2019-10-27 - 19. So. nach Trinitatis - Konfirmation - Pfarrerin Nicole Otte-Kempf

Predigt Konfirmation 2019 Heil und Heilung werden im Leben wirksam - Joh 5, 1-16


Die Gnade unseres Herrn Jesus Christus, die Liebe Gottes und die Gemeinschaft des Heiligen. Geistes sei mit uns allen!

Move 1 so viele gute, hoffnungsvolle, heilversprechende Bilder

Liebe Svea, Isabella, Freya, Hanna, Anja, lieber Martinez, Hanno, Theo, Rainer, Jadon und Johann,

Fast 2 Jahre - Vorkonfis und Konfi-Unterricht liegen hinter euch. Vieles, was ihr miteinander erlebt habt. Zuerst mit Kathrin Grüneberg, dann in diesem Jahr mit Angelina und mir.

Und heute ist der Höhepunkt, definitiv ein Schlusspunkt nach der Konfirmandenzeit, aber eigentlich doch eher und hoffentlich ein Doppelpunkt. Heute bekräftigt ihr selbst, dass ihr den Weg mit Jesus weitergehen möchtet. Ich spreche euch Gottes Segen zu für euren Lebensweg und viele gute, hoffnungsvolle, heilversprechende Wünsche und Bibelverse bekommt ihr im Laufe des Tages.  

Heute ist also sowohl ein Tag, zurück zu blicken, aber auch nach vorne zu schauen. In der alttestamentlichen Lesung aus dem Buch des Propheten Jeremia haben wir gehört: Gott, der Herr hat Gedanken des Friedens für uns Menschen. Wenn wir ihn um etwas bitten, wird er uns hören. Wenn wir ihn suchen, wird er sich von uns finden lassen.

Move 2 Licht und Heil auf dem Weg

Ihr habt euch je einen Bibelvers ausgesucht, der euch in Zukunft nah sein soll. Ihr habt uns letzten Sonntag im Gottesdienst Eure Gedanken dazu mitgeteilt. Und das war sehr eindrücklich, ich hoffe, auch für euch. Aufgefallen sind mir die vielen tröstlichen Bibelverse, für die sich viele von euch entschieden haben.

Da geht es darum, keine Angst zu haben und auch, wenn man in Not gerät, sich dessen gewiss zu sein, dass Gott einen behütet und einen niemals im Stich lässt, dass er Engel schickt und Frieden schenkt. Es geht darum, sich nicht mehr als nötig um den morgigen Tag zu sorgen, jeden Tag zu genießen und alle Sorgen auf Gott zu werfen und immer wieder der Satz, der mitschwingt: Fürchte dich nicht!

Und drei von euch entschieden sich für Psalm 27,1. Da heißt es:

Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?

Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen?

Ich möchte diesen Vers näher anschauen.

Licht, denke ich, ist einfach. Symbolisch für das Licht des Lebens steht die Osterkerze, Jesus Christus, das Licht der Welt und an dieser Osterkerze haben wir Eure Kerzen auf dem Taufstein angezündet. Eure Konfirmationskerzen.

Hell soll es sein auf eurem Lebensweg und wenn es einmal dunkel wird, und diese Zeiten kommen im Leben immer mal wieder, dann sollt ihr tief in euch drin wissen, dass Jesus euch im Leben begleitet und zur Seite steht. Komme, was da wolle. Er möchte euer Wegweiser sein in guten wie in schlechten Zeiten.

Licht soll es sein und Heil. Und wo Heil ist, das meint doch: etwas ist gesund und ganz.

Und so soll euer Leben sein: ganz und gesund und glücklich und erfüllt.

In der Bibel wird Heil mit der liebenden und rettenden Zuwendung Gottes gesehen.

Erfahrungen von Heil haben die Menschen im Alten Testament gemacht. Ich denke daran, dass Gott die Israeliten aus der Sklaverein in Ägypten geführt hat… zu einem Leben in Freiheit. Ich denke an ihren Sieg am Schilfmeer, daran, dass Gott ihnen Land zugesichert und immer wieder Menschen auf ihrem Weg seinen Segen gegeben hat. Als Israel im Exil leben muss, verspricht ihnen Gott eine heilvolle Zukunft.

Im Neuen Testament ist das Heil mit der Person Jesu verbunden, der sich den Menschen zuwendet, Anteil an der Welt hat und Unheil, ja, den Tod überwunden hat, um uns unverbrüchliche Gemeinschaft mit Gott zu schenken.

Jesu Heilswille gilt allen Menschen

Move 3 und doch geschieht es individuell

Und wer Jesus begegnet, für den ändert sich das Leben. Körper und Seele werden gesund. Davon erzählt auch der Evangelist Johannes im 5. Kapitel. Wir haben die Lesung gehört.

Heil und Heilung gehören zusammen.

Wir hören von einem, der inmitten von unzähligen Blinden, Lahmen und Ausgezehrten in einer der 5 Hallen am Teich Betesda liegt. 38 Jahre lang. Unvorstellbar lange – schwer krank. Man mag sich das Schicksal, das dahinter steht, gar nicht vorstellen. Hilflos, ohnmächtig, tagein tagaus, jahrelang warten oder nicht mehr warten? Auf Hilfe, immer dicht dran an der hervorsprudelnden Quelle und doch nicht drin, wenn`s drauf ankommt. Eine Chance nach der anderen verstreicht und niemand ist da, der hilft. Jeder ist sich selbst der nächste. Keiner der sagt: komm, du wartest schon so lange, ich helf dir, ins Wasser zu kommen.

Ganz ehrlich: Hofft man da, nach sooo langer Zeit wirklich noch auf eine Wendung?

Es ist Jesu Stunde.

Und, liebe Gemeinde, das kann der Evangelist Johannes gut. Er fragt uns: Ihr sucht das Wasser, das den Durst stillt? Ihr sucht das Brot, das Licht, den Weinstock, auf dem wächst, was Freude bringt? Ihr sucht die Auferstehung? Ihr sucht Heilung?

Die … findet ihr bei Jesus Christus. Und nur bei ihm.

Denn in ihm wirkt Gott selbst, indem er heilt und befreit.

Jesus kommt und sieht den Kranken liegen, lässt sich sein Schicksal erzählen, durchbricht die gewohnte Achtlosigkeit, die hier an der Tagesordnung steht. Wie leider so oft im Leben.

Und er fragt den Gelähmten: willst du gesund werden? Was für eine Frage… Jesus nimmt den Kranken ernst, er gibt ihm seine Würde und Autonomie zurück. Der Kranke darf selbst entscheiden, was mit ihm passieren soll.

Und Jesus sagt: Steh auf, nimm dein Bett und geh hin! Und sogleich wurde der Mensch gesund und nahm sein Bett und ging hin.

Liebe Gemeinde, Gott ist hier am Werk. In Jesu autoritärem Wort wird der Kranke heil. Jesus übernimmt die Herrschaft im Leben des Kranken. Jesus bricht in die chaosbedrohte und dem Verderben ausgelieferte Welt des Leidens ein und zerstört die destruktiven Kräfte, die hier am Werk sind. Und da spielt es keine Rolle, dann ist es egal, ob es Montag, Dienstag, Mittwoch oder eben Sabbat ist.

Wenn Jesus heilt, dann sind sie stets Zeichen für das noch für uns alle ausstehende Heil. Eschatologisch verstanden: wir sollen für immer und ewig gesund werden. In seinem Reich.

Move 4 Orte von Heilserfahrung mitten im Leben

Ganz und gar.

Spuren davon entdecken wir im Hier und jetzt. Manchmal spüren wir sehr wohl schon in unserem Leben, was Heil in Jesu Namen bedeutet.

Taufe und Abendmahl sind solche primären Orte der Heilserfahrung. Hierzu darf man kommen, wer man auch ist. Erwachsen, Kind, arm, reich, gesund und krank. Wie man auch ist. Jesus erwartet dich und mich mit offenen Armen, will all meine Schuld von mir nehmen, mich von der Macht der Sünde befreien, sodass ich atmen kann und spüre: der Hl. Geist ist mitten unter uns.

Wo ein Streit geschlichtet werden kann, man wieder gesund geworden ist, sich jemand endlich wieder gemeldet hat und gerade im richtigen Augenblick da war, da erlebt man Gottes Heil.

Ich spüre, wie mich mein Gebet oder das anderer Menschen durch eine schwierige Situation trägt, wo mich Freunde zum Wasser getragen haben oder mich jemand sieht und mir zuhört.

Ich kann auch genau sagen, wo es sich so angefühlt hat, als ob ein Engel da gewesen wäre, der mich vor Schlimmerem bewahrt hat.

Und dann kann ich mit frohem Mut sagen:

Der Herr ist mein Licht und mein Heil, vor wem sollte ich mich fürchten?

Der Herr ist meines Lebens Kraft, vor wem sollte mir grauen?

(Psalm 27, 1)

Move 5 Verpflichtet von Jesus

Und das liebe Konfis, liebe Gemeinde zu spüren, setzt das Vorzeichen dafür, wie ich anderen Menschen begegne.  

Ich bin ein bedürftiger Mensch, ich bin nicht so perfekt, wie ich manchmal zu glauben meine. Ich brauche jemanden, der mir als ein Freund zur Seite steht, ich brauche diese bedingungslose Liebe Gottes, die mir Kraft gibt im Leben. Ich brauche sein Licht und sein Heil. Ich brauche jemanden, der mir meine Sünden vergibt, damit ich immer wieder neu anfangen kann. Ich brauche auch andere Menschen, die es gut mit mir meinen. Immer wieder.

Und das liebe Konfis bedeutet Konfirmation. Ich habe es euch am Dienstag schon erzählt. Und heute noch einmal: Jesus sucht sich Menschen, die alles andere als perfekt sind. Die Bibel ist voll davon. Mal stark, mal schwach im Glauben. Die sucht sich Jesus. Und die nimmt er in seinen Dienst. Und gibt ihnen einen Auftrag, Verantwortung. Seine Kirche zu bauen.

Ihr bestätigt heute, dass ihr Jesus folgen möchtet, euer Bestes gebt, euch vergeben lasst, dass ihr an ihm dran bleiben wollt.

Und dann bestätigt ihr es immer wieder im Alltag. In der Schule, zu Hause, auf der Straße. Nämlich in dem, wie ihr anderen Menschen begegnet und euren Lebensweg gestaltet.

Dass ihr dafür das Licht Jesu spürt und sein Heil,

dass euch Lebenskraft  zu Teil wird und ihr euch im Leben nicht fürchten müsst, das wünsche ich euch… immer wieder… der Herr möchte für euch das Beste.


Amen


 


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