lassen. Wir stehen sozusagen über dem Mangel und Überfluss, auch wenn wir mittendrin stecken. Wir nehmen sie wahr, aber sie nehmen uns nicht in Besitz.

 

Paulus spürt aber auch, dass die Gemeinde in Philippi ihn unterstützt hat. Wörtlich aus der Ursprache: Sie hat ihr Für-ihn-Denken aufblühen lassen. Das ist ein starkes und pastellfarben schönes Bild für die gelebte Gemeinschaft, denn dann wird nicht einfach an einen Mitchristen, eine Mitchristin erinnert, sondern fürsorglich an diesen Menschen gedacht.

 

Dieses fürsorgliche Denken zu erleben, ist wie eine herrliche Blüte zu sehen, so die Wortwahl des Paulus. Es erfüllt das Herz mit Freude! Gerade dadurch, dass wir Christus bei uns wissen und mit seiner Kraft auch Mangel und Überfluss anders erleben, können wir andere unterstützen: unseren Glaubensgeschwistern und unseren Mitmenschen in Not helfen und unser „Für-sie Denken aufblühen lassen“. Wir wissen Christus an unserer Seite und in seiner Kraft müssen wir nämlich nicht horten, um noch reicher zu werden, auch nicht mit weißen Fingerknöcheln das festhalten, was weniger zu werden droht.

 

Vielmehr können wir teilen: unsere Zeit, unsere Kraft, unser Essen, unser Geld, weil wir wissen, wer bei uns ist und welche Kraft Christus gibt in guten und in schlechten Zeiten. Das ist gelebte Gemeinschaft für unsere Glaubensgeschwister und spürbare Hilfe für andere Menschen in Not.

 

Ich erahne, was Paulus meint. Freude kann man niemandem wirklich vorschreiben. Was ich tun kann ist: von Gottes Nähe erzählen. Ich kann Gottes Nähe durch mich erfahrbar machen. Indem ich einfach für jemanden da bin, wenn er mich braucht. Indem ich seine Hand halte, damit er nicht fällt.

 

Indem ich zuhöre, wo kein anderer mehr zuhören mag.

 

Indem ich tröste, da, wo Menschen verzweifelt sind.

 

So wird Gottes Nähe durch mich, durch uns alle für andere Menschen erfahrbar. Egal wen wir unterstützen und wie: Für die Menschen, die etwas von uns empfangen haben, ist unsere Hilfe eine große Freude. Und diese Freude kann letztendlich ermöglicht werden, „weil der, der bei mir ist, mich stark macht!“

 

Amen.