Predigt Perlen des Glaubens

Familiengottesdienst 30. Juni 2019

Liebe Gemeinde,

ich habe einen Schatz gefunden! Einen Satz den man vielleicht aus der Kindheit oder aus der Jugendzeit kennt. Bei einer Schnitzeljagd oder einer Geburtstagsfeier ist dieser Satz eventuell schon mal gefallen. Vielleicht haben wir in dieser Zeit auch selbst einmal eine Schatzkiste vergraben – ein ganz persönliches Schatzkästchen, in dem die Dinge waren, die uns persönlich sehr wichtig waren, die vielleicht auch kein anderer finden oder entdecken sollte. Ja, möglichst geheimnisvoll sollte es sein. Ein Geheimnis, das wir mit niemandem oder nur mit den besten Freunden oder Freundinnen teilten. Etwas, das einem allein gehörte und das unendlich wertvoll war. Denke ich an einen Schatz, dann denke ich an eine große alte Truhe mit dicken Beschlägen, die randvoll gefüllt ist mit allem, was wertvoll ist: Gold, Edelsteine, Perlen. Ich habe einen Schatz gefunden, sagte ich. Ja, ich habe in dem Perlenband einen Schatz gefunden oder zumindest eine Perle, die mich an einen Schatz erinnert. Unter den Perlen des Glaubens erinnert mich die eine gold/gelb-glänzende Perle an einen wertvollen Schatz in einer alten Truhe. Es ist die größte Perle an diesem Band. Die goldene Perle trägt den Namen „Gottesperle“. Gott ist Anfang und Ende, heißt es. Von ihm kommen wir und zu ihm kehren wir zurück. Und anders als andere Bänder oder Kreise, die keinen Anfang und kein Ende zu haben scheinen, beginnt das Perlenband mit der Gottesperle und endet nicht mit der vorletzten Perle der Stille, sondern eben wieder mit der Gottesperle. Gott ist Anfang und Ende.

Mit ihrem Glanz und ihrer Größe hebt sie sich von den übrigen Perlen ab, sie sticht hervor und erinnert an einen Schatz, an einen goldenen Sonnenstrahl, der uns wärmt oder auch kitzelt, an etwas, das unendlich wertvoll ist. Der Glanz dieser Perle strahlt aus, Gott lässt sein Strahlen auf anderes fallen. Hier in diesem Band spiegelt sich der Glanz der Gottesperle in einer anderen Perle, die ihr ganz nahe ist. Es ist eine kleine perlmuttfarbene Perle, die durch eine Perle der Stille mit der Gottesperle verbunden ist. Ich-Perle ist ihr Name und sie steht für mich, sie steht für dich, für die Person, die das Perlenband hält, für den Menschen, der es betrachtet. Das Perlmutt dieser Perle nimmt den Glanz der Gottesperle auf. Ich als Mensch stehe also in Gottes Glanz, ich bin sozusagen das Glanzstück seiner Schöpfung, bin von ihm gewollt und geschaffen und geliebt. Deshalb trennt mich auch nichts von ihm, nur die Stille steht zwischen uns, nur die Perle der Stille steht zwischen Gott und mir, aber durch diese Stille bin ich mit Gott verbunden. Ich bin das Wertvolle, auf dem der Glanz Gottes liegt, sagt uns diese Reihenfolge und Farbgebung der Perlen. Ich gehöre zu ihm, bin nahe an ihm dran, kann an Gottes Seite sein und darf dort „ich“ sein. Darf so sein wie ich bin, mit meinen Schatten- und mit meinen Licht-Seiten. In meinem Rücken habe ich nämlich Gottes „Ja“ zu mir, oder in Perlen gesprochen: im Rücken der Ich-Perle, neben der Ich-Perle folgt die weiße Tauf-Perle. Sie erinnert mich daran, dass ich bei meinem Namen gerufen bin, dass Gott zu mir „ja“ gesagt hat und ich von ihm gesegnet bin. Gottes Hand liegt ganz leicht in meinem Rücken, ohne Druck auszuüben. Sie schützt, sie stützt, dort wo es nötig wird. Ich spüre sie nur dann, wenn es nötig wird und doch ist sie da, ansonsten unsichtbar und unbemerkt, so wie der goldene Sonnenstrahl, der mich wärmt.

II.

Diese Vier Perlen: Gottesperle- Perle der Stille – Ich-Perle- und Tauf-Perle bilden für mich eine der wichtigsten Reihenfolgen in diesem Perlenband. Wichtig, weil sie Gottes Nähe zu mir zeigen, weil hier meine Verbundenheit zu Gott wichtig wird.  Neben diesen Perlen gibt es für mich aber noch zwei weitere Perlen, die in ihrer Symbolkraft, in dem, wofür sie stehen, für mich unerlässlich und unverzichtbar sind, wenn es um Gott geht. Aber dazu später. Jede Perle hat einen Namen, jeder Perle wohnt ein Thema inne, jede Perle ist mit Fragen an mich verbunden. Die Gottesperle hat Gott als Thema, klar, mit ihrem goldenen Glanz erinnert sie an wertvolle Güter, an Schätze, an das, was mein Leben bereichert. Die Gottesperle steht für die Fragen:

Was ist das Wesentliche, was ist das Wertvollste in meinem Leben? Welche Rolle spielt Gott dabei? Und wie ist Gott für mich? Wie nehme ich ihn wahr? Wie wird er für mich spürbar? Wie sehe ich etwas von seinem Glanz und wie kann ich diesem Glanz standhalten, ohne geblendet die Augen schließen zu müssen?

Ich habe einen Schatz gefunden, ich weiß ich wiederhole mich. Dieser Satz stammt auch aus einem Lied von der Band Silbermond und dieses Zitat hat immer noch was mit den vorangegangenen Fragen zu tun.

„Ich habe einen Schatz gefunden und er trägt deinen Namen, so wunderschön und wertvoll und mit keinem Geld der Welt zu bezahlen. Du bist das Beste, was mir je passiert ist!“

Dieses Lied heißt „das Beste“. Es ist ein Liebeslied und wenn hier von einem Schatz die Rede ist, ist keine alte Truhe mit Goldmünzen gemeint. Im Gegenteil: dieser Schatz ist mit keinem Geld der Welt zu bezahlen. Dieser Schatz trägt einen Namen, d.h. es ist ein Mensch, eine konkrete Person, die so wertvoll ist, dass alles andere unwesentlich dagegen wird. Dieser Schatz ist ein Mensch, der mit Hingabe geliebt wird und für den anderen alles bedeutet oder zumindest das Beste ist, was ihm oder ihr bisher im Leben widerfahren ist. Der Mensch als Schatz und nicht eine Kiste mit Reichtümern. Menschen, die ich liebe, Menschen, die wir lieben sind für uns besonders wertvoll. Liebe macht sie wertvoll, macht uns selbst hingebungsvoll in unserem Verhältnis zu diesem geliebten Menschen und beschert uns Hochgefühle, wie wir sie sonst nicht oder nur selten erleben.

III.

Ich glaube, dass in der Liebe Gott spürbar wird. „Gott ist die Liebe und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott“, heißt es in einem beliebten Bibelvers. Gott liebt die Menschen, jeden und jede einzelne von uns. Mit seiner Liebe macht er auch uns Menschen untereinander die Liebe zum Geschenk. Um das noch besonders deutlich zu machen, hat er uns Jesus Christus zum Geschenk gemacht. Seine Liebe ist so groß, dass er uns seinen Sohn gibt, dass er zum Menschen wird, um bei uns zu sein und uns zu zeigen, wie sehr er uns liebt. Durch ihn, durch Gott sind wir in der Lage zu lieben und das ist für mich das Wertvollste im Leben, das ist der größte Schatz für mich. Es bringt mich anderen Menschen näher, nicht nur den Partner oder der Partnerin, sondern auch anderen Menschen. Ich sehe meinen Nächsten mit anderen Augen an. Ich fühle mich meinen Mitmenschen verbunden, weil ich darum weiß, dass auch sie von Gott geliebt sind, dass sie seine Schätze sind. Vorhin sprach ich davon, dass mir bei den Perlen des Glaubens noch zwei weitere Perlen wichtig sind. Es sind die beiden roten Perlen. Die Perlen der Liebe. Denn es ist nicht nur die Liebe zwischen zwei Menschen, sondern auch die Liebe zwischen mir und Gott.

Ich habe einen Schatz gefunden, ich habe das Wertvollste in meinem Leben entdeckt: Gottes „Ja“ zu mir! Seine Liebe zu mir, die mich selbst zu einem Schatz, zu etwas Wertvollem macht. Seine Liebe, die mich weiterlieben und weiterleben lässt. Ich bin selbst zu einem Schatz geworden, durch Gottes Liebe, aber nicht im Geheimen und auch nicht im Verborgen. Ich brauche mich damit nicht zu verstecken, denn in der Taufe hat sich Gott zu mir bekannt und ich darf immer wieder spüren, was es heißt, sein geliebtes Kind zu sein.

Ich bin ein Schatz – du bist ein Schatz. Wir sind Gottes Schatz.