(Predigt Hebr 4,14-16)


Move 1: Bilder von Jesus Christus – wer ist er?

10. Klasse Religionsunterricht. Thema JC. Brainstorming: wer war er? Und weiter nach einigen Bildbetrachtungen aus der Kunst: Warum gibt es so viele unterschiedliche Darstellungen von ihm? Grund dafür, so die Schülerinnen und Schüler: es gibt so viele Facetten von Jesus und Menschen stellen ihn sich einfach unterschiedlich vor.

 

(Bild 1) Jesus kommt als Licht in die Welt

(Bild 2) Jesu Taufe durch Johannes den Täufer. Der Himmel öffnet sich. Licht kommt herab, der Hl. Geist in Form einer Taube kommt über ihn. Jesus Christus ist Gottes Sohn.

(Bild 3) Doch er ist Versuchungen ausgesetzt. Wenn Du Gottes Sohn bist, so sprich, dass diese Steine Brot werden.

(Bild 4) Jesus wendet sich Menschen liebevoll zu, er heilt Kranke und tut viele Wunder.

(Bild 5) Er spricht zu ihnen von Gottes Reich, tröstet und macht Mut. Und viele Menschen hören ihm zu und folgen ihm.

(Bild 6) Jesus Christus spricht: Ich bin der gute Hirte. Der gute Hirte lässt sein Leben für die Schafe.

(Bild 7) An seinem letzten Abend isst und trinkt er mit seinen Jüngern und feiert mit ihnen das Abendmahl.

(Bild 8) im Garten Gethsemane, Jesus betet – allein. Was ihm bevorsteht, kann ihm keiner seiner Freunde abnehmen. „Vater, willst du, so nimm diesen Kelch von mir, doch nicht mein, sondern dein Wille geschehe“

(Bild 9) Jesus stirbt am Kreuz

(Bild 10) ist am 3. Tage auferstanden

(Bild 11) und in den Himmel gefahren

 

Nun, liebe Gemeinde kommt noch ein Bild dazu. Das uns auch im Predigttext begegnet.

 

(Bild 12) Jesus als Hohepriester

 

Ein Bild, das mir im ersten Moment sehr fremd ist.

Er sieht nicht sonderlich sympathisch aus. Hat dieser Jesus etwas mit meinem Leben zu tun?

Jesus als Hohepriester. So wird er im Hebräerbrief beschrieben.

 

Bevor ich euch den Predigttext vorlese, möchte ich euch von Priestern und Hohepriestern erzählen:

Priester gibt es heute noch in der katholischen Kirche. Evangelisch ist das keine gebräuchliche Bezeichnung mehr. „Pfarrer“ oder „Pastor“, das gibt es sowohl evangelisch als auch katholisch, aber Priester nicht. „Priester“, das sind wir alle, ohne Unterschied bei Ausbildung, Berufung oder etwas anderem. „Priestertum aller Gläubigen“ habt ihr sicher schon einmal gehört. Das heißt nichts anderes als: eingesetzte Priester gibt es nicht mehr. Weil man sie nicht mehr braucht. Die hatten einmal eine klare und genaue Aufgabenbeschreibung: Sie vermittelten zwischen Gott und den Menschen. Sie hatten das Wissen und die Würde, sich Gott zu nähern. Sie erklärten den Menschen, was Gott von ihnen erwartet, und sie teilten Gott mit, was die Menschen gerne hätten, z. B. Sündenvergebung und ein ewiges Leben.

 

Ein Hohepriester war der höchste Geistliche überhaupt. Es gab kultische Handlungen, die nur er verrichten durfte. Er war ein Gesalbter und trug besondere Kleidung. Er musste spezielle kultische Reinheitsgebote einhalten. Nur er durfte das Heiligtum und später das Innerste des Jerusalemer Tempels betreten. Damit hatte er die größte kultische Nähe zu Gott.

 

So hört nun aus dem Hebr. 4,14-16

14 Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis.

15 Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde.

16 Darum lasst uns freimütig hinzutreten zu dem Thron der Gnade, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden und so Hilfe erfahren zur rechten Zeit.

Move 2: einer von uns und Hohepriester zugleich, der die Nähe zu Gott herstellt

Liebe Gemeinde,

 

Wenn Jesus hier im Hebräerbrief als Hohepriester bezeichnet wird, ist sofort deutlich, dass er eine hervorgehobene Stellung hat. Er hat die Himmel durchschritten heißt es. Damit sind die konzentrischen Sphären des alten Weltbildes gemeint, zur Welt gehöriges Reich der Gottesferne, der Bereich der Gewalten, welche von den Menschen als Weltherrscher anerkannt und mythisiert werden. Durch diesen Bereich ist Jesus wahrlich „durchgebrochen“, indem er am Kreuz starb und erhöht wurde, so dass er nun als Hohepriester im größeren und vollkommeneren Heiligtum gegenwärtig ist, also zur Rechten Gottes selbst.

 

Doch zugleich heißt es im Predigttext, dass Jesus einer von uns ist. Er hat mit uns gelebt und gelitten. Er kennt Freude und Schmerz, Harmonie und Streit. Er musste sich in seinem Leben mit den gleichen Dingen herumschlagen, die auch uns belasten.

 

Er weiß, wovon wir reden. Er versteht uns. Er kennt körperliche Gebrechen ebenso wie seelische Anfechtungen. Er kennt Zweifel, Angst, Sorge und Mutlosigkeit. Der Verfasser oder die Verfasserin des Textes nennt diese Zustände Versuchungen.

 

In schwierigen Situationen ist mitunter die Versuchung groß, zu zweifeln – an Gottes Nähe.

 

Doch Jesus gelang es, selbst als er verraten wurde, Gott treu zu bleiben. Dem Versucher zu widerstehen. Deshalb heißt es im Bibeltext, obwohl er versucht wurde, blieb er sündlos.

 

Damit ist Jesus auf doppelte Weise besonders geworden. Zum einen ist schon das Hohepriesteramt an sich etwas Besonderes. Zum anderen wendet er sich als der am Kreuz sündlos Gestorbene uns zu, um uns zu helfen. Er sitzt zur Rechten Gottes und vertritt uns bei ihm. Der Auferstandene möchte, dass die Menschen zu diesem Thron kommen, um Vergebung und Orientierung für das Leben zu bekommen.

Move 3 Träge und mutlos und unbeteiligt

Die Gemeinde, an die sich der Brief richtet, scheint das wenig zu interessieren. Das wird daran deutlich, dass der Briefeschreiber die Gemeinde ermahnt, am Bekenntnis, am Taufbekenntnis zu diesem Christus festzuhalten. Vielleicht wird der Glaube an Jesus von zu vielen anderen Dingen überschattet oder gar verdrängt. Womöglich geht das einigen von uns heute ähnlich.

 

Während für den Briefeschreiber Sonntag und Alltag zusammen gehören, klafft in unserem Leben oft beides auseinander. Da ist einerseits der sonntägliche Gottesdienst und andererseits unsere Woche mit all ihrer Arbeit und ihren Verpflichtungen. Abends sind viele erschöpft von einem langen Tag. Oft gerät der Glaube da aus dem Bewusstsein.

 

Für einige erscheint es generell altmodisch, sich zu Jesus zu bekennen. In einer Welt, in der alles machbar scheint, ist Gott überflüssig. An Gott zu glauben, würde bedeuten, Entscheidungen aus der Hand zu geben. Auf etwas zu vertrauen, was sich der eigenen Kontrolle entzieht. Hat Gott mit der Welt überhaupt etwas zu tun? Interessiert es ihn, mit welchen Herausforderungen wir uns auseinandersetzen müssen?

 

Tatsächlich meinen viele, Gott erhöre Gebete nicht. Dabei wird übersehen, dass Gott diese Anliegen durchaus erhört, aber anders auf sie reagiert, als man es erwartet hat. Gott reagiert anders. Aber er reagiert so, wie er meint, dass es für jeden einzelnen gut ist.

 

Uns ihm immer wieder zuzuwenden, daran erinnert der Name des heutigen ersten Passionssonntags „Invokavit“. Er heißt übersetzt: er hat angerufen und geht auf Psalm 91 zurück, den wir vorhin zusammen gebetet haben.

 

Der Mensch hat Gott angerufen. Deshalb will Gott ihn erhören, bei ihm sein in der Not und ihn zu Ehren bringen.

 

In Zeiten des Zweifels oder der Glaubensmüdigkeit kann es hilfreich sein, sich von Menschen wie dem Psalmbeter ermutigen zu lassen, an der Beziehung zu Gott festzuhalten.

 

Biblische Gestalten oder Menschen in unserer Umgebung erzählen Lebensgeschichten, in denen manchmal offensichtlich, manchmal verdeckt Gotteserfahrungen aufblitzen, die Hoffnung stiften. Diesen Geschichten aufmerksam zuzuhören, kann in mir selbst Verschüttetes wieder ins Bewusstsein rufen und mir einen neuen Weg zu Gott eröffnen.

Move 4: die Nähe zu Gott einüben

Denn Gott wartet auf mich. Tagein tagaus. Beim Thron der Gnade. Diesen Weg muss ich selbst gehen und ihn immer wieder einüben.

 

In Bewegung bleiben. Denn mit dem Glauben ist es ähnlich wie mit körperlicher Bewegung. Wenn wir nicht in Übung bleiben, wird es mit der Zeit immer schwieriger und schlechter. Manchmal fehlt unserem Glauben diese Übung.

 

Ein Gottesdienst ist ein guter Ort, um mit Gott Kontakt aufzunehmen. Aus ganz unterschiedlichen Gründen, und die mögen sich auch von Sonntag zu Sonntag ändern. Es gibt Grund zur Klage, oder zur Freude, oder für beides. Und es gibt ein Mitteilungsbedürfnis. Von beiden Seiten. Gott will uns sagen, dass er auf unserer Seite ist. Und wir wollen, dass Gott weiß, wie es uns geht. Sowohl für Gott, als auch für uns läuft nicht immer alles nach Plan und noch weniger alles zur vollsten Zufriedenheit.

 

Aber das grundsätzliche Bekenntnis ist da: Wir gehören zusammen, nichts soll uns trennen. Jesus Christus ist dabei nicht einfach ein neuer Vermittler, der seinen Job besser macht als seine Kollegen und Vorgänger. Keiner, der von oben herab, unerschütterlich und unantastbar Tipps oder gar Befehle gibt, wie es besser laufen könnte.

 

Nein: Nichts Menschliches ist ihm fremd, da er selber Mensch geworden ist. Womit auch immer wir uns an Gott wenden, Die erste Antwort lautet nicht „stell dich nicht an“, „reiß dich zusammen“ oder „wird schon wieder“. Die erste Antwort lautet: „Ich weiß.“

Move 5: festhalten am Bekenntnis

„Lasst uns festhalten am Bekenntnis“, hieß es im vorhin gehörten Bibeltext. Weil der Briefeschreiber weiß, dass der Glaube Gefährdungen ausgesetzt ist. Weil der Glaube eben nicht hinterm Vorhang im Allerheiligsten ruht, sondern sich im Leben bewähren muss.

 

Luther sagte einmal, die schlimmste Anfechtung sei es, keine Anfechtung zu haben. Das heißt nämlich nur, dass der Glaube auf einem Sockel oder in einer Vitrine verstaubt. Dann doch besser rein damit ins Leben, in den Alltag, auf all die Wege, die guten und manchmal eben auch Irrwege oder Umwege. Das Schöne ist ja, dass zwar jeder Einzelne für sich glaubt, und es keinen Vermittler braucht, Wir aber trotzdem nicht allein sind. Eine ganze Gemeinde ist um uns herum, hier vor Ort und auf der ganzen Welt, damit niemand mit seinem Glauben feststeckt. In der Summe ist das dann wie eine Stadt auf dem Berg, die von weit her sichtbar ist. Das zieht Neugierige an, die wissen wollen, was da denn wohl los ist. Und das erzählen wir als Gemeinde dann gerne weiter:

Weil wir denn einen großen Hohenpriester haben, Jesus, den Sohn Gottes, der die Himmel durchschritten hat, so lasst uns festhalten an dem Bekenntnis. Denn wir haben nicht einen Hohenpriester, der nicht könnte mit leiden mit unserer Schwachheit, sondern der versucht worden ist in allem wie wir, doch ohne Sünde. Darum lasst uns freimütig hinzutreten zu dem Thron der Gnade, auf dass wir Barmherzigkeit empfangen und Gnade finden und so Hilfe erfahren zur rechten Zeit.


Amen.