(Predigt: Mahl der Erinnerung 1. Korinther 11,17-29.33-34a)


„… zu meinem Gedächtnis“

Mitte März sind wir mit den Vorkonfirmandinnen und Konfirmanden zur Konfi-Freizeit nach Kamp Reynard gefahren. Thema war das Abendmahl. Die Bedeutungen, die im Abendmahl präsent sind, haben wir in Kleingruppen anschaulich werden lassen. Wir sind darüber ins Gespräch gekommen, dass das Abendmahl

Uns an das

  1. Abendmahl erinnert, das Jesus am Abend vor seiner Hinrichtung am Kreuz gefeiert hat.
  2. Ein Mahl der Vergebung ist. Wir sind alles andere als perfekt. Wir dürfen zu Gott kommen, der uns mit offenen Armen empfängt und uns unsere Sünden vergibt.
  3. Ist es ein Mahl der Gemeinschaft. Obwohl wir alle ganz verschieden sind, gehören wir doch als Schwestern und Brüder am Tisch unseres Herrn Jesus Christus zusammen.
  4. Danken wir im Abendmahl für die Gaben der Schöpfung
  5. Ist das Abendmahl ein Mahl der Solidarität. Beschenkt von Jesus Christus wissen wir uns verbunden mit anderen Gotteskindern. Teilen ist ein Stichwort, das keinem von uns fremd sein sollte.
  6. Feiern wir im Abendmahl die Auferstehung

Und lassen uns 7. Auf unserem Lebensweg stärken

Wir bekommen schließlich auch einen Vorgeschmack auf das Reich Gottes. Denn im Abendmahl feiern wir schon jetzt, was wir glauben, was einmal sein wird: Zusammenleben mit Gott in seiner Vorstellung von einer neuen Welt, in biblischer Sprache: das Reich Gottes.

Nicht immer sind einem alle Aspekte präsent oder auch gleich wichtig. Es kann sein, dass es mir heute wichtig ist, die Gemeinschaft mit den anderen zu spüren und nächstes Mal spüre ich besonders die Vergebung, die im Abendmahl steckt.  

Heute am Gründonnerstag steht das Abendmahl als Mahl der Erinnerung im Mittelpunkt unseres Nachdenkens.

Wir tun das aber nicht oder nicht hauptsächlich mit der Neugier eines Historikers, der wissen will: Wie war das damals genau? Wir tun es mit der Frage: Was hat denn dieses Gedenken, dieses Erinnern an das Abendmahl für uns heute zu bedeuten? Wo will es uns berühren und weiterführen in unserem Leben - hier und heute?

„Der Herr Jesus, in der Nacht, da er verraten ward …“

Immer wieder beginnt die Erinnerung mit dieser Urszene des Abendmahls: Jesus und die Jünger in der Nacht, in der er verraten und ausgeliefert wurde.

Markus, Matthäus und Lukas überliefern uns, dass Jesus am Abend vor seinem gewaltsamen Tod mit seinen Jüngern zu einem letzten gemeinsamen Mahl zusammensaß.

Es ist nicht das einzige Mal, dass wir in den Evangelien hören, Jesus habe mit anderen gegessen und getrunken. So ist seine Tischgemeinschaft mit »Zöllnern und Sündern« sprichwörtlich, und wir kennen sie nicht nur aus der Geschichte, in der Jesus dem Zöllner Zachäus begegnet und sich selbst bei ihm einlädt.

Gottes Liebe zu seinen Menschen hat Jesus auf diese Weise deutlich zu machen versucht. Er hat sich mit Menschen an einen Tisch gesetzt, ganz gleich, ob sie gesellschaftlich angesehen waren oder zu den Verachteten zählten.

Ganz gleich, ob sie zu den religiös Etablierten gehörten oder eher als zweifelhaft eingestuft waren. Da Gottes gute Botschaft allen Menschen gilt, gab es für Jesus keine, überhaupt keine Vorbehalte gegen Menschen, ganz gleich, ob arm oder reich, alt oder jung, angesehen oder verachtet, gesund oder krank.

Die Tischgemeinschaft mit anderen Menschen war die dichteste Begegnung, die man sich vorstellen konnte. Man saß eng beisammen, teilte das Leben, sprach über seine Gefühle und Gedanken, schaute sich in die Augen und spürte, wie der andere einen wahrnahm. Diese Offenheit, die Jesus im Umgang mit den Menschen an den Tag gelegt hat, ist bei den sich Besserfühlenden der damaligen Gesellschaft gar nicht gut angekommen. Was mögen sie über ihn getuschelt und gelästert haben. Ich mag es mir gar nicht vorstellen.

Darum überliefern die Evangelien, dass Jesus »ein Fresser und Weinsäufer, ein Freund der Zöllner und Sünder« (Mt 11,19) genannt wurde. Zusammensitzen, das Brot mit einem Menschen teilen, sich den Trinkbecher reichen, das sagt: Ich nehme dich so an, wie du bist.

Das bedeutet aber auch: Ich gebe etwas von mir: in meinen Erzählungen, in den Deutungen, wie ich das Leben sehe, indem ich mein Herz öffne und dem anderen meine Gefühle offenbare.

So mag das am Abend gewesen sein, als Jesus ein letztes Mal mit seinen Jüngern zusammensaß. Er nahm das Brot und sagte »Das ist mein Leib!« Er nahm den Weinkelch und sprach: »Das ist der neue Bund in meinem Blut!« Und sie aßen und tranken miteinander und spürten, dass dies ein ganz besonderes Mahl war, das sie in dieser Stunde zusammen feierten. Es war eben das letzte gemeinsame Mahl vor Jesu gewaltsamem Tod am Kreuz.

Jahrzehnte später, um das Jahr 50, erhalten wir Einblick in die urchristliche Praxis der Mahlfeier. Der Apostel Paulus geht in seinem ersten Brief an die Gemeinde in Korinth auf das Abendmahl ein. Der Grund dafür ist das anstößige Verhalten einiger bei der Feier. Dieses Verhalten, so meint Paulus energisch, widerspricht zutiefst dem, was in der Mahlfeier zum Ausdruck gebracht werden soll. 

Hört selbst den Predigttext aus dem 1. Korintherbrief, Kap. 11, 17-29.33—34a

Liebe Gemeinde, schauen wir uns die korinthische Situation genauer an. Die Christen kommen zum Gottesdienst zusammen. Da es noch keine Kirchen gibt, findet man sich in dem Haus eines Mitchristen ein. Hier feiert man gemeinsam das Mahl des Herrn. Zur Gemeinde gehören ganz unterschiedliche Menschen: Arme und Reiche, Sklaven und Lohnarbeiter.  Ehrenwerte genauso wie Zweifelhafte.

Das Mahl wird mit dem Dankgebet über dem Brot eröffnet. Das Brot wird miteinander gebrochen. Darauf folgt das Sättigungsmahl. Am Ende des gemeinsamen Essens wird der Kelch mit Wein gereicht, über den das Segensgebet gesprochen wird. So umschließen also Brotbrechen zu Beginn und das Reichen des Weinkelches am Ende das gemeinsame Essen im korinthischen Gottesdienst. Dazwischen liegt das gemeinsame Mahl zum Genuss.

Paulus stellt in seinem Brief an die Korinther fest, dass es Spaltungen in der gottesdienstlichen Versammlung gibt aufgrund der sozialen Unterschiede der Gemeindeglieder. Die Wohlhabenden können viel für das eigentlich gemeinsame Essen mitbringen, während die Sklaven und Lohnarbeiter natürlich wenig haben. Bring and share. Aber weil jeder das, was er mitbringt, selbst isst, entsteht der Konflikt. Logisch: die einen können schlemmen, üppig speisen, sich satt essen. Andere dagegen bleiben hungrig und mitunter werden sie betrunken, weil sie zu wenig an Essen im Magen haben.

So sind arme und reiche Christen zwar in einem Raum zusammen. Doch sie bleiben in unterschiedlichen sozialen Gruppen aufgeteilt und gespalten. Die Wohlhabenden beschämen die, die wenig oder gar nichts haben, indem sie ihnen etwas genüsslich vorschmatzen. Das ist ein Missstand, den Paulus kritisiert. Es gibt Satte und Hungrige, das Mitgebrachte wird nicht geteilt.

Solch ein Verhalten entspricht nicht dem Geiste Jesu. Es entspricht auch nicht dem Heilswirken Jesu, der sich »für uns dahingegeben« hat. Am Tisch des Herrn versammelt sich die Gemeinde Gottes, die durch dieses »für euch«, wie es im Brotwort zum Ausdruck kommt, gekennzeichnet ist.

Dieses »für uns« verbindet im Herrenmahl alle Gemeindeglieder, jenseits aller sozialen Unterschiede. Es stellt uns die Schwester, den Bruder zur Seite, ganz gleich, welcher sozialen Gruppe er oder sie angehört. Es macht uns füreinander verantwortlich.

Ist also Christus für uns gestorben, dann kann niemand von uns dem Bruder (der Schwester), für die Christus gestorben ist (1Kor 8,11), rücksichtslos, gleichgültig oder lieblos begegnen. Das Herrenmahl unwürdig feiern bedeutet genau dies, dass man nur an sich selbst denkt und seinen Nächsten missachtet. Aber im Gegenteil: Es sind gerade die Schwachen und Kranken (V.30) unter uns, die uns zur Seite gestellt sind, dass wir uns um sie kümmern. Begegnet uns Christus nicht gerade in ihnen?! (Mt 25)

Wenn Paulus sagt: »Sooft ihr von diesem Brot esst und aus dem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt«, dann meint er dieses: indem wir miteinander das Abendmahl feiern,  vergegenwärtigen wir uns, dass Christus ein für allemal für uns gestorben ist und nichts mehr zwischen uns und Gott steht. Im Lobpreis wird uns bewusst, was Jesus Christus uns bedeutet und wie uns das befreit, stärkt und ermutigt.

Eine würdige Feier des Herrenmahls zeigt sich darin, dass wir unsere Mitmenschen dazu einladen, uns ihnen zuwenden,  ihnen zur Seite stehen, sie wahrnehmen und ernstnehmen, unser Leben mit ihnen teilen. Nicht bei sich selbst stehen bleiben, diese Freiheit möchte uns das Abendmahl schenken.

Noch einmal zurück zur Konfirmandenfreizeit. Es gab auch eine kreative Einheit, in der die Konfis Abendmahlsteller gestaltet haben mit der Aufgabe: gestalte einen Teller für einen Menschen, den du zum Abendmahl einladen möchtest, weil Du denkst, er oder sie kann es gut gebrauchen.

Einige davon möchten wir euch präsentieren.

Präsentation der Bilder

Gemeinde Jesu ist dort, wo Menschen miteinander in seinem Namen Brot brechen und Leben teilen. Und sich dabei erinnern, wie es damals war beim ersten Abendmahl. Und wer Jesus war: „der Mensch für andere“ (Bonhoeffer). Sein ganzes Dasein war Lebenshingabe für andere, für uns, für dich, für mich - bis in seinen Tod.


Amen