2021-11-21 - Ewigkeitssonntag - Bischof Horst Müller

Predigt Jesaja 65, 17-25 ) [ Afrikaanse Vertaling ] [ Abkündigungen487.66 KB ]


Getröstet, damit wir leben können

2021 11 21 predigt


So spricht der Herr: 17 Siehe, ich will einen neuen Himmel und eine neue Erde schaffen, daß man der vorigen nicht mehr gedenken und sie nicht mehr zu Herzen nehmen wird.

18 Freuet euch und seid fröhlich immerdar über das, was ich schaffe. Denn siehe, ich will Jerusalem zur Wonne machen und sein Volk zur Freude,

19 und ich will fröhlich sein über Jerusalem und mich freuen über mein Volk. Man soll in ihm nicht mehr hören die Stimme des Weinens noch die Stimme des Klagens.

20 Es sollen keine Kinder mehr da sein, die nur einige Tage leben, oder Alte, die ihre Jahre nicht erfüllen, sondern als Knabe gilt, wer hundert Jahre alt stirbt, und wer die hundert Jahre nicht erreicht, gilt als verflucht.

21 Sie werden Häuser bauen und bewohnen, sie werden Weinberge pflanzen und ihre Früchte essen.

22 Sie sollen nicht bauen, was ein anderer bewohne, und nicht pflanzen, was ein anderer esse. Denn die Tage meines Volks werden sein wie die Tage eines Baumes, und ihrer Hände Werk werden meine Auserwählten genießen.

23 Sie sollen nicht umsonst arbeiten und keine Kinder für einen frühen Tod zeugen; denn sie sind das Geschlecht der Gesegneten des HERRN, und ihre Nachkommen sind bei ihnen.

24 Und es soll geschehen: ehe sie rufen, will ich antworten; wenn sie noch reden, will ich hören.

25 Wolf und Schaf sollen beieinander weiden; der Löwe wird Stroh fressen wie das Rind, aber die Schlange muß Erde fressen. Sie werden weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.


Liebe Gemeinde!

Das Kind weint. Warum, weiß ich nicht. Hat es sich verletzt? Hat ein anderes Kind ihm etwas zu Leide getan? Oder hat Papa gerade geschimpft? Auf jeden Fall sucht es Trost bei Papa - das sieht man an den Armen um Papa´s Hals. Wie tröstet Papa nun? Manchmal nur durch die Nähe - das genügt. Manchmal durch Zureden: Ich bin da!

Manchmal durch die Frage: Wo tut es weh?

Manchmal mit der Frage: Was ist denn passiert?

Bei Papa, Mama Trost finden - das ist ein schönes Geschenk. Wir wissen aber auch, dass Mama und Papa manchmal vertrösten, statt zu trösten: Hör auf zu Weinen, dann bekommst du eine Schokolade, dann spiel ich mit dir - oder ähnlich.

Im Ersten Augenblick sieht dieser Text aus Jesaja 65 sehr wie eine Vertröstung aus. So, wie es dort geschildert wird, ist es noch nie eingetroffen. Kinder sterben, kaum ein Mensch wird 100 Jahre alt, Häuser werden enteignet, Weltweit sind Menschen auf der Flucht, müssen Heim und Ackerländer zurücklassen und andere wohnen darin.

Bei Raubüberfällen erleben auch manche von uns, wie das genommen wird, wofür wir gearbeitet haben, wo mein Haus nicht mehr mein Heim ist, und ich mich in den eigenen vier Wänden unsicher fühle. Heute, am Ewigkeitssonntag, gedenken wir der Verstorbenen. Bei manchen sind wir dankbar für ein erfülltes Leben, und man hat das Gefühl: Es ist gut so! Bei anderen war es zu früh, zu schwer, zu plötzlich, oder auch zu quälend, und man denkt: Das war nicht gut! Herr, es hätte anders sein müssen!

Wie soll ich nun im Angesicht dieser Tatsachen aus diesem Text Trost finden, wenn es sich eher wie eine Vertröstung anhört?

Gott “schimpft” mit dem Volk

Da ist es wichtig, auch “drum herum” zu lesen - was davor und danach kommt. Israel ist aus dem Exil zurückgekommen in ein Land das zerstört ist, von Fremden bewohnt wird. Immer wieder ziehen fremde Mächte vorbei, bedienen sich der Ernte, des Viehs. Das Volk weint. Aber auch Gott weint. Wir lesen in den Versen 3-7, wie wütend Gott auf das Volk ist, das einfach nicht hören will. Was Gott heilig ist, wird mit Füßen getreten. Die Wohlhabenden nutzen die Armen aus, die Führenden missbrauchen ihre Autorität. Gott will aufgeben.

Gott gibt die Welt nicht auf

Kann es sein, dass das Kind in diesem Bild geschimpft wurde? Dass die Eltern wütend waren, weil es einfach nicht hören wollte? Wurde es ins Zimmer geschickt? Hat es keinen Nachtisch bekommen? Wir können das Gesicht des Vaters nicht sehen - aber es kann durchaus so gewesen sein. Doch nun hat Papa das ungehorsame Kind auf den Arm genommen, und erklärt ihm, warum er schimpfen musste, damit das Kind daraus lernt. Gott entscheidet er sich für einen Neuanfang. Wir lesen in Vers 8: “So spricht der HERR: Wie wenn man noch Saft in der Traube findet und spricht: Verdirb es nicht, denn es ist ein Segen darin!, so will ich um meiner Knechte willen tun, dass ich nicht alles verderbe.” Gott will - wie der Vater in diesem Bild - sein ungehorsames Volk in die Arme nehmen, es trösten damit sie neu anfangen. Dieses Neue kann nicht “aus dem Himmel fallen”, sondern soll durch die Menschen geschehen, die sich von ihm haben rufen und trösten lassen!

Gott will nicht vertrösten - und er will auch nicht immer nur trösten. Er möchte, dass wir einen besseren Weg nach vorne finden.

Gott möchte neu anfangen

In Jesus Christus setzt er einen Neuanfang. Jesus lädt ein: Komm mit deinem Versagen zu mir. Vertrau dich mir an, nenne dein Schuld, dein Versagen, deine Schmerzen mit Namen. Ich will dir vergeben, ich will dich fest in die Arme schließen. Ich möchte dich nicht verdammen. Du sollst hören: Du bist mein! Und dann will ich dir helfen, anders, besser zu sein. Ich flüstere dir ins Ohr, woran du arbeiten sollst.

Besonders die Bergpredigt (Mt 5-7) gibt uns Hinweise, wie ein Leben in der Nachfolge Jesu sich gestalten kann und soll. Dort, wo Christen diese Nachfolge ernst nehmen, sie in ihrem Leben umsetzen, wird die Welt erträglicher. Das Bild Jesu, dass wir Salz und Licht sind, macht es deutlich: Salz bringt nicht nur Geschmack, es verhindert auch das Verfaulen. Licht durchbricht die Dunkelheit, macht Leben nötig! All zu oft machen wir Christen mit der Nachfolge Jesu “load shedding” - wir schalten sie ab, und um uns ist es dann dunkel! Wir wollen, dass es besser wird, ohne dass wir uns bessern.

Wünschen wir uns eine bessere Welt? Ein heiles Südafrika? Ja, ich zumindest wünsche es mir. Wie oft flehe ich zu Gott, werfe mich ihm um den Hals: Herr, erbarme dich! Herr, mache alles neu! Heute höre ich ihn sagen: Ich möchte es ja! Aber ich brauche dazu Menschen, die bereit sind, mit zu machen!

Vers 17 hat die interessante Formulierung: “Sie werden weder Bosheit noch Schaden tun auf meinem ganzen heiligen Berge, spricht der HERR.” Es ist nicht ganz klar ob er damit die Menschen meint, oder Löwe und Schlange. Aber auf jedem Fall spricht er von einem Raum in seiner Nähe, wo es gut ist!

Diesen Raum - die Nähe Gottes, Jesus Christus - dürfen wir immer wieder aufsuchen. Wir dürfen uns bei ihm ausweinen, und von ihm sagen lassen: Du bist mein! Wir sollen ihm zuhören, wenn er uns zuredet, und sagt, wie wir es besser machen können. Dann können wir aus dieser Nähe heraus den Alltag gestalten, und erleben, wie Gott durch uns und alle seine Kinder etwas neues anfängt. Nicht erst im Himmel, sondern hier und jetzt!
Christus gibt die Welt nicht auf. Wir sollen es auch nicht. Sind wir bereit, mit ihm zu arbeiten?


Amen
Horst Müller, Bischof NELCSA, Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!


 


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