Predigt zu Sprüche 8,22-36

Wir hören weise Worte:

Von der Empore von zwei Sprechern abwechselnd gesprochen

Christian: Wer wirklich gütig ist, kann nie unglücklich sein.
Wer wirklich weise ist, kann nie verwirrt werden.
Wer wirklich tapfer ist, fürchtet sich nie.

 

Angelina: Wenn einer einen Fehler begeht
und ihn nicht korrigiert,
begeht bereits den zweiten.

 

Christian: Der Blick des Verstandes fängt an, scharf zu werden, wenn der Blick der Augen an Schärfe verliert.

 

Angelina: Wohin du auch gehst, geh mit deinem ganzen Herzen.

 

Christian: Güte in den Worten erzeugt Vertrauen.
Güte beim Denken erzeugt Tiefe.
Güte beim Verschenken erzeugt Liebe.

 

Angelina: Wer andere erkennt, ist gelehrt.
Wer sich selbst erkennt, ist weise.
Wer andere besiegt, hat Muskelkräfte.
Wer sich selbst besiegt, ist stark.
Wer zufrieden ist, ist reich.
Wer seine Mitte nicht verliert, der dauert.

Move 1: die Weisheit spricht

Liebe Gemeinde, die Weisheit spricht. Sie schlüpft in Menschen, um weise Worte zu uns zu transportieren. Seien es Laotse, Konfuzius, Platon oder Herr Löwe oder Frau Ahrens oder selbst ein Kind. Weise Worte, weise Gedanken, die Orte und Zeiten überdauern.

Weisheiten, die wir hören und uns zu eigen machen und versuchen, sie zu verinnerlichen, um danach zu leben. Weil in ihnen Wahrheit steckt.

Doch was ist Weisheit? Hört die Weisheit selbst sprechen:  

Sie begegnet uns im Buch der Sprüche 8,22-36.

Ingrid liest von oben:

22 Der Herr hat mich schon gehabt im Anfang seiner Wege, ehe er etwas schuf, von Anbeginn her.

23 Ich bin eingesetzt von Ewigkeit her, im Anfang, ehe die Erde war.

24 Als die Tiefe noch nicht war, ward ich geboren, als die Quellen noch nicht waren, die von Wasser fließen.

25 Ehe denn die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln ward ich geboren,

26 als er die Erde noch nicht gemacht hatte noch die Fluren darauf noch die Schollen des Erdbodens.

27 Als er die Himmel bereitete, war ich da, als er den Kreis zog über der Tiefe,

28 als er die Wolken droben mächtig machte, als er stark machte die Quellen der Tiefe,

29 als er dem Meer seine Grenze setzte und den Wassern, dass sie nicht überschreiten seinen Befehl; als er die Grundfesten der Erde legte,

30 da war ich beständig bei ihm; ich war seine Lust täglich und spielte vor ihm allezeit;

31 ich spielte auf seinem Erdkreis und hatte meine Lust an den Menschenkindern.

Move 2: Am Anfang… da waren Weisheit und Worte

Die Weisheit war schon immer da. Ich weiß nicht, ob es Euch ähnlich geht. Mich erinnern die Worte an Johannes 1: Im Anfang war das Wort und das Wort war bei Gott und Gott selbst war das Wort.

Im Anfang war also auch schon die Weisheit. Im Anfang hatte der Herr schon die Weisheit. Ehe er etwas schuf, von Anbeginn her. Weisheit und Worte. Es ist herrlich, wenn diese zwei Dinge zusammenkommen. Im Anfang, ehe die Erde war, als die Tiefe noch nicht war, als die Quellen noch nicht waren, ehe die Berge eingesenkt waren, vor den Hügeln, als die Erde noch nicht gemacht war noch die Fluren darauf, noch die Schollen des Erdbodens.

Weise Worte von Gott dem Herrn erschaffen unsere Welt, bereiten die Himmel, ziehen den Kreis über der Tiefe, machen die mächtigen Wolken, machten die Quellen der Tiefe stark, setzen dem Meer seine Grenze und den Wassern, legen die Grundfesten der Erde.

„Und siehe, es war sehr gut.“

Wo Weisheit und Worte zusammenkommen, liebe Gemeinde, da entsteht Großartiges, zum Staunen. Am Anfang - die Schöpfung.

Und immer wieder – Schöpfung - Neuschöpfung. Und ich fühle mich gut inmitten der atemberaubenden Natur, wenn ich all die vielen Tiere und Pflanzen, diese Artenvielfalt sehe, das Spiel der Natur erlebe. Wenn Menschen in der Sonne lachen und die herrlichen Strandtage mit der Familie, in lauen Nächten unterm Sternenhimmel sitzend, den Grillen zuhöre, Vögel zu beobachte, auf Hügel und Berge wandere. Dann staune ich, dann juble ich über diesen Reichtum. Laut oder leise – nur für mich. Lobe und preise Gott für dieses Geschenk.

Move 3: Weisheit, wo bist du?

Und nicht nur, aber auch besonders heute bin ich meiner Mutter dankbar, dafür, dass sie mich geboren hat. Viel zu selbstverständlich ist einem das manchmal. Dass sie mich großgezogen hat und ich immer zu ihr kommen konnte und sie mich in den Arm genommen hat und immer noch tut. Das schenkt mir das Gefühl von Geborgenheit und das brauche ich. Gerade in unserer Welt, denn wenn ich die Nachrichten lese oder höre,
dann frage ich mich, was ist aus der Weisheit geworden. Sie hatte ihre Lust an den Menschenkindern. Und nun?  

Mal hatte Gott dem Meer seine Grenzen gesetzt. Und wir Menschen haben mit den Grenzen gespielt. Und sie nicht akzeptiert.
Und das Meer wird immer mehr, es steigt an, langsam, aber sicher. Grenzenlos. Das Meer überschreitet seinen Befehl. Wir verändern die Erde.
Wir verändern das Klima.

Wir werfen Lebensmittel weg. Einfach in den Müll. Weil wir zu viel eingekauft haben. Und es nicht mehr essen können.
Und diese Berge von Plastik, das nicht verrottet und unsere Gewässer verseucht und Tiere qualvoll verenden lässt.

Etwa eine Million Tier- und Pflanzenarten sind vom Aussterben bedroht. So wurde es in der vergangenen Woche bekannt gegeben. Der Weltbiodiversitätsrat hatte ausführlich recherchiert und dieses erschreckende Ergebnis in einem Bericht veröffentlicht. Eine Million Tier- und Pflanzenarten – eine solch große Bedrohung der Artenvielfalt hat es bisher noch nicht gegeben. Schon immer sind Tiere und Pflanzen ausgestorben und neue Arten sind entstanden, doch ein Artensterben in diesem Umfang hat es so noch nicht gegeben. Diese massive Bedrohung ist durch uns Menschen verursacht, so heißt es weiter im UN-Bericht: von der Abholzung der Regenwälder über Fischerei und Landwirtschaft bis zur Umweltverschmutzung und der CO 2 Emission reichen die Ursachen. Dringend müssen Gegenmaßnahmen ergriffen werden, sagt der Weltbiodiversitätsrat, bevor es zu spät ist.

Und dann hört man Menschen, die an die Klimaveränderung nicht glauben und denken, ihre dicken Autos seien umweltfreundlich und alles verharmlosen. Man muss sich all diese Fakenews anhören in der großen Politik und im kleinen Alltagsleben, all die dummen Kommentare von Populisten … und ich möchte ins Universum rufen:  

Weisheit, wo bist du?

Move 4 Die Weisheit mahnt

Doch die Weisheit, liebe Gemeinde, weiß ganz offensichtlich um ihr gefährdetes Dasein.

Ingrid liest von oben:

32 So hört nun auf mich, meine Söhne! Wohl denen, die meine Wege einhalten!

33 Hört die Zucht und werdet weise und schlagt sie nicht in den Wind!

34 Wohl dem Menschen, der mir gehorcht, dass er wache an meiner Tür täglich, dass er hüte die Pfosten meiner Tore!

35 Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom Herrn.

36 Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben; alle, die mich hassen, lieben den Tod.

Über die Schönheit und Vielfalt der Schöpfung zu staunen und Gottes Weisheit zu preisen, das ist nur die eine Seite der Medaille. Liebe Gemeinde.

Das andere gehört dazu: der Weisheit zu folgen und u.a. für den Erhalt der Schöpfung einzutreten. So vielfältig die Ursachen des Pflanzen- und Tiersterbens sind, so vielfältig sind auch die Möglichkeiten, für deren Rettung etwas zu unternehmen.

Auf jeden Fall gewinnen die letzten Verse des Bibelabschnitts durch die Bedrohung der Schöpfung eine ungeahnte Aktualität, dort sagt die Weisheit: „Wer mich findet, der findet das Leben und erlangt Wohlgefallen vom Herrn. Wer aber mich verfehlt, zerstört sein Leben; alle, die mich hassen, lieben den Tod.“ (V. 35f)

Move 5: Immer noch Lust an den Menschenkindern

Ich glaube, die Weisheit hat immer noch ihre Lust an uns Menschenkindern, immer dann nämlich, wenn wir denken, bevor wir den Mund aufmachen. Wenn wir uns Gedanken machen über unsere Lebensweise, darüber, was gut ist und was nicht gut ist. Wenn wir nur noch einkaufen, was wir wirklich essen. Wenn wir Insekten eine Chance geben, weil auf dem Rasen auch Blumen wachsen dürfen. Wenn wir zum Einkaufen unsere eigenen Einkaufsbeutel mitnehmen, denn Milliarden alter Plastiktüten und Mikroplastik aus Körperpflegemitteln in den Meeren sind eine Katastrophe.

Und wenn wir nicht auf Stimmungsmacherinnen hereinfallen, wie es sie überall auf der Welt gibt. Und wenn wir Frieden stiften. Nicht nur in den gewählten Regierungen, sondern in den Familien, in der Schule, im Auto, am Arbeitsplatz, ja, in unserer Kirchengemeinde.

Ich bin mir sicher: Die Weisheit findet ihren Weg immer wieder zu den Menschen. Und mit etwas Glück, begegnen wir ihnen. Und sie geben uns eine Weisheit mit auf den Weg, die wir nicht vergessen. Die uns das Leben ein Stück weit erschließen und verstehen lässt. Die Weisheit ist näher dran am Leben als alle anderen, denn sie war von Anbeginn der Schöpfung dabei. Sie versteht das Leben wie keine und kein Zweiter. Mit ihr im Gepäck können wir in den Herausforderungen der Welt, ein sinnvolles Handeln erkennen und es dann auch hoffentlich tun. Wer nach ihr strebt und auf sie hört, der gefällt Gott, der kommt Gott nahe. Der kann dem Bösen widerstehen. Der ist auf dem richtigen Weg.

Ich möchte gern mit einem Gebet schließen, das für mich richtungsweisend geworden ist:

Gott, gib mir die Gelassenheit, Dinge hinzunehmen, die ich nicht ändern kann, den Mut, Dinge zu ändern, die ich ändern kann, und die Weisheit, das eine vom anderen zu unterscheiden. Amen