2021-05-30 - Trinitatis - Bischof Horst Müller

( Predigt Johannes 3:1-8 (9-16) ) [ Afrikaanse Übersetzung ] [ Abkündigungen546.3 KB ]


1 Es war aber ein Mensch unter den Pharisäern mit Namen Nikodemus, ein Oberster der Juden.

2 Der kam zu Jesus bei Nacht und sprach zu ihm: Rabbi, wir wissen, dass du ein Lehrer bist, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, es sei denn Gott mit ihm.

3 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht von Neuem geboren wird, so kann er das Reich Gottes nicht sehen.

4 Nikodemus spricht zu ihm: Wie kann ein Mensch geboren werden, wenn er alt ist? Kann er denn wieder in seiner Mutter Leib gehen und geboren werden?

5 Jesus antwortete: Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wenn jemand nicht geboren wird aus Wasser und Geist, so kann er nicht in das Reich Gottes kommen.

6 Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; und was aus dem Geist geboren ist, das ist Geist.

7 Wundere dich nicht, dass ich dir gesagt habe: Ihr müsst von Neuem geboren werden.

8 Der Wind bläst, wo er will, und du hörst sein Sausen wohl; aber du weißt nicht, woher er kommt und wohin er fährt. So ist ein jeder, der aus dem Geist geboren ist.

9 Nikodemus antwortete und sprach zu ihm: Wie mag das zugehen?

10 Jesus antwortete und sprach zu ihm: Du bist Israels Lehrer und weißt das nicht?

11 Wahrlich, wahrlich, ich sage dir: Wir reden, was wir wissen, und bezeugen, was wir gesehen haben, und ihr nehmt unser Zeugnis nicht an. Glaubt ihr nicht, wenn ich euch von irdischen Dingen sage, wie werdet ihr glauben, wenn ich euch von himmlischen Dingen sage?

13 Und niemand ist gen Himmel aufgefahren außer dem, der vom Himmel herabgekommen ist, nämlich der Menschensohn.

14 Und wie Mose in der Wüste die Schlange erhöht hat, so muss der Menschensohn erhöht werden,

15 auf dass alle, die an ihn glauben, das ewige Leben haben.

16 Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben.


Liebe Gemeinde,

Unser Tutor, Prof Hans-RudolfMüller-Schwefe erzählte mit Freude die Anekdote von den Forschern, die eine These über den Afrikanischen Elefanten schreiben sollten. Der Franzose legte ein kleines Heftchen vor mit dem Titel: Das Liebesleben der Elefanten. Der Engländer hatte ein dickeres Buch geschrieben: Der Elefant im Dienst der Monarchie. Der Deutsche brachte eine Buchreihe mit 10 Bänden. Titel: Eine Kurzgefasste Einführung in die Studie des Afrikanischen Elefanten.

Daran musste ich beim Lesen dieses Textes denken.

Jesus macht darin eine Liebeserklärung Gottes an den Menschen.

Die Kirchenväter entwickelten daraus die Trinitätslehre.

Eine unzählbare Schar von Theologen schrieben darüber ganze Bibliotheken voll, Kirchen spalteten sich und Häretiker wurden hingerichtet. Unglaublich!

Wie kommt das? Es steckt imMenschen, und besonders imTheologen, wissen zu wollen. Das ist gut. Wir wollen erklären - das ist auch gut. Wir meinen, richtig und ausreichend zu verstehen und zu erklären - das ist meist nicht mehr gut!

Jesus geht ganz anders mit schwierigen Themen um. Er erzählt Gleichnisse, lebt, was er verkündigt. In Johannes 3 stoßen der Theologe Nikodemus und Jesus zusammen. Jesus weiß, dass es dem Theologen umdie wichtigste Frage geht: Wie komme ich in den Himmel, in das Reich Gottes.

Die Antwort Jesu ist kurz und knackig: Du musst von neuem, von oben geboren werden.

Der Theologe: Wie soll das geschehen?

Jesus: Aus Wasser und Geist. Es geschieht durch Gottes Wirken.

Theologe: Wie mag das zugehen?

Jesus: Weißt du, Theologe, es nicht? Du kannst es nicht wissen, weil hier Gott am wirken ist. Darum sage ich es dir, aber du kannst es nicht mit deiner Theologie verstehen oder erklären. Du musst mir schon glauben- denn ich komme von Gott und weiß, wovon ich rede!

Und dann fasst Jesus es in einem Satz zusammen.

Wie komme ich in den Himmel? Gott bereitet den Weg. Er gibt mich, seinen Sohn, und wer an mich glaubt, wer sich mir anvertraut, der hat das ewige Leben!

(V15,16)

In der Sprache der Mathematik könnte man sagen:

Neue Geburt = Ewiges Leben

An Jesus Glauben = Ewiges Leben

Darum: An Jesus Glauben = Neue Geburt = Ewiges Leben = durch Gott gewirkt.

Es wird uns nicht berichtet, wie Nikodemus darauf reagiert hat. Aber man vermutet, dass er Nachfolger Jesu, Christ, wurde. Erklären konnte er es immer noch nicht, aber erleben durfte er es!

Wie schon gesagt, hat die Kirche sich nicht damit zufrieden gegeben. Die Kirchenväter rätselten weiter und entwickelten die Trinitätslehre- wie genau Vater, Sohn und Heiliger Geist zusammenwirken und zusammenhängen. Jesus hat nie versucht, das zu erklären, aber wir wollen es wissen. Als das Athanasische Glaubensbekenntnis geschrieben wurde (etwa im 7. Jahrhundert) “wussten” die Theologen es so genau, dass sie darin schreiben konnten: “Wer also selig werden will, soll diese Auffassung von der Dreifaltigkeit haben.” Und: “Jeder, der diesen (katholischen = allgemein anerkannten Glauben) nicht unversehrt und unverletzt bewahrt, wird ohne Zweifel auf ewig verloren gehen.”

(https://de.wikipedia.org/wiki/Athanasisches_Glaubensbekenntnis#Volltext)

Im Laufe der Kirchengeschichte führte dieses: “Wir wissen” dazu, dass unzählige Menschen als Ketzer hingerichtet wurden, und die Kirche in Hunderte, ja, Tausende Denominationen zerbrach, die sich teilweise blutig bekämpften.

Hätte Jesus das nicht verhindern können, wenn er es Nikodemus besser und ausführlicher erklärt hätte? Eigentlich hat er genau das getan, als er sagte: dieses sind nicht Irdische Dinge. Schon das Irdische (Feindesliebe, Vergebung, Busse tun etc) habt ihr mir nicht abgenommen, obwohl ihr selber darauf kommen müsstet. Dieses werdet ihr nie verstehen, weil hier Gottes Dimension amWirken ist.

Darum erklärt Jesus nicht weiter, sondern bringt es auf den Punkt: Ich werde am Kreuz für euch sterben. Wer sich mir anvertraut, der hat das Leben!

Damit komme ich dann auch zum Sonntagsthema: Trinitatis. Das ist kein Theologenthema, sonder ein Anbetungsthema. Ich habe dazu ein 700 Jahre altes Bild mitgebracht, aus einer alten Kirche in Urschalling, Bayern.

https://de.wikipedia.org/wiki/Dreifaltigkeitsfresko_Urschalling

(https://de.wikipedia.org/wiki/Dreifaltigkeitsfresko_Urschalling)

Ein unbekannter Künstler malte Vater, Sohn und Heiligen Geist. Aber es gibt nur ein Paar Hände. Nun kann man raten: Ist rechts Vaters Hand, links die Hand Jesu, und der Heilige Geist ist ohne Hände? Für mich drückt dieses Bild aus: Was wir von Gott erleben, das wir Gottes Wirken erkennen, geschieht durch den Geist.

“Er wird euch an alles erinnern, was ich euch gelehrt habe” sagt Jesus (Joh 14,26) Vater, Sohn und Heiliger Geist vereinen sich um uns zum Heil zu bringen.

Im Bild ahnen wir unten auch nur ein Paar Fü.e, die scheinbar zum Heiligen Geist gehören: Der Dreieinige Gott hat ein Ziel: Die Erlösung seiner Welt! Durch den Heiligen Geist können wir Gott mitten unter uns erleben, steht Gott auch heute in unserer Mitte!

Wir dürfen Theologie betreiben, aber wenn wir aufhören, Gottes Wirken zu bestaunen, und nur noch erklären wollen, sind wir armselig!

Wenn wirmeinen, Gott durchschaut zu haben, besser als Jesus, der Gott geschaut hat, dann irren wir gewaltig.

Wie soll das geschehen, hat Nikodemus immer wieder gefragt.

Irgendwann hat er dann gemerkt: Es geschieht schon! Ich spreche mit dem, durch wen das Heil geschieht.

Wir feiern heute Trinitatis - nicht, weil wir den Dreieinigen Gott verstanden haben, sondern weil wir erfahren dürfen, dass Schöpfer und Erlöser zusammen wirken und uns durch den Geist aufnehmen in die Erlösung. Trinitatis - Gott hat es geschafft, auch mich und dich zu erlösen. Darüber dürfen wir uns staunend freuen!

Amen


Horst Müller,

Bischof NELCSA

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