2022-01-09 - 1. Sonntag nach Epiphanias - Prädikantin Renate Switala

( Jesaja 42,1-9 ) - [ English ] - [ Akündigungen365.92 KB ]


Liebe Gemeinde
„Siehe, das ist mein Knecht!“ – so beginnt dieser eindringliche, wundersame Aufruf Gottes selber im Prophetenmund, der Text für den heutigen 1. Sonntag nach Epiphanias.

Predigttext lesen Der Knecht Gottes – Das Licht der Welt Jesaja 42,1-9

Dieser Abschnitt gehört zum Buch des zweiten Jesaja und ist eins der sogenannten Gottesknechtslieder.

Das Volk hatte lange unter der Gefangenschaft und Unterdrückung durch die Babylonier gelitten. Viele Jahrzehnte hatten viele Israeliten in der Fremde leben müssen und in Israel herrschte Armut. Viele Dörfer und Städte, auch Jerusalem mit dem Tempel waren zerstört. Das Volk lag am Boden. Und die meisten von denen, die jetzt lebten hatten mit dem Unheil, das über das Volk hereingebrochen war, gar nichts zu tun gehabt. Das lag Jahrzehnte zurück und sie waren später geboren. Sie mussten leiden: Armut, Ungerechtigkeit, keine Rechte – und das alles ohne eigenes Verschulden. Wo gab es für sie Frieden und Gerechtigkeit, einen Lebensraum, wo sie sich in Frieden entfalten konnten?

Vieles davon klingt bekannt und kommt heute noch vor.

Die Weltnachrichten, die uns vor allem über die Medien täglich mitgeteilt werden, bringen uns manchmal positive und schöne Nachrichten, aber noch häufiger schwere, traurige und dunkle Ereignisse aus der ganzen Welt. In ihnen können wir die Sehnsucht vieler Menschen wahrnehmen, aus verschiedener Situationen der Unterdrückung und Gewalt gerettet zu werden. Der Blick in die Geschichte der Menschheit zeigt, dass diese Sehnsucht nach der Befreiung zu allen Epochen der Menschheitsgeschichte gehört.

Nun erhalten die Israeliten durch den Propheten diese Verheißung Gottes.

Hier ist vom Knecht Gottes die Rede.

Wer ist mit dem Gottesknecht gemeint? Wer soll das im Auftrag Gottes tun?

Viele Ausleger haben versucht die Person des Knechts zu identifizieren mit dem Propheten, der hier als Sprachrohr Gottes diente, oder das ganze Volk Gottes oder ein zukünftiger Messias.

Ich denke, diese Frage ist gar nicht so wichtig, sondern entscheidend ist, wer hier handelt:
Gott selbst hat etwas vor. Er hat einen Plan. Er will etwas tun!
Der Knecht Gottes ist der, der sich dafür zur Verfügung stellt, Gottes Heils-Plan mit dieser Welt umzusetzen.
Das waren damals das Volk Israel oder einzelne Menschen im Volk. Das war Jesus als der vollkommene Knecht Gottes und das können wir heute sein, als Christen, die sich Gott zur Verfügung stellen. Wir können in der Bibel Gottes Heilsplan für das Volk Israel und die ganze Menschheit entdecken: Gott selbst tut alles, um wieder Heil zu schaffen, nachdem die Menschen sich von Gott abgewendet haben, eigene Wege gegangen sind und so das Unheil in die Welt gebracht haben.

Interessant ist, wie dieser Knecht Gottes, als Werkzeug Gottes wirkt. Hier heißt es von ihm:
„Er wird nicht schreien noch rufen, und seine Stimme wird man nicht hören auf den Gassen.“

Er ist kein Herrscher, der durch laute Rufe gerechtes Leben anordnet; der laut bekannt gibt, dass jetzt Gerechtigkeit geschehen wird und dass er das durchsetzen wird; auch keiner, der die Klage über die Ungerechtigkeit in der Welt hinausschreit, sondern er ist der, der einfach Gerechtigkeit leben wird. Er wird es tun. Er wird Liebe geben, Menschen helfen, jedem den gleichen Wert geben.

Den glimmenden Docht wird er nicht zerstören, nicht den Stab brechen über Menschen, nicht über uns und nicht über andere.

Wo noch ein bisschen Hoffnung ist, wird er sie erhalten, und wo noch ein bisschen Sehnsucht ist, wird er sie retten, auch in dem bösesten Menschen.

So werden Menschen erleben, dass es bei aller Ungerechtigkeit in der Welt, bei Gott Gerechtigkeit und Frieden gibt, Ruhe für die bitterlich enttäuschte Seele.

Das wird so lange so sein, bis Gott das Recht in vollkommener Weise aufrichten wird, bis es auf der Erde keine Ungerechtigkeit mehr gibt. Gott selbst wird eingreifen und das tun.

Gott kennt das erlittene Unrecht und Gott wird handeln. Gott wird alles neu machen. Das ist die Botschaft des Jesaja. Das gab den Menschen im Volk Israel Hoffnung mitten in dem zerstörten Land, mitten im Erleiden von der Ungerechtigkeit dieser Welt.

Jesus sagt von sich selbst: Ich bin nicht gekommen zu richten, sondern um zu retten. Überall, wo Menschen mit ihm zu tun haben, werden sie bei ihm Gerechtigkeit und Frieden finden.

Das kann jedem Hoffnung geben, der sich nach Gerechtigkeit und Frieden sehnt, auch wenn diese Sehnsucht nur noch ein bisschen glimmt und die Auswegloigkeit und Verzweiflung zu siegen scheint.
Er wird nicht müde, nie verliert er den Mut, bis er auf der ganzen Erde für Gerechtigkeit gesorgt hat. Selbst die Bewohner der Inseln und der fernen Küsten warten auf seine Weisung

Es geht in diesem Predigttext um umfangreiche Verheißungen an die Völker bis hin zu den Inseln. Damit sind die entferntesten Orte gemeint, die sich der Autor vorstellen konnte. Mit den Inseln sind sozusagen die Enden der Erde gemeint. Der Schreiber sitzt nicht etwa in Palästina mit einem Blick auf das damals endlos erscheinende Mittelmeer. Sondern er sitzt in Babylon, wohin ein Großteil der judäischen Bevölkerung nach der Zerstörung Jerusalems und des Tempels im 6. Jahrhundert vor der christlichen Zeitrechnung verschleppt wurde Gott, der HERR, hat den Himmel geschaffen und ihn wie ein Zeltdach ausgespannt. Die Erde in ihrer ganzen Weite hat er gebildet, die Pflanzen ließ er hervorsprießen, und den Menschen hat er Leben und Atem gegeben. Und nun sagt er zu seinem Diener: “Ich, der HERR, habe dich berufen, meine gerechten Pläne auszuführen. Ich fasse dich an der Hand und helfe dir, ich beschütze dich.” Volk Gottes, du bist auserwählt. Bei Gott bist du getauft! Gott hat dich bewahrt; er hält dich; und hat versprochen, dich weiterhin in seinen eigenen Händen zu halten, auch wenn die Sünde uns überhäuft und umgibt.

Es ist der Herr, der uns bei der Hand nimmt und uns hält und uns mit seiner Liebe umgibt Der Prophet Jesaja verwendet hier ein Bild, das uns ganz tief im Herzen berührt: Gott hällt uns bei der Hand, wie Eltern ihr Kind an der Hand halten, durchs Leben begleiten und es beschützen, solange das möglich ist. Kinder halten einander an der Hand, und Liebende tun das auch. Dieses Urbild des Vertrauens bestärkt uns und schenkt uns Kraft. Auf die Liebe Gottes und seinen Beistand dürfen wir jeden Tag aufs Neue vertrauen, und so können wir getrost durchs Leben gehen.

Durch dich schließe ich einen Bund mit den Menschen, ja, für alle Völker mache ich dich zu einem Licht, das ihnen den Weg zu mir zeigt.

Wir in dieser Gemeinde sind ein Teil der Völker, zu denen das Licht des Knechts gekommen ist. Das Ohr des Knechts wird jeden Morgen neu geweckt, damit wir wiederum das Licht, das wir empfangen haben, von unserem Schöpfer an andere weitergeben.

Die blinden Augen öffnen - Dies ist gleichbedeutend damit zu sagen, dass er denen, die unwissend waren, Anweisungen erteilen würde. Er würde sie mit Gott und mit dem Weg der Erlösung bekannt machen. Der Zustand der Welt wird oft als Dunkelheit und Blindheit dargestellt.

Um die Gefangenen aus dem Gefängnis zu holen. Dies bezieht sich offensichtlich auf eine spirituelle Befreiung, obwohl die Sprache von der Befreiung aus einem Gefängnis abgeleitet ist. Es bedeutet, dass er diejenigen retten würde, die durch die Sünde in geistiger Finsternis gefangen waren; und dass ihre Befreiung von der Knechtschaft und Finsternis der Sünde so wunderbar wäre, als ob ein Gefangener plötzlich aus einer dunklen Zelle befreit würde.
In Vers 8 sagt Gott: “Ich bin der Herr “– .Hier wendet er sich an das Volk und versichert ihnen, dass er der einzig wahre Gott ist und dass er nicht dulden wird, dass das Lob, das ihm gebührt, einem anderen oder einem geschnitzten Bild zuteil wird. Es ist ein Name, der nur dem wahren Gott gegeben wird und der überall in der Bibel verwendet wird, um ihn von allen anderen zu unterscheiden. Ich werde nicht zulassen, dass ein anderer die mir zustehende Ehre annimmt oder erhält.

Inmitten einer zerbrochenen und von Angst erfüllten Welt sendet uns Gott als Diener der Verheißung, als Licht in eine dunkle Welt., um diejenigen zu retten, die von den Mächten der Sünde und des Bösen gefangen sind.
Dem Propheten gelingt es, den engen Zusammenhang zwischen Gottes Allmacht und Gnade zu betonen, dennoch ist ein Neuanfang für die Verbannten und fü uns möglich.

In unserem Text macht der Prophet den Menschen Mut, sich endlich auf das Neue einzulassen, die neuen Wege zu wagen im Vertrauen auf den Gott, der früher schon gerettet hat und nun wieder ganz neues Leben entstehen lassen wird. So, wie er früher geholfen hat, wird er auch jetzt wieder helfen. Das Neue ist im Grunde jetzt schon da, es ist nur noch nicht sichtbar. –
Vertrauen wir dem, was wir spüren, wenn Gott uns neues zeigt! Gehen wir los auf seinen Wegen!


Amen.



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