2020-01-05 - 2. Sonntag nach Weihnachten - Pfarrerin Nicole Otte-Kempf

(Predigt zu Jesaja 61,1-3.10-11)


Move 1 Ein Loblied zur Ehre Gottes

2020 Der 5. Tag und ich glaube, es ist noch nicht zu spät: ich möchte dieses neue Jahr mit einem Loblied beginnen.


10 Ich freue mich im Herrn, und meine Seele ist fröhlich in meinem Gott; denn er hat mir die Kleider des Heils angezogen und mich mit dem Mantel der Gerechtigkeit gekleidet, wie einen Bräutigam mit priesterlichem Kopfschmuck geziert und wie eine Braut, die in ihrem Geschmeide prangt.

11 Denn gleichwie Gewächs aus der Erde wächst und Same im Garten aufgeht, so lässt Gott der Herr Gerechtigkeit aufgehen und Ruhm vor allen Völkern.


Liebe Gemeinde, es sind einst Worte aus dem Mund des Propheten Jesaja, Kapitel 61. Jesaja so glücklich, weil er eine frohe Botschaft zu verkünden hat. Und er nimmt uns damit an die Hand, gedanklich raus in die Natur.

Viele von uns haben die Ferientage genutzt, waren im Krügerpark oder an anderen Orten in der freien Natur, haben Tiere beobachtet und das Gewächs der Erde. Von daher sind uns diese Bilder wohl vertraut. Bei uns im Garten wächst und gedeiht gerade allerhand Gemüse und einiges davon ist aus z.T. kleinsten Samen entstanden. Das ist ein langsamer Prozess. Geht nicht von heute auf morgen. Aber das ist gerade auch das Spannende daran. Die Vorfreude. Man kann zusehen. Und sich am Wachstum freuen, mithelfen, dass es wächst, Wasser geben, Unkraut entfernen, den Boden lockern, Ungeziefer abhalten, ansonsten geduldig sein.

Ich freue mich im Herrn, meine Seele ist fröhlich in meinem Gott. Singt Jesaja. Und das hat seinen Grund darin, dass er fühlt, Gott habe ihm die Kleider des Heils und den Mantel der Gerechtigkeit angezogen. Endlich nach den Phasen, als er Unheil verkünden musste dem Volk, die scheinen vorbei zu sein.

Auch an anderen Stellen in der Bibel erfahren wir, wie neue Kleider den Status eines Menschen kennzeichnen: der Verlorene Sohn z.B. bekommt von seinem Vater ein Freudengewand, Zeichen eines freien Mannes und mit der Taufe, schreibt Paulus, habe ich Christus förmlich „angezogen“. Ein Zeichen dafür: Gott ist für mich. Ich bin eingehüllt in die Kleider des Heils und in den Mantel der Gerechtigkeit. Das mir bewusst zu machen, das ist ein Grund zur Freude für mich. Ich bin Gott wichtig. Geliebt. So freue ich mich, das neue Jahr zu beginnen. Neu eingekleidet. Ich frage mich, wie sichtbar das für die Menschen um mich herum ist? Dass ich die Kleider des Heils trage? Was könnten wir nicht alles bewirken, wenn wir nach außen auch so wirken würden…geheilt und gerecht…jederzeit und überall?

Move 2 Gott ist treu

Gott ist treu, er hält, was er verspricht. Das haben wir im Geschehen an Weihnachten erfahren.  

„Und wir sahen seine Herrlichkeit, eine Herrlichkeit als des eingeborenen Sohnes vom Vater, voller Gnade und Wahrheit.“

Heute am 2. Sonntag nach Weihnachten sind wir eigentlich noch mittendrin in der Weihnachtszeit, auch wenn die Christbäume vielleicht aus den Zimmern verschwinden und der Weihnachtsschmuck in die Kisten wandert. Wir leben immer noch davon, dass sich Gott uns in dem Kind in der Krippe zugewendet hat. Das haben wir gefeiert. Und heute fragen wir, wie Weihnachten in unserem Leben weitergeht. Wie strahlen diese Tage weiter in unser Leben und durch uns in die Welt?

Gott ist treu. Er hält, was er verspricht. Einst hatte er durch seinen Propheten - Jesaja eine Heilsbotschaft für sein Volk. Es sind Trostworte aus einer anderen Zeit, einer anderen Welt. Vor zweieinhalb Tausend Jahren zu Menschen, deren Welt in Trümmern lag. Und inmitten dessen verkündigt Jesaja Heil.


1 Der Geist Gottes des Herrn ist auf mir, weil der Herr mich gesalbt hat. Er hat mich gesandt, den Elenden gute Botschaft zu bringen, die zerbrochenen Herzen zu verbinden, zu verkündigen den Gefangenen die Freiheit, den Gebundenen, dass sie frei und ledig sein sollen;

2 zu verkündigen ein gnädiges Jahr des Herrn und einen Tag der Rache unsres Gottes, zu trösten alle Trauernden,

3 zu schaffen den Trauernden zu Zion, dass ihnen Schmuck statt Asche, Freudenöl statt Trauer, schöne Kleider statt eines betrübten Geistes gegeben werden, dass sie genannt werden »Bäume der Gerechtigkeit«, »Pflanzung des Herrn«, ihm zum Preise.


Gott ist treu, er hält was er verspricht. Jesus liest diese Sätze des Propheten Jesaja in der Synagoge von Nazareth viele Jahre später. Wir haben sie im Evangelium gehört. Das Christkind ist erwachsen geworden. Jesus ist der Christus, der Gesalbte, das ist sein Anspruch. Er sagt diese Botschaft weiter, er lebt sie weiter. „Heute ist sie erfüllt vor euren Ohren.“

Die Botschaft, die Jesaja dem Volk angekündigt hatte. Und nicht nur das: Indem er das Heil ankündigte, brach die Zeit schon an. Seine besondere Botschaft galt denen, die keine Hoffnung mehr haben, den Armen und Elenden. Sie galt den Entrechteten und Unterdrückten. Über ihnen rief er das Jahr der Gnade aus, das Jahr, in dem ihnen Schuldenerlass gewährt werden sollte: und zwar nicht nur alle Jubeljahre, also alle 50 Jahre, sondern hier und heute.

Die Botschaft des Propheten galt den Gefangenen. Sie sollten frei sein. Das Volk, das aus der babylonischen Gefangenschaft befreit wurde, war in der Gefahr, durch neue Schuldknechtschaft in Unfreiheit zu geraten. Der Prophet machte deutlich: Nicht als Sklaven sollt ihr leben, sondern nach Gottes Willen als seine freien Kinder.

Und schließlich galt seine Botschaft den Trauernden. Sie sollten getröstet werden durch Gottes Zusage, die verletzte Ehre Jerusalems wieder herzustellen. Gott hält an seinem Bund fest: Jerusalem, das zerstört am Boden liegt, soll wieder aufleben, soll wieder aufblühen, soll ein Segen werden für alle Welt.

Move 3 das Gnadenjahr 2020

So spracht Jesaja und was er prophezeite, erfüllte sich durch das Leben und Wirken Jesu Christi. Jesaja selbst wird als Vorläufer Jesus bezeichnet. Und der sagt, dass das Gnadenjahr des Herrn kommt.

Feiern wir eigentlich nicht in jedem Jahr an Weihnachten das Kommen dieses besonderen Jahres? Dann ist doch jedes Jahr, in dem wir mit Jesus unterwegs sind, ein Gnadenjahr des Herrn. Auch dieses Jahr 2020, in dem wir uns nach dem Willen der Jahreslosung mit unserem Glauben auseinandersetzen sollen: „Ich glaube; hilf meinem Unglauben!“ (Mk. 9,24). Dann können wir, die christliche Gemeinde, in der Nachfolge des Rabbis aus Nazareth an unserem Platz dazu beitragen, dass es das wird: 2020, ein Gnadenjahr des Herrn. Ja, Gott kleidet uns in Kleider des Heils und in den Mantel der Gerechtigkeit. Das ist auch eine Verantwortung, die wir dadurch zugesprochen bekommen.

Move 4 Unsere Verantwortung

Drei Überlegungen hierzu:

1.) Können wir aus Glauben heraus helfen, dass Elenden die gute Botschaft gebracht wird? Dass für sie 2020 ein Gnadenjahr wird?

Es gibt Menschen, die noch nie etwas von Jesus gehört haben oder die an der guten Botschaft zweifeln. Weil sie im Elend sind, weil Dinge im Leben schief gelaufen sind. Vielleicht kennen sie Jesus nicht, der gerade auf der Seite der Schwachen steht und sie aus ihrer Not herausrufen kann. „Christ, der Retter ist da“, haben wir in den vergangenen Wochen wieder gehört. Wir haben es gesungen. Und wir glauben es. Nun haben wir doch die Aufgabe, es den Menschen, die das noch nicht wissen, zu sagen: Es gibt jemand, der euch aus eurem Elend herausführen will: Jesus. Nehmt die Botschaft von Weihnachten an. Lasst Jesus in euer Leben rein. Wir können anderen am besten von unserem eigenen Glauben erzählen. Ich bin mir sicher, es kann für viel mehr Menschen dadurch 2020 ein Gnadenjahr des Herrn werden.

2.) Können wir aus Glauben heraus dabei helfen, dass zerbrochene Herzen verbunden werden? Dass für sie 2020 ein Gnadenjahr wird?

Wir alle können uns um zerbrochene Herzen kümmern: einfach zuhören, wenn uns jemand sein Herz ausschüttet. Das kann bei einem Besuch sein, aber auch zwischen Tür und Angel. Zuhören, begleiten. Beten. Menschen mit zerbrochenen Herzen leben mitten unter uns. In unserer Familie. In unserer Gemeinde. Wir können mit dazu beitragen, dass für viel mehr Menschen das Jahr 2020 ein Gnadenjahr des Herrn wird.

3.) Können wir aus Glauben heraus dabei helfen, dass Gebundene frei und ledig sein sollen? Dass für sie das Jahr 2020 ein Gnadenjahr wird?

Es gibt so viele Gebundene, Menschen, die in Unfreiheit leben. Durch eine Krankheit, zu viel Arbeit, eine Abhängigkeit, eine krank machende Beziehung., Drogen. Gebundenheiten, aus denen niemand schnell herauskommt. Missionarisch und diakonisch ist es unsere Aufgabe  zu zeigen, wie man anders leben kann. Dann kann für viel mehr Menschen das Jahr 2020 ein Gnadenjahr des Herrn werden.

Es gibt viele Möglichkeiten, wie wir dazu beitragen können, dass das Jahr 2020 ein „Gnadenjahr des Herrn“ wird. Wir dürfen darauf vertrauen, dass auch in diesem Jahr „der Geist Gottes des Herrn“ auf uns ist. Er sendet uns in die Welt. Und er gibt uns auch Kraft.

Was mit dem Prophet des Alten Testaments begonnen hat, fand in Jesus Christus seine Erfüllung. Wir sind beauftragt, in seinem Dienst weiter zu wirken.

…gleichwie Gewächs aus der Erde wächst und Same im Garten aufgeht, so lässt Gott der Herr Gerechtigkeit aufgehen und Ruhm vor allen Völkern.

Die Gerechtigkeit ist wie eine zarte Pflanze. Die muss man pflegen und hüten. Aber irgendwann geht sie auf. Irgendwann lässt Gott sie aufgehen. Und alle Völker werden es sehen. Und es wird schön sein.

Ich freue mich im Herrn, meine Seele ist fröhlich in meinem Gott.


Amen


 


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