(Predigt Johannes 20,11-18 Ostersonntag 2019 Pretoria)


Move 1 Zerstörung und Trauer inmitten der Nacht

Feuer und dicke Wolken ziehen über den Himmel.
Flammen schlagen durch die Decke der mächtigen Kathedrale Notre Dame in Paris. Eine ganze Nation ist tief erschüttert. Das Herz von Paris steht in Flammen. Fast hilflos müssen die Pariser, muss die ganze Welt mitansehen wir der Turm im Mittelschiff in sich zusammenstürzt. Die Welt blickt traurig, erschüttert und fassungslos am Abend des 15. April 2019 nach Paris. Notre Dame brennt. Hunderte Feuerwehrmänner geben ihr Bestes. Konzentriert. Hart arbeitend. Rennt ihnen die Zeit davon.

Der Ort, an dem unzählige Kerzen brannten, der all den Gebeten Schutz geben sollte. wird von Flammen zerrissen. Einheimische und Touristen stehen auf der Straße, unterbrechen ihren Weg durch die Nacht, obwohl gleich die letzte Métro fährt. Es ist seltsam still. Und Notre-Dame in Flammen. Eine Frau stimmt das „Ave Maria“ an. Wer kann, stimmt mit ein.

Frankreich ist eigentlich ein Land, in dem nur wenige noch wenige Menschen der Kirche wirklich zugewandt sind. Aber tiefe Trauer setzt ein beim Anblick des Schadens, Die Notre Dame Weltkulturerbe, neben dem Eiffelturm das Wahrzeichen der Stadt.

Wie konnte das passieren? Was soll nur werden?

Das fragen mit Sicherheit auch die Menschen in Kwa Zulu Natal, wo die Wand einer Kirche zusammengestürzt ist und 13 Menschen unter sich begraben hat.

So viel Leid, so viele Tränen.

Trauer, liebe Gemeinde, macht sprachlos. Trauer lähmt einen. Die Zeit steht still.

Trauer vernebelt den Blick. Wie kann es weitergehen, wenn solch ein Unglück passiert, wenn geliebte Menschen sterben, wenn Lebensträume zu Asche und Staub verbrennen, wenn man selbst ausgebrannt ist.

Trauer heute – Trauer damals. Vor 2000 Jahren.

Move 2 Lähmung im Freundeskreis Jesu

Sie hatten Jesus gekreuzigt. Ihren Meister und Lehrer. Maria liegt die ganze Nacht wach, denn die Bilder der Hinrichtung gehen ihr nicht aus dem Kopf. Sie erinnert sich daran, wie er (zum Kreuz deuten) leiden musste. Die stundenlangen Verhöre, die Folter, die Auspeitschung, das Toben der verblendeten und von den Tempelpriestern aufgehetzten Volksmenge, der Weg nach Golgatha, das Einschlagen der Nägel, die Schreie der Gepeinigten und schließlich Jesu Tod am Kreuz – den ganzen Wahnsinn hilflos mit anzusehen, ohne eingreifen zu können, ohne die geringste Möglichkeit, Jesus in seiner Qual beizustehen, das war mehr, als sie ertragen konnte. Immer wieder die Bilder und Geräusche.

Nur eines hatte sie für ihren Meister tun können: ihn auf seinem letzten Gang begleiten. Da sein, schweigend zuschauen, nicht davonlaufen wie fast alle anderen Jünger, die sich aus Angst versteckten. Nur Maria, die Mutter des Rabbi, der Schüler Johannes und sie selbst hatten ausgeharrt bis zum Ende.

Noch am Tag der Hinrichtung hatte Josef von Arimathäa den Leichnam Jesu vom Kreuz abgenommen. Er und Nikodemus hatten ihn gewaschen und mit kostbaren Ölen eingerieben, ihn in Leinentücher gehüllt und in eine Nische der Felsengruft gelegt, die in einem Garten war nahe der Kreuzigungsstätte. Wo noch keiner zuvor gelegen hatte.

Maria Magdalena macht sich früh auf den Weg, schlafen kann sie sowieso nicht. Es ist noch finster, als sie zum Grab kommt. Aber sie sieht: Der Stein war weggenommen. Schnell läuft sie zu Simon Petrus und zu Johannes, um ihnen davon zu berichten. Die Männer laufen mit Maria mit, vergewissern sich, dass da wirklich kein Leichnam mehr ist und  - gehen wieder zu den anderen Jüngern zurück. Anders Maria.

Der Evangelist Johannes berichtet uns auf eine andere Art als Markus von den Geschehnissen am Ostermorgen. Hört also, was weiter an diesem frühen Morgen passiert:

Bibeltext Joh 20,11-18

Liebe Gemeinde, vor meinem inneren Auge sehe ich sie da stehen vor dem Grab. Allein und erschüttert und sie weiß nicht weiter. Maria weint und weint und weint und weint. Das erwähnt Johannes mehrmals. Und wenn man unablässig weint, dann schwellen einem die Augen zu. Der Blick trübt sich.

Vielleicht fällt es ihr deshalb auch schwer zu realisieren, was sie da im Grab sieht. Es verwundert sie anscheinend auch nicht, dass da zwei Engel in weißen Gewändern sitzen. Sie kann die Zeichen Gottes nicht erkennen. Und sieht zwar draußen Jesus, aber erkennt ihn auch nicht.

Move 3 Das Kreuz leuchtet in der Kathedrale, durchscheint die Finsternis

Unerhört zart beginnt der neue Tag in Paris. Das Glutrot der Nacht weicht später der samtenen Luft eines Frühlingsmorgens. … Die Flammen sind gelöscht. Schutt und Asche sind übrig. Beißender Geruch. Staub legt sich als dunkles Gespenst über alles nieder, Ascheflocken tanzen verhängnisvoll in der Luft. Wie ein dunkles schweres Tuch liegt das Erlebte auf dem Tag. Die Frage, die alle beschäftigt: Wie sieht es jetzt aus? Ihr geliebtes Notre Dame! Was ist zerstört? Was konnte gerettet werden?

Genauso bangend steht wohl Maria vor 2000 Jahren in Jerusalem vor Jesu Grab. Genauso ohnmächtig stehen Menschen heute im Schutt einer Beziehung oder eines Lebensplans. Jeglicher Hoffnung beraubt.

Ich denke, auch die Feuerwehrleute, mussten am Dienstagmorgen zweimal hinschauen, als nach dem verheerenden Brand die Tore von Notre Dame geöffnet wurden. (Bild zeigen)

In all dem Schutt und unter dem eingefallenen Dach hält Maria vorne auf dem Altar blass und grau den toten Jesus in ihren Armen. Darüber aber steht hell strahlend und wie unzerstörbar das goldene Kreuz - in Notre-Dame, Paris. Mitten in der Zerstörung. Ein goldenes Kreuz. Eine Auferstehungserfahrung nach dieser dunklen, vom Feuer verzehrten Nacht.

Genauso erleben manche Gott, der ihnen plötzlich im tiefsten Schmerzvollen das Kreuz stärkt. Unzerstörbar in jeglichem Inferno. Der alle Schwere der Nacht nicht leugnet und dennoch mit uns zu einem zarten neuen Morgen aufbricht.

Das ist Gottes Versprechen.

Das meint Ostern wirklich. Das müssen wir unbedingt feiern. Und vor allem daran glauben: Dass unsere begrabenen Hoffnungen wieder aufstehen können und er durch alle Verschlossenheiten hindurch sein Licht in unsere Seele bringen wird.

Move 4 Maria erfährt, sieht und hört die Auferstehung Jesu

Maria sieht Jesus, aber sie erkennt ihn nicht. Sie braucht mehr. Erst durch die persönliche Anrede in der emotional dichtesten von Tränen reichen Szene spricht Jesus sie an: Maria und sie - erkennt ihn: Rabbuni.

Sie möchte ihn anfassen, er wehrt ab: rühre mich nicht an. Denn ich bin noch nicht aufgefahren zu meinem Vater.

Dann begreift sie. Ihr Meister lebt, aber er würde sein früheres Leben, so wie sie es mit ihm geteilt hatte, nicht mehr aufnehmen. Jesus hatte es zusammen mit seinem Körper am Kreuz abgelegt wie ein altes Kleid. Er hatte sein Sein verwandelt und nun lebte er auf neue, ungeahnte Weise, voller Licht und Glanz.

Wir brauchen das manchmal: begreifen mit allen Sinnen, im Sehen und Hören und im Be-greifen. Das wird Johannes ein paar Verse weiter von Thomas erzählen. Der Jesus und seine Wunden anfassen möchte, um glauben zu können.   

Liebe österliche Gemeinde, ganz ehrlich, wenn ich da am Dienstag im Eingang zur Notre Dame gestanden hätte. Ich glaube, ich hätte das Kreuz anfassen wollen. Spüren, dass es keine Erscheinung ist, sondern Wirklichkeit. Dass da die Hoffnung zum Greifen nah ist. Die Bestätigung, dass das Zentrum der Kathedrale noch da ist. Dass es sich lohnt, aufzuräumen und neu aufzubauen. 

Move 4 Auferstehungserfahrungen

Als Maria das begreift, dass sie den Herrn gesehen hat, da kommt sie in Bewegung. Jesus selbst beautragt sie: geh und verkündige: ich fahre auf zu meinem Vater und eurem Vater, zu meinem Gott und eurem Gott. Maria geht und verkündigt.

Wer gesehen hat, wer begriffen hat, dass das Leben stärker ist als der Tod, der bekommt glaube ich, auch die Kraft dazu, anderen davon zu erzählen. Kommt in Bewegung, versucht zu helfen, damit man gemeinsam ein Stück weiterkommt im Verstehen der großen und kleinen fassbaren und unfassbaren Dinge vom Leben und Sterben, von den unerklärlichen Erfahrungen, von den Auferstehungsgeschichten, die mitten im Leben passieren und am Ende der Zeit.  

Maria geht.

Move 5 wir fangen neu an

Dort, wo es für sie gerade noch dunkel und hoffnungslos war in ihrem Inneren, wird es plötzlich hell!
Ein paar wenige Worte reichen aus, um Licht in das Dunkel zu bringen.
Ein erleuchtetes Kreuz lässt hoffen.
Hoffnungslosigkeit wandelt sich in Hoffnung,
Aus Dunkelheit wird Licht,
aus dem Tod erwacht das Leben.
Er ist auferstanden, er ist wahrhaftig auferstanden!

Maria wird erlöst aus ihrer Erstarrung, sie lässt sich bewegen, beauftragen.

„Ich habe den Herrn gesehen“
Auch wir erfahren von dieser Botschaft der Hoffnung!
Der Tod ist besiegt!
Der Schatten von Karfreitag wird durch das Osterlicht ersetzt.
Das Licht der Osterkerze soll leuchten, damit es auch in uns hell wird. Damit wir den Dunkelheiten unseres Lebens etwas entgegensetzten können.
Sein Licht von Ostern begleitet uns!
Gott ist zu uns gekommen, Mensch geworden, für uns gestorben.

Und: Der Herr ist auferstanden. Er ist wahrhaftig auferstanden. 


Amen